Die Werbung versprach ein Wunder: Ein paar Wiener hätten eine Zahnbürste erfunden, mit der man in 10 Sekunden seine Zähne sauber putzen könne. 150 Euro kostete das Starter-Set. Doch das Wunder blieb aus. War die Wunder-Zahnbürste doch nur Abzocke?

Update: Nach ZackZack-Bericht stellt Unternehmen weitere Verkaufsaktivitäten ein.

Auf deutschen und österreichischen Privatsendern erzeugte die angebliche Wunderzahnbürste einen Hype, z. B. in “Das Ding des Jahres” mit Stephan Raab oder “In der Höhle des Löwen” mit Carsten Maschmeyer, der als AWD Chef seinerzeit mit Finanzprodukten Kleinanleger in Deutschland und Österreich abgezockt hatte. Auf Puls 4 läuft das Format “2 Minuten – 2 Millionen” mit Hans-Peter Haselsteiner. Er ließ sich von der Idee begeistern. Amabrush sei ihm eine Beteiligung von 1 Million Euro wert. Für das Wiener Startup mit CEO Marvin Musialek schienen Milch und Honig fließen.

Über 4 Millionen im Netz gesammelt

Finanziert wurde Amabrush letztlich aber über Crowdfunding, also über kleine Beträge, die über das Internet eingesammelt wurden. So groß die Erwartungen auf mühelose Zahnreinigung gewesen sein mögen, so groß war die Enttäuschung tausender Crowdfunder und Kunden. Zunächst bekamen die Crowdfunder entgegen der Firmenversprechen keine Zahnbürsten als Dank. Dann stellte sich heraus, dass die angebliche Wunderzahnbürste gar nicht funktionierte. Mittlerweile ist Amabrush insolvent. „Wir waren dazu gezwungen, eine Presseagentur und Anwälte anzustellen, und sind aufgrund weiterer Kosten zu dem Entschluss gekommen, dass wir keinen positiven Ausblick mehr haben“, erklärt die Firma.

Amabrush wollte wieder verkaufen – Plan nach ZackZack-Bericht aufgegeben

Als Masseverwalter der insolventen Firma wurde der Rechtsanwalt Stephan Riel eingesetzt. Um Gläubiger zufrieden stellen zu können, wurde die letzte Tranche an Zahnbürsten, die aus China geliefert wurde, nun wieder über die Website des Unternehmens verkauft. Werden hier weitere Kunden geprellt, damit Gläubiger des Unternehmens einen Teil ihres Geldes zurückerhalten? Riel bezeichnet diese Vorgehensweise gegenüber futurezone.at als üblich, auch wenn „Kunden nicht durchgängig zufrieden“ gewesen seien. Peter Kolba, Obmann des Verbraucherschutzvereins will Riel zur Verantwortung ziehen, falls auch die aktuelle Tranche nicht funktioniert.

Update: Nachdem ZackZack von dieser Entwicklung berichtet hat, gab Riel bekannt, dass der Verkauf eingestellt würde. Tatsächlich kann man über die Amabrush-Website keine Produkte mehr erwerben.

Verbraucherschutzverein will Geld zurückholen

“Amabrush hat mit gnadenlosem Marketing weltweit von angeblich 60.000 Crowdfundern 8 Millionen Euro zur Produktion der Wunderzahnbürste eingesammelt.” sagt Konsumentenschützer Peter Kolba. Der Verbraucherschutzverein (VSV) hat bei der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft Anzeige gegen die Firma Amabrush und deren Gründer erstattet. Inzwischen haben sich rund 3000 Crowdfunder und Käufer aus aller Welt beim VSV gemeldet. Der Verein hilft dabei, sich als  Privatbeteiligte dem Strafverfahren anzuschließen, verhandelt mit dem Prozessfinanzierer FORIS AG über die Finanzierung einer Sammelklage und denkt auch über eine Klage in den USA nach.

Wurden Sie auch geschädigt? Hier können sie an der Sammelaktion teilnehmen: www.verbraucherschutzverein.at/Sammelaktion-AMABRUSH.

Titelbild: Amabrush bei „Das Ding des Jahres“ auf Pro7. Foto: Screenshot Youtube

 

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