Polizeigewalt gegen Klimaaktivisten bei der „Fridays for Future“-Demo in der Wiener Innenstadt erhitzten Ende Mai die Gemüter. Das Thema ist nun ein Fall für die Gerichte. Auf der Anklagebank befindet sich nun allerdings nicht ein Polizist, sondern der 22-jährige Demonstrant Simon F. Der Vorwurf: Versuchter Widerstand gegen die Staatsgewalt. Die heutigen widersprüchlichen Polizeiaussagen werfen jedoch einige Fragen auf.

Wien, 22. Juli 2019 /Am 31. Mai nahm der junge Bursch an der „Fridays for Future“ Demonstration gegen den Klimawandel teil. Als die Polizei eine Sitzblockade auflöste, trugen mehrere Beamte den schmächtig gebauten Aktivisten in einen eigens von Medien abgeschirmten Bereich. F. betonte stets, er habe sich passiv verhalten und wie ein „Mehlsack“ von der Exekutive befördern lassen.

„Jetzt ist es zu spät“

Im abgeschirmten Bereich verwandelte sich der Mehlsack jedoch zum Boxsack. Da der Aktivist seinen Rucksack nicht der Polizei übergeben wollte, fixierten fünf Beamte den Angeklagten. Als er seinen Rucksack der Exekutive schließlich doch überreichen wollte, quittierte dies ein Polizist nur mit: „Jetzt ist es zu spät!“ Der Student wurde „grob zu Boden gedrückt“ und ihm wurden mehrere Faustschläge versetzt. Davon trug er eine Rissquetschwunde am Kopf sowie mehrere Prellungen an Oberkörper und Extremitäten. Die blutenden Verletzungen bestätigten auch die nachfolgend befragten Polizisten.

Widersprüchliche Polizeiaussagen

Der Standpunkt der Polizei hingegen ist uneins.  Die beiden aussagenden Beamten widersprachen sich in gewissen Teilen über das Verhalten von F. Laut einer Befragten soll er sich konsequent mit Tritten und Schlägen gegen die fünf Polizisten gewehrt haben. Wie sich der schlaksige und nicht sehr kräftige Bursch gegen die Überzahl an ausgebildeten Exekutivbeamten behaupten hätte können, blieb unklar:  Auf Nachfrage, wie er in fixierter Position gegen die Ordnungshüter treten konnte, antwortete die Polizistin nur, dass sie sich nicht genau daran erinnere.

Polizistenzeuge auf Urlaub

Mit von der Partie gegen F. wäre auch einer der Polizisten gewesen, welcher am selben Tag unter lauten „in die Nieren“-Zurufen an einer Prügelaktion beteiligt gewesen sein soll. Pikant: Eben jener Polizist befindet sich bereits in einem Gerichtsprozess wegen Körperverletzung bei der Klimademo. Am heutigen Verhandlungstag konnte er urlaubsbedingt jedoch nicht teilnehmen.

Pilz: „Guten Ruf der Polizei verteidigen“

Vor Ort befand sich JETZT-Spitzenkandidat Peter Pilz. Laut Pilz „sitzt hier der Falsche auf der Anklagebank. Wichtig ist es, die wenigen schwarzen Schafe bei der Polizei zu finden, um den guten Ruf unserer Polizei nicht zu gefährden.“

Bei der Fortführung der Verhandlung im Herbst hat der verteidigende Anwalt bereits eindeutiges Videomaterial, die die Unschuld seines Mandaten zeigen soll, angekündigt. (bf)

Titelbild: APA Picturedesk, ZackZack-Grafik

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