Warum die USA vor 50 Jahren die Sieger waren

Genau 50 Jahre nach der ersten Mondlandung ist die Menschheit immer noch nicht in der Lage, es Neil Armstrong und Buzz Aldrin gleich zu tun und einen Fuß auf unseren nächsten Nachbarn in Weltraum zu setzen. Die Menschheit verfügt derzeit über keine Raketentechnologien, die es uns erlaubt, einen Ausflug zum Mond und zurück zu unternehmen.

Dennoch sind wir in einer ähnlichen Lage wie damals: auch heute gibt es wieder ein Rennen um eine Mondlandung. So wie damals gibt es weltweit mächtige Politiker, die das Prestige der Mondlandung als Teil nationalistischer Nabelschau ansehen. Die USA, China, Indien, Japan, Europa, Israel und Russland haben die Landung auf dem Mond bzw. die Besiedlung des Mondes zum Ziel deklariert. Unbemannte Landungen sind ein wichtiger Zwischenschritt auf dem Weg zurück zum Mond. Der Mond selber ist eine künftige Ausgangsbasis zum bemannten Flug in unser Sonnensystem. So braucht es doch 40 Mal weniger Energie vom Mond zu starten als von der Erde.

Die Geschichte der kommenden, bemannten Raumflüge zum Mond muss aber immer in Zusammenhang mit den Mondlandungen Ende der 1960er und Anfang der 1970er Jahre betrachtet werden. Der Wettlauf der beiden Systeme in der Nachkriegszeit kam sehr rasch zu dem Zeitpunkt, wo klar wurde, dass der Weltraum ein wichtiger Teil des eigenen Herrschaftsbereiches war. Deshalb lieferten sich die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten von Amerika einen beispiellos kostenintensiven Kampf um den Weltraum.

Initialzündung Raketenforschung in Deutschland

Die V2-Rakete in einer frühen Testphase / Foto: Bundesarchiv CC

Die Wurzeln der erfolgreichen Eroberung des Weltraums liegen aber in Deutschland und zwar in der Raketenforschung im 2. Weltkrieg. Wernher von Braun, Kind einer preußischen Adelsfamilie, war seit seiner Kindheit von der Vorstellung getrieben, den Schritt in den Weltraum zu wagen. Bei der Umsetzung hatte er wenig Skrupel. Er konnte Adolf Hitler davon überzeugen, statt in eine Luftabwehr für deutsche Städte zu investieren, Unsummen für eine Raketenwaffe freizugeben, die unter dem Decknamen Aggregat 4 in Penemünde an der Ostsee gebaut wurde. Die V2, Vergeltungswaffe 2, sodann der offizielle Name, war das erste Gerät, dass mit einer maximalen Flughöhe von 176 km den erdnahen Weltraum erreichen konnte. Die Serienfertigung dieser flüssigkeitsgetriebenen Rakete sollte, neben den Opfern der Sprengwirkung, auch noch rund 20.000 Menschenleben bei den dafür eingesetzten Zwangsarbeitern kosten.

Alle werben Ex-Nazis an

Trotz dieser Tatsache wurde Wernher von Braun und sein Team nach dem Krieg von den USA angeworben. Die Techniker der 2. Reihe wurden in der Folge von den Russen angeheuert und schon begann der Wettlauf um die beste Raketentechnologie. Obwohl beide Nationen noch keine atomaren Sprengköpfe besaßen, wurde auf beiden Seiten unter hohem Zeitdruck militärische Trägerraketen konstruiert. Es sollte möglichst keine „Vernichtungslücke“ entstehen. Da die Russen mit sehr schweren Sprengköpfen bis zu sechs Tonnen rechneten, wurden die Raketen sehr viel größer konzipiert, als die Gegenstücke in den USA. Damit besaß Russland zwar völlig überdimensionierte Interkontinentalraketen, aber gleichzeitig auch die Technologie, große Massen in den Weltraum zu schießen. Das führte dann letztlich zum berühmten Sputnik-Flug und zur ersten Erdumkreisung eines Menschen durch Juri Gagarin.

