Es war einer der großen Aufreger im Ibiza-Video: Strache träumte davon, österreichisches Wasser an die angebliche russische Oligarchin zu verkaufen. ZackZack-Recherchen bringen nun eine unangenehme Wahrheit ans Licht: Das Güssinger Mineralwasser, bekannt als „Vitaquelle“, gehört seit 2012 einem russischstämmigen Geschäftsmann und hat seit kurzem einen neuen Geschäftsführer. Dieser steht in engster Verbindung mit einem ehemaligen FPÖ-Nationalratsabgeordneten und im dringenden Verdacht, ein Strohmann zu sein!

Wien, 14. August 2019 /Die Güssinger Mineralwasser GmbH ist vielen Österreichern aufgrund der „Vitaquelle“ bekannt. Das Mineralwasser gibt es beim Diskonter Hofer – seit einigen Wochen allerdings nicht mehr! Denn nachdem sich die Besitzverhältnisse an der Burgenländer Quelle verändert hatten, beendete der beliebte Diskonter die Zusammenarbeit.

Osteuropäer übernahmen Kreditschuld von Güssinger-Mutterkonzern

Dies war für die Hofer KG notwendig, da man nicht mehr genau wusste, wer der Geschäftspartner eigentlich ist! So berichtete die Presse am 9. August 2019 darüber, dass bulgarische Geschäftspartner 10,6 Millionen Euro an Kreditschuld des Güssinger-Mutterkonzerns bei einer russischen Bank übernommen haben sollen. Im Gegenzug gingen die verpfändeten Sicherheiten an die bulgarischen Geschäftspartner. Zusätzlich sollte ein neuer Geschäftsführer eingesetzt werden. Dies erfolgte allerdings erst beim zweiten Versuch.

Der neue Geschäftsführer ist auch nicht Bulgare, sondern Ukrainer. Sein Name ist Anatolii Boikiv. Seit 23. Juli 2019 ist er der neue Chef bei Güssinger. Mehr zu ihm später.

Eigentümer in Haft, Geschäftsführer eine FPÖ-Marionette

Während Güssinger also einen neuen Chef installierte, steckt auch der Eigentümer in ziemlicher Bedrängnis. Pikant: Der russischstämmige Eigentümer Andrej K. sitzt seit Anfang Juni in U-Haft. Er ist 90 % Anteilseigner bei der Güssinger-Mutter, der E & A Beteiligungs GmbH. Unklar ist noch, ob auch der Güssinger-Deal vom Mai Gegenstand der Untersuchung ist. Klar ist: Untersucht wird aufgrund des Verdachts auf Anstiftung zum Mord!

Die burgenländische Quelle, die bis zu 30 Millionen Liter privatisiertes Wasser an Hofer jährlich liefern soll, hat also schon länger einen Eigentümer, der enge Kontakte in den Osten pflegt und gegen den schon häufig wegen Wirtschaftsbetrug ermittelt wurde. Nun hat sich auch die Ukraine über den Geschäftsführer eingekauft. Und dieser neue Geschäftsführer hat enge Verbindungen zur FPÖ!

Boikiv und Schellenbacher bereits in Betrugs-Affäre gegen ASFINAG verwickelt

So übernahm Anatolii Boikiv im Jahr 2015 die Geschäftsführung der IBS Umwelt- und Verkehrstechnik GmbH. Dieses Planungsbüro gründete der ehemalige FPÖ-Nationalratsabgeordnete Thomas Schellenbacher. Das Büro schlitterte in einen Betrugsskandal, nachdem das Landesgericht St. Pölten der ASFINAG 2017 1,4 Millionen Euro Entschädigungszahlungen zugesprochen hatte. Boikiv war der letzte Geschäftsführer, der im Firmenbuch verzeichnet worden war.

Anatolii Boikiv, der auf Facebook mit Johann Gudenus befreundet ist, war im Jahr 2010 und 2011 für einige Monate in der gleichen Gemeinde wie Thomas Schellenbacher gemeldet. ZackZack.at liegen weitere Dokumente vor, die den Verdacht nahelegen, dass Anatolii Boikiv als Strohmann für den ehemaligen FPÖ-Funktionär Thomas Schellenbacher dient.

Unser Wasser für ukrainische Oligarchen?

Greifen ukrainische Oligarchen mit Unterstützung von FP-Mann Schellenbacher nach einer üppigen, österreichischen Quelle? Strache sagte im Ibiza-Video, er wolle, dass Wasser „privatwirtschaftlich gemanagt“ wird. Sind das die Pläne sein, die die FPÖ mit der Güssinger-Quelle verfolgt? Oder hat die Übernahme der Kreditschulden von angeblichen Bulgaren bereits dazu geführt, dass die Quelle schon in den Besitz von ukrainischen Oligarchen überging?

Völlig irre: während Andrej K., Haupteigentümer der Mineralwasser-Quelle, in U-Haft sitzt, übernimmt ein Ukrainer, der mit der FPÖ in engstem Verhältnis steht, die Geschäftsführung! Boikiv solle „Ruhe in das Unternehmen bringen“, heißt es vom Sprecher des Eigentümers. ZackZack-Recherchen lassen daran allerdings höchste Zweifel aufkommen. Wir bleiben dran. Es geht um unser Wasser!

(red.)

Titelbild: FPÖ, Pixabay, Hofer

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