Der Altkanzler will es nicht wahrhaben: Seine Zeit an der Spitze der Regierung ist vorbei! Doch das lässt er nicht auf sich sitzen und reist wie wild durch die Gegend. Ohne jedes Staatsamt trifft er den ebenfalls taumelnden israelischen Rechtskonservativen Benjamin Netanjahu, Deutschlands Kanzlerin Merkel und CDU-Chefin „AKK“. Doch jetzt treibt er es auf die Spitze und vermischt in Kalifornien Urlaub mit Wahlkampf. Wer bezahlt Sebastians Urlaubsreisen?

Wien/Berlin/Tel Aviv/Palo Alto, 20. Juli 2019 / Sebastian Kurz ist auf Reisen. Seitdem er mit klarer Mehrheit im Parlament abgewählt wurde, versucht er sich krampfhaft in den Medien zu halten. Kanzlerin Bierlein macht ihm mit einer soliden Performance das Leben schwer. Er kennt das nicht. Deshalb zieht er los und lässt sich ablichten. Doch wer zahlt seine Reisen? ZackZack.at fühlt der irren „Reisediplomatie“ des Altkanzlers nach.

Überraschende Piefke-Liebe: Was läuft da mit Merkel?

Noch vor kurzem zog der Altkanzler mit seinem Tross durch Österreich und belastete die Verkehrs- und Gemütslage vor Ort. Für ein Kurz’sches Händeschütteln kommt einiges zusammen: Fahrtkosten, Verpflegungskosten, Gehälter, Spesen, Honorare. Doch Österreich ist ihm scheinbar zu klein. Er will die große Aufmerksamkeit: In Berlin trifft er auf Angela Merkel und ihre vermeintliche Nachfolgerin „AKK“. Als wäre Ibiza und seine Abwahl nie geschehen, macht er einen auf Staatsmann. Pikant: Ausgerechnet bei der angeschlagenen deutschen Kanzlerin, die er selbst jahrelang massiv kritisiert hatte, schlägt er auf. Mit dabei: Ein riesiges Gefolge an Ex-Mitarbeitern und Vertrauten. Darunter aber auch Botschafter. Also doch ein offizieller Termin? Was sagt unsere Kanzlerin Brigitte Bierlein dazu? Kurz ist das egal, er reist auch nach Israel zu Benjamin Netanjahu. Mit ein paar professionellen Bildchen inszeniert er sich als der, der er gerne sein möchte: ein großer Stratege.

Urlaub und Wahlkampf im Silicon Valley auf Kosten der Bevölkerung

Doch jetzt treibt es Kurz auf die Spitze: Wie bekannt wurde, hält er sich derzeit in Kalifornien auf. Offenbar macht er Urlaub und Wahlkampf zugleich, denn er liegt nicht nur am Strand herum, sondern trifft auf mächtige Unternehmer. Der Sonnenstaat hat zweifelsohne viel zu bieten. Jedoch würden sich eine solche Reise viele Österreicher wünschen. Das Problem daran: Viele können sich diese Reise schlicht nicht leisten. Kurz schon. Und zwar auf Kosten der Steuerzahler. Aus seinem Umfeld hört man, die Reisen zahle die Partei. Man beteuert, dass da nichts auf Staatskosten geschehe. Geht’s noch? Wie jeder weiß, werden Parteien vor allem von staatlicher Parteifinanzierung (bei der ÖVP kommen noch eine Menge Großwurstspender hinzu) über Wasser gehalten. Insofern handelt es sich natürlich um Staatskosten. Gerade wenn Botschafter mit von der Partie sind. Kurz‘ Sprecher ließ verlautbaren, Botschafter würden angeblich jeden Parteichef auf Auslandsreisen begleiten. Ob man Termine bei Regierungschefs bekomme, stehe auf einem anderen Blatt. Kurios: Ausgerechnet die angeschlagenen oder, wie bei Netanjahu, um ihr Amt zitternden Politiker trifft Kurz. Ob er sich damit schmücken kann, ist fraglich.

Macht Kurz den Kern? Altkanzler auf Abwegen mit den Digitalmächten

Aber was macht genau Kurz im Sonnenstaat? Es wirkt, als möchte er unbedingt zurück ins große Rampenlicht. Doch damit nicht genug: Besuche bei den Tech-Giganten Apple, Google, Tesla und Netflix stehen angeblich auf seinem Programm. Seit wann interessiert sich der Altkanzler für Digitalisierung? In seiner kurzen Amtszeit servierte er den Österreichern bei dem so wichtigen Thema nur Magerkost. Wird er den digitalen Supermächten sagen, dass sie ihrer Steuerpflicht nachkommen sollen? Vielleicht geht es aber auch um etwas ganz anderes: Plant der Altkanzler etwa einen Kern-Exit in die Wirtschaft für die Zeit nach der Politik? Christian Kern verweilt derzeit in Tel Aviv und versucht, in der Startup-Szene durchzustarten. Allerdings nicht auf Staatskosten. Man darf gespannt sein, ob sich Kurz an seinem Feindbild orientiert oder ob die exzessive „Reisediplomatie“ völlig ausartet. ZackZack.at bleibt jedenfalls am Ball.

(wb)

Titelbild: APA Picturedesk

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