Wien, 26. August 2019/

  • Mit 54 Jahren kann er noch mindestens 30 Jahre Parteifunktionär bleiben
  • Als großbürgerlicher Kulturschaffender ideal für die Entfremdung von den Arbeitern
  • Ehemalige Mitarbeiter zogen wegen „prekärer Beschäftigungsverhältnisse“ vor Gericht, während er an leitende Angestellte Prämien auszahlen ließ

Profil:

Thomas Drozda, studierter Volkswirt, hatte eine Bilderbuchkarriere in Partei und parteinahen Unternehmen. Er begann seine Karriere beim Trotzdem-Verlag der Sozialistischen Jugend und bei der Nationalbank. Später wurde er Kabinettsmitarbeiter von Franz Vranitzky und Viktor Klima. Von dort aus ging es ins Management von Burgtheater und Vereinigten Bühnen sowie in den ORF-Stiftungsrat. 2016 kehrte Drozda als Kanzleramtsminister von Christian Kern zurück auf den Ballhausplatz.

Thomas Drozda ist die rechte Hand von Pamela Rendi-Wagner. Kein Wunder: Ihr Mann, der ehemalige Botschafter Michael Rendi, war sein Kabinettschef. So konnte sich Drozda im roten Karussell einfach weiterdrehen. Gerade nach dem öffentlichen Bruch mit seinem ehemaligen Chef, Altkanzler Christian Kern, war die Bahn frei für einen neuen Funktionärsposten. Dass vieles in seiner Zeit als Kanzleramtsminister unkoordiniert wirkte, lastete man eher dem Altkanzler an. Das dürfte Drozda freuen, denn auch für die Zeit nach Rendi-Wagner wird es sicher einen interessanten Posten geben. Seine Kulturkarriere hat er derweil auf Eis gelegt. Aus gutem Grund, denn seine Mitarbeiter waren „wegen prekärer Beschäftigungsverhältnisse“ vor Gericht gezogen. Ihre Gehälter mussten nachgezahlt werden. Pikant: Ausgerechnet an leitende Angestellte wurden damals Prämien ausgezahlt, die vom Rechnungshof als unangemessen hoch kritisiert wurden. Der Rechnungshof mahnte zudem an, dass Drozda selbst in 2008 als Geschäftsführer der Vereinigten Bühnen eine Jahresprämie ausgezahlt wurde, obwohl er erst Mitte des Jahres mit der Arbeit angefangen hatte.

Dass Drozda ein Bild, das ihm die Galerie Belvedere für sein Ministerbüro geliehen hatte, nach seiner Zeit als Minister nicht zurückgeben wollte und er insgesamt einen großbürgerlichen Lebensstil pflegt, macht ihn bei vielen Genossen unbeliebt. Als wichtigster Berater von Pamela Rendi-Wagner sitzt er derzeit jedoch fest im Sattel.

Interessantes:

Ausgerechnet von der SPÖ kam zuletzt der skurrile Vorstoß, man wolle ein Fairnesspaket für den Wahlkampf abschließen. Drozda wollte die Nichtbefolgung sogar unter Strafe stellen. Angeblich sollte es einen „Weisenrat“ geben, der dann Strafen verhängen könnte. Eine völlig absurde Idee, da es im neuen Parteigesetz bereits scharfe Strafregelungen gibt. Tipp: Der „Weisenrat“ der Republik gegen Verstöße im Wahlkampf heißt eigentlich Rechnungshof. Bezüglich der vollumfänglichen Prüfung des Rechnungshofes hatte die SPÖ im Zuge des neuen Parteiengesetzes jedoch mit Nein gestimmt.

 (red.)

Titelbild: APA Picturedesk

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