Falsches Medikament verwandelte Babys in „Werwölfe“

Pharmafirma kennzeichnete Haarwuchsmittel falsch – Eltern verabreichten das Mittel ihren Babys zur Linderung von Magenbeschwerden – Beängstigende Folgen

Madrid, 28.August 2019 (APA/dpa) –

Die Verabreichung eines falschen Medikaments hat in Spanien bei zahlreichen Babys zu ungewöhnlich starkem Haarwuchs am Gesicht, Rücken und an anderen Körperstellen geführt. Mindestens 17 Kinder seien vom sogenannten „Werwolf-Syndrom“ (Hypertrichose) betroffen, berichteten die Zeitung „El Pais“ und andere Medien unter Berufung auf die zuständigen Behörden und betroffene Eltern.

„Mein Sohn bekam überall viele Haare, an der Stirn, an den Backen, an Armen und Beinen, an den Händen … er hatte die Augenbrauen eines Erwachsenen. Das hat uns viel Angst bereitet, weil man ja nicht wusste, was los war“, wurde Angela Selles aus Granada von „El Pais“ zitiert. Ihr Sohn Uriel sei nur sechs Monate alt gewesen, als der ungewöhnlich starke Haarwuchs anfing, hieß es.

Was war passiert? Das Unternehmen Farma-Quimica Sur habe aufgrund eines internen Fehlers einige Posten des Blutdruckmedikaments Minoxidil, das auch gegen Haarausfall verschrieben wird, als Magen-Darm-Wirkstoff Omeprazol gekennzeichnet und auf den Markt gebracht, erklärten die spanischen Gesundheitsbehörden.

Nachdem der erste Fall im April bekannt geworden war, nahm sich die Arzneimittelbehörde AEMPS der Sache an. Sie kam der Ursache auf den Grund und ordnete Anfang August an, dass alle falsch gekennzeichneten Medikamente vom Markt genommen werden. Die Fabrik von Farma-Quimica Sur in Malaga wurde zudem wegen „schwerer Nichteinhaltung der Kontrollregeln“ für unbestimmte Zeit geschlossen.

Die 17 bisher bekannten Fälle wurden in den Regionen Kantabrien, Andalusien und Valencia registriert. Es kann allerdings mehr Betroffene geben, denn ungeachtet der seit Monaten laufenden Untersuchungen der Gesundheitsbehörden wurde erst am Dienstag in Granada im Süden des Landes ein weiterer Fall bekannt. Die Staatsanwaltschaft in Kantabrien nahm bereits Ermittlungen auf.

Unter Berufung auf Experten schrieb „El Pais“: „Es gibt in der wissenschaftlichen Literatur keine Fälle von so kleinen Kindern, die solche Mengen Minoxidil eingenommen haben.“

Betroffene Eltern erklärten gegenüber „El Pais“, nach Absetzung des falschen Medikaments gehe der Haarwuchs langsam zurück. „Die Haare fallen aber sehr langsam ab, der Arzt meinte, es könne Monate dauern, bis es wieder normal ist“, sagte eine Mutter, die ihrem Baby monatelang unwissentlich das falsche Medikament gegen Sodbrennen gegeben hatte.

Auch wenn bei Minoxidil verschiedene Nebenwirkungen auftreten können, müssen sich die Eltern nach Angaben von Behörden und Ärzten im Prinzip keine großen Sorgen wegen dauerhafter Schäden machen.

Die von Hypertrichose betroffenen Personen werden im Volksmund auch „Wolfsmenschen“ genannt. Die Überbehaarung kann durch Gendefekte angeboren sein, was sehr selten vorkommt, aber auch von Medikamenten wie Minoxidil ausgelöst werden.

69-jähriger Waldviertler soll Greifvögel vergiftet haben

Im Haus des Verdächtigen wurden mehrere tiefgefrorene Tierkadaver gefunden – Mann war nicht geständig

Waidhofen a.d. Thaya, 28.August 2019  (APA) –

Ein 69 Jahre alter Mann aus dem Bezirk Waidhofen an der Thaya soll mehrere Greifvögel vergiftet haben. Im Haus des Waldviertlers wurden das Gift Carbofuran sowie tiefgefrorene Tierkadaver gefunden, bestätigte Polizeisprecher Heinz Holub am Mittwoch einen Onlinebericht des „Kurier“. Der Verdächtige war nicht geständig, er wurde der Staatsanwaltschaft Krems angezeigt.

Sichergestellt wurden beim 69-Jährigen die Kadaver eines Uhu, von Füchsen und Marder. Ob diese Tiere vergiftet worden sind, soll eine veterinärmedizinische Untersuchung der Universität Wien klären.

Linzer Chemiker verwandeln CO2 in Alkohol

Neues Verfahren nutzt einen auf Kobalt basierenden, molekularen Katalysator

Linz/Wien, 28.August 2019  (APA) –

Linzer Chemiker haben ein elektrochemisches Verfahren entwickelt, mit dem sich effizient Alkohol aus Kohlendioxid (CO2) herstellen lässt. Sie nutzen dazu einen neuen, auf Kobalt basierenden Katalysator, berichten sie im Fachjournal „Nature Communications“. Damit lassen sich aus CO2 Methanol und Ethanol herstellen, die als Ausgangsstoffe für viele weitere Chemikalien dienen.

Schon jetzt lässt sich CO2 als Ausgangsstoff für die Produktion von Alkohol nutzen, allerdings mit geringer Effizienz, wie Wolfgang Schöfberger vom Institut für Organische Chemie der Universität Linz gegenüber der APA erklärte. Grund dafür ist das träge CO2, das erst aktiviert werden muss.

Dazu stellten die Wissenschafter einen speziellen molekularen Katalysator her: Dabei handelt es sich um kleine Moleküle mit Kobaltionen in ihrem Inneren, die auf eine Kohlepapierelektrode aufgebracht werden. In wässriger Lösung wird durch ein negatives Potenzial an der Elektrode zunächst das Kobalt reduziert. CO2 bindet dann an das Metall und reagiert schließlich zu Ethanol und Methanol. Das Kobalt wird dann wieder oxidiert und steht für weitere Reaktionen zur Verfügung.

Je nach angelegter Spannung entstehen unterschiedliche Produktverhältnisse: „Bei niedrigem Reduktionspotential entsteht überwiegend Methanol, bei höherem Potential Ethanol“, so Schöfberger.

In ihrer Arbeit haben die Wissenschafter nun die Vorgänge an der Elektrode genau charakterisiert. Mit dem an der Arbeit beteiligten Projektpartner aus Deutschland wollen sie in einem nächsten Schritt das Verfahren in größerem Stil in einer Pilotanlage testen. Erste Langzeittests zeigten, dass der Katalysator aktiv bleibt.

Die entstandenen Alkohole können mit bereits bestehenden Technologien in eine Reihe nützlicher Chemikalien umgewandelt werden. Für das Verfahren ließe sich etwa CO2 aus industrieller Rauchgaswäsche nutzen.

Titelbild: APA Picturedesk

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