Die UdSSR gibt den Takt vor

Zu dieser Zeit, zwischen 1957 und 1962 waren die USA deutlich ins Hintertreffen geraten. Trotz vielfacher Anstrengungen bleiben die USA lange Zweiter in dem Rennen um die Vorherrschaft im erdnahen Weltraum. Die Regierung unter Eisenhower wollte die Eroberung des Weltalls nicht einem Ex-Nazi, wie von Braun es war, überlassen und so wurde die Marine nach dem Sputnik-Schock mit dem ersten Start eines künstlichen Satelliten beauftragt. Dieses Venguard getaufte Programm mündete in einem Desaster und einer nationalen Schmach. Von 13 Raketenstarts waren nur drei erfolgreich. Letztlich konnte nur ein Satellit mit der Größe einer Melone ausgesetzt werden. Bemerkenswert dabei ist aber, dass dieser Satellit als erster mit Solarzellen ausgestattet war und 7 Jahre im Orbit einsatzfähig bleib. Doch dieser kleine Teilaspekt konnte die Unzuverlässigkeit der Venguard-Rakete, die als Interkontinentalrakete konzipiert war, nicht wett machen.

JFK erkennt die politische Dimension

John F. Kennedy erkannte das politische Potential des Kampfes, um die Vorherrschaft im Weltraum und thematisierte das sehr deutlich in seinem Präsidentschaftswahlkampf. Nach dem Amtsantritt und dem ersten erfolgreichen, bemannten Raumflug Russlands durch Gagarin, wurde nach einem Ziel gesucht, das für die USA vor der Sowjetunion erreichbar war. Der Flug zum Mond schien dabei sehr erfolgsversprechend.

Die Stunde des Wernher von Braun

John F. Kennedy (r.) und Wernher von Braun (Mitte) / Foto: NASA

Nun führte aber kein Weg mehr an Wernher von Braun und seinem Team vorbei. Braun konnte Kennedy überzeugen, 35 Milliarden Dollar für ein Raumfahrtprogramm zu budgetieren. Neben von Braun war es der Leiter der NASA, James Webb, der als Washington-Insider die Politiker auf seine Seite holen konnte, um die enormen Summen letztlich auch freigegeben zu bekommen.

Zweifel und Bestätigungen

Kennedy zweifelte nicht nur einmal am Mondlandeprogramm, doch jedes Mal lud von Braun den Präsidenten nach Cape Canaveral oder Huntsvill ein und konnte seine Zweifel zerstreuen. Mit dem Mercury-Atlas-Programm und dem ersten orbitalen Raumflug eines US-Amerikaners, durchgeführt von John Glenn, durfte Kennedy auch noch die ersten Erfolge seines Weltraumprogramms miterleben. Wenige Tage vor seiner Ermordung wohnte Kennedy der erfolgreichen Zündung eines Raketenmotors für die Saturn-Mondrakete bei.

Nach Kennedys Tod war es sein Nachfolger Lyndon B. Johnson, der keine Zweifel an der Umsetzung des Apollo-Programms aufkommen ließ. Wernher von Braun konnte somit weiter daran arbeiten, als Weltraumeroberer und nicht als EX-Nazi und Massenvernichtungswaffenentwickler in die Geschichte einzugehen.

Genie und Rampenlicht

Auch auf russischer Seite gab es quasi einen Wernher von Braun. Sergei Pawlowitsch Koroljow war sein Name. Er war nicht nur ein genialer Raketenentwickler, sondern auch ein begnadeter Manager. Mit der Interkontinentalrakete R7 gelang ihm eine Konstruktion, die den Grundstein für die Überlegenheit der UdSSR bei der Eroberung des Weltraums legte. Trotz eines großen Ehrgeiz blieb Koroljow quasi ein Phantom, denn die strikte Geheimhaltungspolitik verhinderte, dass er sich ins von ihm so ersehnte Rampenlicht stellen konnte.

Mangelhafte Technik führt ins Scheitern

Juri Gagarin (l.), der erste Mensch im All, unterhält sich mit Sergei Koroljow (r.)

