Ungefähr 60.000 Spielsüchtige gibt es in Österreich. Gerade Jugendliche sind für den Adrenalinrausch im Glücksspiel besonders anfällig. Seit einigen Jahren keimt eine neue Form des Glücksspiels auf, was gerade die Jüngsten betrifft: Lootboxen. Einige Länder Europas haben bereits Verbote gegen die virtuellen Schatzkisten mit unbekannten Inhalten, die man gegen Echtgeld oder „Ingame-Währung“ kaufen kann, verhängt. Österreichs Politik hat dieses Thema bis jetzt verschlafen.

Wien, 26. August 2019/ Eine Lootbox ist eine digitale Schatzkiste in einem Videospiel. Besonders Spiele, wie die Fußballsimulation „FIFA“ oder das Online-Kartenspiel „Hearthstone“ sind Beispiele für sogenanntes „Pay2Win“-Spiele. Das heißt, dass je mehr Geld man in das Spiel pumpt, desto größer ist der Vorteil gegenüber anderen Spielern. Am Beispiel von FIFA kann der Spieler Kartenpackungen mit Fußballspielern erwerben. Das Problem dabei: Welchen Fußballer man erhält, ist rein dem Zufall überlassen. Der Käufer weiß nicht, was er in einer Kartenpackung für sein Geld bekommt. Die Chancen auf Superstars, wie etwa Cristiano Ronaldo oder Lionel Messi, sind dabei verschwindend gering. Die Algorithmen sind für die Spieler unübersichtlich. Wer also ein gutes Team haben will, muss Unmengen an Kartenpackungen öffnen.

Entwickler setzen auf Lootboxen für höhere Gewinne

Dadurch können zu einem Neupreis von 70 Euro immense Zusatzkosten auf Käufer zukommen, um kompetitiv zu sein und so das volle Spielerlebnis zu haben. Viele Funktionen, die eigentlich im Spiel sein sollten, werden somit hinter Zahlungen und undurchsichtigen Verteilungsmethoden versteckt. Der Trend der Spieleentwickler geht zunehmend in Richtung Lootboxen, da meist deutlich mehr Gewinne, als mit dem Startpreis des Spiels erzielt werden.

Starker Lockfaktor: Illegales Glücksspiel?

Lootboxen haben einen starken Lockfaktor. Wissenschaftler sehen darin einen ähnlichen psychologischen Effekt wie beim herkömmlichen Glücksspiel. Besonders Jugendliche sind für diese Form des Glücksspiels besonders leicht empfänglich, denn es ist schnell und die Altersprüfungen sind meist leicht zu umgehen. Deswegen veranlassten bereits zwei europäische Länder Schritte gegen die Schatzkisten. Belgien und Niederlande setzten im letzten Jahr ein Verbot der Lootboxen gegen Echtgeld durch. Große Spieleentwickler entfernten diese daraufhin aus Ihren Shops. In Österreich ist diese Form des Glücksspiels noch unter dem Radar des Parlaments.

Chancen auf einen Christiano Ronaldo sind minimal. 

JETZT-Chefin Stern will Verbot in Österreich

Eine Vorreiterin in Sachen Verbot von Lootboxen ist in Österreich Maria Stern, Parteichefin von JETZT-Liste Pilz. Sie sprach bereits Anfang des Monats im ZackZack.at-Interview über das Thema:

„Wenn ich in den Nationalrat gewählt werde, bringe ich einen Antrag zum Verbot dieses illegalen Glücksspiels für Kinder und Jugendliche in Österreich ein.“

JETZT-Jugendsprecher Martin Pichler unterstützt die Forderung von Maria Stern. Er sprach über seine negativen Erfahrungen mit Lootboxen und sehe es als brandgefährlich an, wenn Jugendliche darüber nicht aufgeklärt werden.

„Gerade im Bereich von Onlinespielen haben Eltern wenig Ahnung, was ihr Kind macht“,

so Pichler.

(bf)

Titelbild: Adobe Stock

Aktuell

Kampf um’s Güssinger Wasser – Worum ging es auf Ibiza wirklich? Osteuropäische Geschäftsleute liefern Wirtschaftskrimi in Wien