Erst ein gutes Jahr ist es her, dass der neue Eigentümer der Kika-Leiner-Gruppe seinen Mitarbeitern einen harten Sparkurs verordnete: Von 5.000 Mitarbeitern verloren etwa 1.100 ihren Arbeitsplatz. René Benkos Signa-Holding hatte sich die Möbelkette um 600 Millionen Euro geschnappt. Nun droht den Angestellten der deutschen Kaufhof-Kette ein ähnliches Schicksal. Es geht um 37.000 Arbeitsplätze.

Wien, 08. August 2019 / Der österreichische Immobilienmilliardär René Benko ist seit einigen Jahren auf großer Einkaufstour. Kürzlich begann Benko als Big Player am österreichischen Medienmarkt mitzuspielen. Benko kaufte sich bei der deutschen WAZ ein und hält damit jeweils ungefähr ein Viertel an Krone und Kurier. Über Umwege kontrolliert er damit auch Anteile an News und Profil. Schon zuvor hatte Benko einige große Einzelhandelsunternehmen gekauft. Er scheint dabei eine Vorliebe für Unternehmen zu haben, denen anschließend ein harter Sanierungskurs verordnet wird. Aktuell trifft es die deutsche Kaufhof-Kette. Tausende Stellen werden gestrichen, wer bleiben darf, bekommt weniger Gehalt. Wie geht es nun für die Mitarbeiter weiter?

Mitarbeiter unter Druck gesetzt

Bei Benkos „Europäische Warenhaus AG“ geht es um viel. Etwa 37.000 Mitarbeiter sind für die beiden Handelsketten Karstadt und Kaufhof tätig. Letztere haben etwas bessere Verträge. Das soll sich nun ändern. Wie das Handelsblatt berichtete, werden mehrere tausend Angestellte ihren Job verlieren. Doch damit nicht genug: Der Arbeitsdirektor von Karstadt und Kaufhof, Miguel Müllenbach setzt nun die Gewerkschaft Verdi unter Druck.

Falls diese nicht dem Ausstieg aus dem Tarifvertrag (dem deutschen Gegenstück zu österreichischen Kollektivverträgen) zustimmt, würde Kaufhof einfach mit Karstadt zusammengelegt. Der schlechtere Karstadt-Vertag gälte dann für alle Mitarbeiter des Unternehmens. Für die ohnehin nicht fürstlich entlohnten Kaufhof-Angestellten würde das eine Gehaltskürzung von sage und schreibe elf Prozent bedeuten.

Aus für Tarifverträge?

Die Mitarbeiter bei Karstadt waren bereit, auf den tarifvertraglichen Lohn und damit auf einen Teil ihres Gehalts zu verzichten, um Stellenkürzungen zu verhindern. Nun werden die Kaufhof-Mitarbeiter gedrängt, dasselbe zu tun. Offenbar sollen alle Angestellten systematisch aus den relativ sicheren Tarifverträgen gedrängt werden. Dann würden die Gewerkschaften weiter an Einfluss verlieren. Künftigen Einschnitten hätten die Mitarbeiter dann noch weniger entgegenzusetzen.

(tw)

Titelbild: APA Picturedesk

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