In Oberösterreich bahnt sich ein neuer Förder-Skandal an. Irre: Die Kunst- und Kulturszene kämpft ums Überleben, während der Weltkonzern KTM vom türkis-blau regierten Land in Millionenhöhe mit „Kulturförderung“ ausgestattet wird. KTM-Chef Pierer ist als großzügiger Gönner der ÖVP bekannt.

Oberösterreich, 12. August 2019 / Laufend werden Fördergelder für die zeitgenössische Kunst- und Kulturszene im türkisen Oberösterreich gekürzt. Höhere Eintrittspreise für die Bevölkerung und weniger kulturelle Veranstaltungen sind die Folge. Die Förderung für ein als Museum verkauftes Marketing-Projekt des Weltkonzerns KTM ist dem Land hingegen ein Vermögen wert. Damit fehlt das Geld für kleine Kunst- und Kulturvereine.

KTM erhält mehr als alle Künstler und Kulturvereine in OÖ zusammen

Ein Museum soll es werden, die „Motohall“. Diese soll vom KTM-Tochterkonzern „KTM Motohall GmbH“ betrieben werden. Gegen ein Motorrad-Museum ist prinzipiell nichts einzuwenden. Was allerdings nicht nur sämtlichen Kulturschaffenden Oberösterreichs sauer aufstößt: Der Konzern erhält Subventionen vom Land Oberösterreich in der Höhe von saftigen 5,2 Millionen Euro, davon 1,8 Millionen Euro an Kulturförderung! Die zeitgenössische Kunst- und Kulturszene kämpft ums Überleben: das Land kürzt seine Förderungen generell Jahr um Jahr. Wie ein Konzern mit Umsatz in Milliardenhöhe dann vom Land noch ein paar Millionen oben draufbekommen kann, versteht kein Oberösterreicher.

Feuer für Spenden-Diskussion im Wahlkampf

161,2 Millionen Euro Gewinn hat der Weltmarktführer KTM, mit Firmensitz in Mattighofen, im Jahr 2018 erwirtschaftet. Dafür wird er vom Land Oberösterreich und von der Gemeinde Mattighofen kräftig mit Steuergeldern gefördert. Kurios: Der Grund, auf dem das Museum stehen soll, wird für einen symbolischen Wert von einem (!) Euro pro Jahr von der Gemeinde Mattighofen zur Verfügung gestellt. Laufzeit des Vertrags: 66 Jahre. Gemessen an den lokalen Grundstückspreisen handelt es sich um ein Geschenk in der Höhe von 1-1,5 Millionen Euro. Unter welchen Kriterien wurde die Förderung vergeben? Diese Frage ist bislang wohl ungeklärt und lässt wilde Spekulationen zu.

2017 hat KTM-Boss Stefan Pierer Sebastian Kurz mit einer Großspende von fast einer halben Million Euro unterstützt. Die Optik stimmt hier mal wieder nicht.

Die Debatte um vermeintliche Umwandlungen von Steuergeldern in Parteispenden wird so zumindest nicht so schnell von der Bildfläche verschwinden.

(lb)

Titelbild: APA Picturedesk, Pixabay

Aktuell