Als eine seiner letzten Amtshandlungen als Infrastrukturminister erhöhte Norbert Hofer die Gagen der parteinahen ÖBB-Manager um 55 Prozent. Ein öffentlicher Aufschrei folgte. Nun rechtfertigt sich Hofer.

Wien 07.06.2019 / Kurz vor Auftachen des Ibiza-Videos gönnte Norbert Hofer den türkisblauen Managern bei der ÖBB eine kräftige Gagenerhöhung. Gegenüber dem ORF-Radio sagte Hofer, es handle sich dabei um eine “sachlich gerechtfertigte Maßnahme”, weil die Gagen der Manager im Vergleich mit anderen Konzernen niedrig seien.

Die ÖBB-Aufsichtsräte hätten ihm deshalb gesagt: “Bitte, bitte, wir brauchen das unbedingt!” Dazu Hofer: “Ja, wenn es notwendig ist, mache ich es.”

“Bitte, bitte!” Es trifft keine Armen

Haben Hofers Parteifreunde im Aufsichtsrat der Staatsbahn es wirklich “notwendig”, beim Minister betteln zu gehen? Aufsichtsrat ist ein Nebenjob, die Gagen – bei den ÖBB nach der Erhöhung immerhin 14.000 Euro plus 800 Euro pro Sitzung – sind für die Manager ein zusätzliches Körberlgeld. ZackZack hat recherchiert, welche Jobs die türkisblauen Aufsichtsräte neben der Verwaltung unserer Eisenbahn haben. Es zeigt sich: Ganz so schlecht geht es ihnen eigentlich nicht. Alle haben neben ihrem ÖBB-Job noch weitere Managerposten.

Gilbert Trattner: Der ehemalige FPÖ-Bundesgeschäftsführer und stellvertretende Klubobmann sitzt für seine Partei im Nationalrat. Monatliches Einkommen als Abgeordneter: Knapp 9.000 Euro.

Kurt Weinberger ist Vorsitzender der Österreichischen Hagelversicherung, Präsident der weltweiten Vereinigung der Agragversicherer und Vorsitzender des Universitätsrats der Universität für Bodenkultur (BOKU).

Christian Weissenburger ist Sektionschef der Sektion I (Koordination) im Verkehrsministerium.

Monika Forstinger: Die Ex-Verkehrsministerin (FPÖ)  ist geschäftsführende Gesellschafterin von proquest, einer oberösterreichsichen Unternehmensberatung. Außerdem sitzt sie gemeinsam mit Kurt Weinberger im Universitätsrat der BOKU.

Wolf-Dieter Hofer: Der FPÖ-Politiker, der im Geschäftsleben ohne seinen ersten Vornamen firmiert, ist Wirtschaftstreuhänder und Inhaber einer Steuerberatungskanzlei in Salzburg.

Barbara Kolm ist Leiterin eines neoliberalen Lobbying-Instituts im Auftrag von Tabakkonzernen. 2016 war sie Kadidatin der FPÖ als Vorsitzende des Rechnungshofs, wurde aber vom Parlament nicht gewählt. Sie kann sich – ebenfalls auf Betreiben ihrer Partei – mit Posten im Universitätsrat der Wirtschaftuniversität und als Vizepräsidentin der Nationalbank trösten.

Cattina Leitner: Die karenzierte Richterin ist besonders fleißig im Sammeln von Managerposten. Sie ist unter anderem Vorsitzende der Schiedskommission der Karl-Franzens-Universität Graz, Vorsitzende des Universitätsrats der Medizinischen Universität Graz, Mitglied des Finanzkuratoriums der Akademie der Wissenschaften, Geschäftsführerin von Credo Web Connecting und Aufsichtsrätin der GrECo International Holding AG.

Karl Ochsner: Der Trauzeuge von Christian Strache war Kabinettschef von Ex-Vizekanzler Hubert Gorbach. Er ist Aufsichtsrat bei der ÖBAG, die alle großen Unternehmensbeteiligungen der Republik Österreich verwaltet.

Was heißt hier “notwendig”?

In den letzten zehn Jahren sind die Durchschnittsgehälter normaler ÖBB-Angestellter gesunken. Ob sie Norbert Hofers Rechtfertigung für die Erhöhung der Nebeneinkommen seiner Parteifreunde, die bereits bestens mit gut bezahlten Posten versorgt sind, so einfach schlucken werden? (tw)

Titelbild: APA Picturedesk, Pixarbay, Grafik: ZackZack

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