Koroljow dominierte die Entwicklung des Raumfahrtprogramms, dessen Bedeutung Nikita Chruschtschow, dem Regierungschef, erst nach der Schockreaktion der USA auf den Erstflug des Sputniks klar wurde. Doch die scheinbare technische Überlegenheit der UdSSR stand auf tönernen Füßen. Koroljow war zwar ein Genie, aber neben ihm war niemand, der ihn nach seinem überraschenden Tod 1966 hätte nachfolgen können. Das führte letztlich dazu, dass die Sowjetunion nicht in der Lage war, eine funktionsfähige Mondrakete zu bauen. Die N1-Mehrstufenrakete, das Erbstück Koroljows, war zwar ähnlich groß wie die Saturn V der USA, aber statt fünf Triebwerken, wie bei den Amerikanern für die erste Stufe, mussten 30 deutlich kleinere Triebwerke zusammenspielen. Dieses Zusammenspiel führte letztlich zu vier gescheiterten Testflügen. Der zweite Startversuch endete in einem kompletten Desaster, weil die Rakete nach dem Abheben zurück auf das Startgelände fiel. Damit war das Mondlandeprogramm der UdSSR Geschichte.

Mit der Saturnrakete zum Mond

Wernher von Braun war mit seiner Saturn V-Konstruktion deutlich erfolgreicher und alle gestarteten Saturn-Raketen erreichten ihr Ziel. Das ist umso bemerkenswerter, weil jedes einfache Mobiltelefon heute ein Vielfaches an Rechenleistung besitzt wie die damalige Mondrakete. Ein weiterer Vergleich: Ein modernes Smartphone besitzt ein Vielfaches der Rechenleistung des gesamten Mondlandeprogramms.

Aber es war nicht nur die Raketentechnologie, die letztlich zum Erfolg führte. Die USA machten unglaubliche Summen für ihr Weltraumprogramm locker. 1968 und 1969 waren das mehr als 3% des Bruttosozialproduktes. Über 400.000 Mitarbeiter waren landesweit am Apollo-Programm beteiligt. Die UdSSR wäre niemals in der Lage gewesen, ähnliche finanzielle Mittel aufzuwenden, auch wenn der Nachfolger von Chruschtschow, Leonid Breschnew, sehr viel Geld für die Raumfahrt zur Verfügung stellte.

1:1 – zwischen Erfolg und Misserfolg

Der Erfolg beim Flug zum Mond war keinesfalls sicher. Die erste Apollo-Mission endete schon vor dem Start in einer Katastrophe, als die drei Astronauten Grissam, White und Chaffee bei einem Test auf der Startrampe in der Kapsel verbrannten. Das brachte nicht nur das ganz Programm kurzfristig in Gefahr, sondern verzögerte die Entwicklung um viele Monate. Dieser Unfall führte aber auch zu einer Reihe von Verbesserungen, die letztlich den erfolgreichen Flug zum Mond und die Rückkehr zur Erde erst möglich machten.

Da die UdSSR vieles geheim hielt, konnte die NASA den Stand der Entwicklung nur abschätzen und von Braun betonte bei jeder Gelegenheit, dass die Sowjetunion ein gefährlicher und nicht zu unterschätzender Gegner war. Auch drängte die Zeit, denn Kennedy hatte vorgegeben, noch vor dem Ende des Jahrzehnts einen Menschen zum Mond und gesund wieder retour zu bringen. Vieles lief deshalb auch bei der NASA schief und oft rettete nur die Coolness und die gute Ausbildung der Astronauten eine Mission. Gemini 8 zum Beispiel stand kurz davor, in einem tödlichen Drama zu enden. Nur den Fähigkeiten von Neil Armstrong war es zu verdanken, dass die Kapsel mit zwei gesunden Astronauten zurückkehrte.

Wirtschaftskraft als entscheidender Faktor

Letztlich war es aber die wirtschaftliche Stärke, der unbedingte Wille zum Sieg und die breite Basis an Manpower, die der USA den Sieg im Wettlauf um den Mond ermöglichten. Als Apollo 17 zum letzten Mondflug gestartet war, entließ die NASA 50.000 Mitarbeiter am folgenden Tag. Diese Menschen bildeten dann den Grundstock der Entwickler, die in der Computer- und Rüstungsindustrie den USA eine Vormachtstellung über Jahrzehnte verschafften.

Im zweiten Teil werden wir uns mit dem neuen Wettlauf zum Mond beschäftigen, der gerade wieder stattfindet, 50 Jahre nach der ersten erfolgreichen Mondlandung.

(sm)

Titelbild: NASA, ZackZack / Grafik: ZackZack

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