ZackZack.at: Herr Hohenecker, sie sind der Urheber des viral gegangenen Videos auf der Klimademo „Ende Geländewagen“ vom 31.Mai. Im Kurier wurde berichtet, dass das Videomaterial bearbeitet wurde, teilweise wurde sogar von einem Fake gesprochen, was sagen sie dazu?

Marcus Hohenecker: Das Videomaterial zeigt genau das, was zu diesem Zeitpunkt stattgefunden hat und nichts Anderes! Es zeigt neun Schläge eines Polizisten gegen einen wehrlos am Boden liegenden Demonstranten, der von vier Polizisten gehalten wird. Das habe ich auch unter Wahrheitspflicht vor der Polizei ausgesagt.  Ich habe selbstverständlich keine Änderungen an dem Video gemacht, die das irgendwie anders aussehen lassen sollen.

ZZ: Die Polizei und Innenminister Peschorn sprechen laut parlamentarischer Anfrage von JETZT von zwei bis drei Schlägen.

MH: Genau das ist eine glatte Lüge, eine Schutzbehauptung. Wenn der Innenminister diese Behauptung auch noch stützt, dass das Video gefälscht ist, ist das eine Verleumdung gegen mich. Ich habe mir noch nie etwas zu Schulden kommen lassen. Ich weiß, dass das illegal wäre! Ich würde so etwas niemals tun. Und diese Verleumdung wird noch ein rechtliches Nachspiel haben.

ZZ: Planen Sie rechtliche Schritte?

MH: Ich plane sowohl rechtliche Schritte gegen das Medium und den Journalisten als auch womöglich gegen den Innenminister. Hier wird mir etwas unterstellt, das ich nicht getan habe.

ZZ:Sie haben die Polizeigewalt der Klimademo mit eigenen Augen gesehen. Wie empfanden Sie die Ereignisse des 31. Mai?

MH:Es sind Menschen, die gegen die Klimakrise für einen gutes Anliegen friedlich demonstrieren und dann werden sie geprügelt.  Die Menschen sind friedlich auf die Straße gegangen, haben gesungen und dann werden sie geprügelt. Einer wurde sogar unter ein in Betrieb gesetztes Auto gelegt und man wäre ihm fast über den Schädel gefahren. Ich habe das mit meinen eigenen Augen gesehen und dieser Mensch wäre fast vor meinen eigenen Augen gestorben, die haben ihn fast umgebracht.

Und dann nach dieser Polizeigewalt, zu behaupten das Problem seien die Leute, die filmen und gegen die, die das dokumentiert haben auch noch vorzugehen – das ist das allerletzte, ich hätte mir gewünscht, dass diese Polizisten, vor denen man als Bürger eigentlich Angst haben muss, nicht weiter ihren Dienst ausüben dürfen, dass diese aus dem Dienst entlassen werden. Stattdessen geht man auf die Aktivisten und Passanten wie mich, eine Schuldumkehr, obwohl ganz Österreich das Video sieht.

Man sieht in der Szene dreimal, wie der Polizist neun Schläge versetzt. Jeder hat gewusst, dass das wiederholt ist. Der Kurier und alle anderen Medien, kommen jetzt erst 2 Monate nach der Veröffentlichung mit den Anschuldigungen, dass das Video gefälscht sei. Das ist erfunden!

Das ist der größte Skandal, dass vor meinen Augen und auch den Augen vor vielen Menschen, ein Mensch fast exekutiert wurde. Dem Vernehmen nach ermittelt man hier wegen Gefährdung der körperlichen Sicherheit. Das ist der wahre Skandal, dass die Justiz nicht wie in anderen Fällen wegen versuchten Mordes ermittelt.

ZZ: Danke für das Gespräch.

(bf)

Titelbild: Marcus Hohenecker

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