Werner Kogler schien lange Zeit nicht zu wissen, was er mit seiner Partei vorhat. ZackZack.at berichtete über die grüne Serpentinenfahrt zum Altkanzler. Doch jetzt hat er sich endgültig entschieden: Kogler will ausgiebige Sondierungen mit der ÖVP. Einen Tag zuvor hatte er die Kurz-Partei noch live im Fernsehen als „türkise Schnöselpartei“ bezeichnet und nicht gewusst, ob er denn nun koalieren würde oder nicht. Wird die „Strategie“ bis zum 29. September aufgehen?

Wien, 27. August 2019 / Jetzt ist es endgültig klar: Die Grünen wollen nicht mehr aus dem Beiwagerl von Kurz heraus, auch wenn sie dort nicht über ein eigenes Lenkrad verfügen. Nachdem sich Grünen-Spitzenpolitikerin Ingrid Felipe bereits letzte Woche koalitionswillig gezeigt hatte, machte es der Chef nun offiziell: Werner Kogler möchte „ausgiebige Sondierungsgespräche“ führen. Im selben Interview mit Oe24.at redet er dann in weiterer Folge sogar von „Regierungsgesprächen“. Tags zuvor hatte er in PULS 4 beteuert, dass mit der „türkisen Schnöselpartei“ keine Regierung zu machen sei. Nun  haben sich die Grünen aber offenbar festgelegt.

Wahlkampf außer Kontrolle?

Auf die Frage, ob Kogler sich eine Koalition mit der ÖVP vorstellen könne, sagte er im Interview mit der Tiroler Tageszeitung Mitte Juni: „Nein, hierzu fehlt mir jegliche Fantasie.“ Gleich im nächsten Satz schwächte er sein Nein jedoch ab: „Da müsste Kurz noch einen langen Weg zurücklegen.“ Auch im Interview mit dem Standard geriet Kogler ins Wanken: „Aber ich weiß bis heute nicht, welche Anliegen der Herr Kurz hat. Wir haben welche. Wenn er keine hat und wir uns durchsetzen, bitte! Denn so gut wie die regieren wir schon lange. Bei Sondierungen werden wir daher nicht die Flucht antreten.“ Vor einigen Tagen schoss Ingrid Felipe, die glücklose Ex-Chefin der Grünen, endgültig den Vogel ab. Wenn es die Gelegenheit zu Koalitionsgesprächen gebe, so Felipe, „dann wird man sie führen“. Die ÖVP sei schließlich grüner geworden. Was ist die Linie der Grünen? Bislang schien die Frage nicht klar. Jetzt schon: Kogler will mit Kurz koalieren.

Beiwagerl machen sich bereit, JETZT einzige Alternative

Derweil bringen sich die restlichen Beiwagerl ebenso in Stellung. Norbert „Streichzart“ Hofer will mit aller Macht eine Neuauflage von Türkis-Blau. Der Nachfolger des gefallenen Ibiza-Strache warnte anlässlich des freiheitlichen Wahlkampfauftakts in Tirol vor einer türkis-grünen Koalition und warb stattdessen für Türkis-Blau. Wer wolle, dass dieser Weg fortgesetzt werde, müsse FPÖ wählen, sagte Hofer am Innsbrucker Flughafen vor FPÖ-Anhängern. Die NEOS sind ohnehin schon seit der Ablehnung des Misstrauensvotums im Beiwagerl und warten sehnlichst darauf, ihre türkise „Mutter“ in der nächsten Regierung zu unterstützen. Was mit der SPÖ passieren wird, ist davon abhängig, ob das rote Beiwagerl nicht vorher auseinanderfällt – aber im ORF-Sommergespräch sagte Rendi-Wagner: „Opposition ist Mist.“ Die SPÖ ist also offenbar zu einer Neuauflage der Großen Koalition bereit.

JETZT-Spitzenkandidat Peter Pilz ist bislang der einzige, dessen Nein zur Koalition mit Kurz definitiv ist. Am 29. September hat Österreich die Wahl: Zwischen Altkanzler, Beiwagerl – und einer echten Alternative zum System Kurz.

(wb)

Titelbild: APA Picturedesk, Adobe Stock

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