1.338 Rapidler wurden letzten Dezember bei eisigen Temperaturen stundenlang von der Polizei eingekesselt. Welche Rolle spielte der erklärte Intimfeind der Rapid-Fans Herbert Kickl? Heute sagte Rapid-Fanvertreter Andreas Marek im Prozess aus.

Wien, 9. Juli 2019 / Richter Wolfgang Helm wirkt entspannt, als er den Gerichtssaal im Wiener Verwaltungsgericht betritt. Er legt einen dicken Aktenstapel auf der Richtertisch und schlüpft in seinen Talar. Schon wenige Minuten später ist die Stimmung im Saal am Kochen. 28 Fans haben gegen ihre stundenlange Anhaltung Maßnahmenbeschwerde eingelegt. Viele von ihnen sind im Saal, als Rapid-Fanbetreuer Andreas Marek beschreibt, was sich an dem eiskalten Tag im Dezember zugetragen hat.

„Die kommen heut‘ nicht ins Stadion“

16. Dezember 2018: In Wien ist Derby. Bei Minusgraden stapfen über 1.300 Rapidfans in einem gemeinsamen Marsch, dem sogenannten Corteo, durch den Schnee zum Austria-Stadion. Andi Marek ist schon in der Generali-Arena, als ihn die Nachricht erreicht, dass die Rapidfans von der Polizei gestoppt wurden. Marek beeilt sich zur Südosttangente, wo die Beamten einen Absperring um die Fans errichtet haben. Dort herrscht gespenstische Stille. Als „mystisch“ bezeichnet Marek die Szene. Alle scheinen zu wissen: Etwas Seltsames geht vor sich. Niemand vor Ort, auch nicht die szenekundigen Beamten, wollen ihm sagen, was los ist. Marek will mit Einsatzleiter Oberstleutnant Gerald Lischka reden, aber: Der ist nicht zu sprechen.

Der Fanbetreuer erreicht Polizeioberst Johann Wlaschitz am Telefon. Der sagt ihm, dass Fans Pyrotechnik auf die Autobahn geworfen hätten. „Es reicht, ihr habt den Bogen überspannt! Die kommen heut‘ nicht ins Stadion.“, sagt Wlaschitz. Überwachungsbilder werden später zeigen, dass es sich bei den Gegenständen um Schneebälle handelte. Mit einer einzigen Ausnahme konnte sich im Prozess auch kein befragter Polizist an Pyrotechnik erinnern. Die Polizei sagt, laut Marek wollten die Fans nicht kooperieren. „Das ist eine Lüge.“, sagt der Fanbetreuer im Prozess.

Foto: Rechtshilfe Rapid

Sieben Stunden grundlos festgehalten?

„Die“ Festgehaltenen, das sind über 1.300 Männer, Frauen und Kinder, die bei Eiseskälte stundenlang lang festgehalten werden. Es gibt von der Polizei keine WCs, keine Getränke, keine Medikamente. Die Menschen müssen sich auf die Autobahn unter ihnen erleichtern – sogar dass wird ihnen von der Polizei später zum Vorwurf gemacht werden. Die Identität aller Menschen im Kessel soll überprüft werden. Die Polizei schätzt, dass sie etwa 50 Menschen pro Stunde überprüfen kann. Marek rechnet den Beamten vor, dass es 26 Stunden wird, bis alle nach Hause können. „Was soll ich machen?“, fragen die Beamten. Sie handeln auf höhere Anweisung.

Letztlich dauerte die Einkesselung „nur“ sieben Stunden lang. Sieben Stunden stehen 1.300 Menschen im Schnee, bei Minusgraden, dicht gedrängt. Das Argument: Niemand geht, dessen Identiät nicht überprüft wurde. Aber: Alle verkauften Karten sind personalisiert. Marek bietet der Polizei an, die Personalien aller im Kessel zur Verfügung zu stellen, wenn die Menschen dafür gehen dürfen. Die Polizei weigert sich.

Seltsame Vorkommnisse bei der Einsatzbesprechung

Andreas Marek berichtet von seltsamen Vorkommnissen bei der Einsatzbesprechung im Vorfeld des Spiels. Statt, wie üblich etwa fünf sind diesmal doppelt so viele Polizeibeamte und Vertreter des Innenministeriums anwesend. Und: Obwohl gerade die U-Bahn Station Altes Landgut neu errichtet wurde, besteht die Polizei darauf, dass die Rapidfans die übliche Route entlang der Südosttangente nehmen.

Urteil für Freitag erwartet – Fragen bleiben offen

Am kommenden Freitag wird Richter Helm entscheiden, ob den Rapidfans Unrecht zugefügt wurde. Entscheidenden Fragen werden dabei ungeklärt bleiben:

  • Warum waren diesmal so viele Beamte bei der Einsatzbesprechung?
  • Warum ordnete die Exekutive den Weg entlang der Autobahn an?
  • Wohin sind die pyrotechnischen Gegenstände verschwunden, die als Grund für die Einkesselung genannt wurden?
  • Warum ließ die Polizei die Menschen nicht gehen, obwohl Marek ihre Personalien anbot?

Beantworten kann diese Fragen vielleicht Ex-Innenminister Kickl. Dass er es tun wird, ist nicht zu erwarten. ZackZack wird weiter informieren.

 (bf/tw)

Titelbild: Herbert Pfarrhofer APA Picturedesk

 

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