Neue Entwicklungen: Begleitschreiben zu angeblicher ÖVP-Spendenaffäre in Tirol liegt ZackZack.at vor.

Wien/Innsbruck, 26.07.2019 /Die Aufregung um die angebliche Spendenaffäre der ÖVP Tirol ist um eine Facette reicher: Die ZackZack.at-Redaktion erreichte heute ein anonymer Brief. Darin werden Hintergründe um die von SPÖ Tirol-Chef Georg Dornauer veröffentlichte Email über angebliche illegale ÖVP-Parteispenden erläutert.

Anonymes Schreiben behauptet, Umstände aufzuklären

Ein entsprechender Tweet des Tiroler SPÖ-Chefs Georg Dornauer hat Donnerstagabend für Aufregung in Tirol gesorgt. Dornauer postete auf Twitter ein ihm zugespieltes E-Mail, in der von außerordentlichen Spenden von Tiroler Unternehmen an die EU-Abg. Barbara Thaler für ihren Wahlkampf mit verlangter Gegenleistung durch die ÖVP bzw. das Land Tirol die Rede ist. Die ÖVP dementiert, es handle sich um ein Fake-Mail.

In dem Schreiben, das ZackZack.at zuging, behauptet der anonyme Verfasser: „Als Mitarbeiterin der ÖVP (ÖAAB) Tirol bin ich auf diesen mail-Verkehr gestoßen. Ich weiss, uns wurde ein Maulkorb verpasst, daher schreibe ich mein Anliegen anonym.“  Im folgenden werden in dem Brief Vorwürfe geäußert, Tiroler Wirtschaftstreibende hätten ÖVP-Politikerin Barbara Thaler „gekauft“. Über die bereits bekannten Vorwürfe werden weitere konkrete „außerordentliche Spenden“ genannt.

JVP-Funktionär beschuldigt

Als Absender der gestern Nacht veröffentlichen Mail ist ein Mitarbeiter von Thalers Agentur ausgewiesen. Wie ZackZack.at-Recherchen ergeben haben, ist der junge Mann Funktionär der Jungen ÖVP und Gemeinderat in seiner Tiroler Heimatgemeinde. Bis gestern war er im Google-Cache noch als Mitarbeiter von Thalers Agentur auffindbar. Außerdem nannte er auf Social Media-Profilen die Agentur als aktuellen Arbeitgeber. Auf der Website der Agentur ist er jedoch nicht mehr als Mitarbeiter geführt.

Das angebliche Mail ging an ÖVP-Landesgeschäftsführer Martin Maulaun, der in dem Schreiben persönlich adressiert wird, sowie an das Büro von Landeshauptmann und ÖVP-Chef Günther Platter.

Angebliche Schmiergeldzahlungen

In Summe seien „bisher 47.345 Euro (in Bar zu meinen Händen) auf diese spezielle Weise zusammengekommen“, ist in der angeblichen Mail etwa zu lesen. Dann werden bekannte Tiroler Unternehmen angeführt, die sich dafür etwa eine „entsprechende Berücksichtigung von Anliegen“ oder „schnellere Verhandlungen für einen Zubau“ erwarten. Besonders pikant ist der Wunsch einer Tiroler Interessengruppe nach Abschussquoten für Wölfe. Thaler hoffe, schreibt der Absender, dass die Anliegen der Spender „einer schnellst möglichen Erledigung zugeführt“ werden.

„Der nächste Spendenskandal aus dem Hause Volkspartei??“ fragte Dornauer in seinem Tweet. Und bat um rasche Aufklärung „bevor ich alles zum Schredder bringe“.

ÖVP dementiert

„Fassungslos“ reagierte indes Malaun im Gespräch mit der APA. „Das ist eine Riesensauerei. Ich fordere den Rücktritt von Georg Dornauer“, erklärte Malaun. So etwas einfach ohne Gegencheck und Recherche zu veröffentlichen, sei eines Tiroler SPÖ-Vorsitzenden nicht würdig. Es handle sich eindeutig um ein Fake-Email, so Malaun. Man werde den Wahrheitsbeweis antreten, er werde auch eidesstattliche Erklärungen der genannten Unternehmen einholen.

Das Email sei nie bei ihm angekommen. Auch im Büro von Landeshauptmann Platter sei es nie eingegangen. Er habe mit dem angeblichen Absender gesprochen – dieser habe ihm erklärt, dass das Mail von der Form her täuschend echt aussehe. Er habe so etwas aber niemals aufgesetzt und versendet, zitierte Malaun den Mann.

Werden heute weitere Details veröffentlicht?

Dornauer solle sofort sein Quelle nennen, forderte der ÖVP-Geschäftsführer. Die Tiroler ÖVP werde Anzeige gegen Unbekannt erstatten. Auch gegen Dornauer prüfe man rechtliche Schritte, kündigte Malaun an. Dornauer kündigte daraufhin an, heute ein „Begleitschreiben“ zur angeblichen Mail veröffentlichen zu wollen. Es ist davon auszugehen, dass es sich dabei um dasselbe Schreiben handelt, das auch ZackZack.at vorliegt.

Der von VP-Landesgeschäftsführer Malaun kündigte auf Rückfrage von ZackZack.at an, dass sowohl die ÖVP als auch die genannten Firmen eidesstattliche Erklärungen abgeben werden, dass die Anschuldigungen falsch sind. Die Industriellenvereinigung teilte mit, dass „zu diesem Zeitpunkt“ keine Zahlungen ausständig waren. Auf die Frage, ob zu anderen Zeitpunkten Zahlungen erfolgt waren, wollte die IV keine Auskunft geben. Beim Jagdverband zeigt sich von den Vorwürfen überrascht. Darüber hinaus waren keine der genannten Personen und Unternehmen bisher für ZackZack.at erreichbar oder bereit, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen. Bisher konnte nicht geklärt werden, ob es sich bei den Schriftstücken um Fälschungen handelt. (APA/red)

Titelbild: APA Picturedesk

Aktuell