9:20 Uhr Guntramsdorf. Ein Beben geht durch die schmale, 300 Meter lange Feldgasse. Nur 40 Zentimeter von den umliegenden Hausmauern entfernt, fährt nicht wie vorgesehen die Badner Bahn auf den vorhandenen Straßenbahnschienen, sondern ein tonnenschwerer Güterzug. Die Folgen für die Anrainer sind dramatisch. Die schweren Erschütterungen wirken sich nicht nur negativ auf die Bausubstanz aus, sondern auch auf die Nerven der Bewohner.

Wien, 07. August 2019/ Alles begann im Februar 2008. Seitdem fahren jeden Werktag auf der mit Straßenbahnschienen ausgelegten Feldgasse in Guntramsdorf bis zu 280 Meter lange Güterzüge, prall gefüllt mit Stahltransporten. Laut Anrainern widerrechtlich.

Dieser Screenshot von Google Earth zeigt, wie eng die bewohnte Gasse ist, durch die die Güterzüge gejagt werden.

Sicherheit geht nach

Die Unsicherheit der Bewohner wird tagtäglich in Kauf genommen. Die Zufahrt zum eigenen Haus entwickelt sich zu einem gefährlichen Manöver! Sowohl für die Zugführer, als auch für zufahrende Anrainer ist die Situation unübersichtlich. Fußgänger müssen sich für ein sicheres Ausweichen der Züge auf dem 40 Zentimeter breiten Gehsteig an Hausmauern anlehnen, um nicht von vorbeifahrenden Zügen mitgerissen zu werden. Beim Starten eines Güterzuges löste sich ein Ventil unterhalb eines Hauses. So trat Gas aus diesem aus.

Zusätzlich soll ab 2025 der Intervalltakt der Badner Bahn auf sieben Minuten heruntergekürzt werden. Dies bedeutet, dass alle dreieinhalb Minuten ein Zug durch die Feldgasse verkehren soll und so eine Zufahrt zu den Häusern weiter erschwert wird.

Kampf gegen Windmühlen

Seit mittlerweile mehr als zehn Jahren kämpfen Bewohner der Straße gegen die Lärmbelästigung. Eine davon von Ihnen Frau Dr. Heide Keller. Laut ihr sind die Wiener Lokalbahnen (WLB) daran schuld. Diese sollen 2007 absichtlich Straßensondernutzungsbescheide den Behörden verschwiegen haben, wodurch es zu Fehlentscheidungen vor Gericht kam. So wurde die Gleisanlage als Nebenbahn qualifiziert und damit für die Nutzung von Güterzügen zugelassen. Die vorenthaltenen Bescheide, welche erst 2013 an die Behörden weitergeleitet wurden, hätten die WLB eindeutig als Straßenbahn qualifiziert. Grund: Es handle sich hier nachweislich um einen öffentlich, für Straßenanlagen gewidmeten, Grund und damit nicht um einen Bahngrund.

Skandal: Beim Einbau der Eisenbahnanlage im Sommer 2007 in die Feldgasse wurden weder statische, noch geologische Untersuchungen unternommen, noch wurde die zugesagte Bauverhandlung durch die Gemeinde abgehalten. Auf Nachrichten der besorgten Bewohner reagieren zuständige Behörden und politische Instanzen nur sehr spärlich. Wenn sie Antworten erhalten, verweisen diese nur auf die Entscheidungen der Gerichte.

WLB antwortet ZackZack.at

Auf Nachfrage von ZackZack.at antworteten die WLB auf die Vorwürfe der Anrainer: „Es gibt seitens der WLB seit vielen Jahren dennoch diverse zusätzliche Maßnahmen, um die Sicherheit in der Feldgasse über die Vorschriften hinaus möglichst sicherzustellen. Zum einen gilt eine stark reduzierte Geschwindigkeit der Züge bei der Durchfahrt. Personenzüge fahren hier nur mit 25km/h, für Güterzüge gilt (je nach Fahrtrichtung) eine Geschwindigkeit von nur 10 bzw. 20 km/h. Dadurch kommt es auch zu einer Reduktion einer allfälligen Lärmbelästigung. Außerdem gilt ‚Fahren auf Sicht‘, das heißt, dass die Zugführer hier zu besonderer Aufmerksamkeit verpflichtet sind.“

(bf)

Titelbild und Video: Heide Keller

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