Kanzlerin Bierlein beantwortete die parlamentarischen Anfragen zum Schreddergate von JETZT-Liste Pilz. Es bleibt ein fahler Beigeschmack: hat Arno M. die Festplatten etwa ohne Auftrag geschreddert? Schwer zu glauben, doch eine offizielle Befugnis von höherer Stelle kam offenbar nicht. Entweder Arno M. ging „einfach so“ mal kurz schreddern, oder der Auftrag wurde nicht sachgerecht dokumentiert. Zusätzlich gibt es erstmals Neuigkeiten zu den Ibiza-Mails aus dem Kanzleramt, die Sache spitzt sich zu.  

Arno M. in eigener Regie

Es ist der 22. Mai, wenige Tage nach der Veröffentlichung des Ibiza-Videos, ein Misstrauensantrag gegen Sebastian Kurz steht im Raum. Politiker und Öffentlichkeit, wir erinnern uns, mahnen die Bevölkerung zu Stabilität. Arno M., Social-Media Chef des damaligen Kanzlers Kurz, kommt wohl so gegen 8 Uhr ins Kanzleramt, an seinen Arbeitsplatz.

Offenbar hat er wenig zu tun, also geht er zu seinen Chefs und bietet sich an, ein paar Festplatten zu schreddern, ohne Weisung von oben. Arno M. ging offenbar in Eigenregie zur Firma Reißwolf, das geht aus einer Anfragebeantwortung von Kanzlerin Bierlein hervor. Arno M. ist motiviert, immerhin spielt er für seinen Chef Kurz seit Langem den Fotograf Nummer 1. Seit seiner Schulzeit ist er bei der ÖVP, zuerst bei ihrer Jugendorganisation JVP. Ein waschechter Parteisoldat, sein Chef hat volles Vertrauen in ihn. So machte er Karriere: weil er nicht auf Aufträge wartet, sondern Dinge einfach selbst in die Hand nimmt. So wie die 5 Festplatten, aus denen an diesem Tag Pulver gemacht wurde. Ein toller Mitarbeiter, deshalb nahm ihn Kurz auch mit zum Papst.

Laut Kurz war Arno M. ein einfacher Mitarbeiter, trotzdem nahm er ihn zur Audienz beim Papst mit…..
Bild von katholisch.at

Dass Arno M. seine Reise zur Firma Reißwolf völlig autonom organisierte, ist angesichts der strammen Struktur in der Kurz-Truppe schwer zu glauben. Als aufgeklärt kann man das Schreddergate damit keinesfalls bezeichnen. Wer gab Arno M. den Auftrag? Diese Frage bleibt offen. Bierlein geht zudem nicht davon aus, dass es sich um einen „normalen Vorgang“ gehandelt hat.

Neues zu den ÖVP-Mails

M. kommt zu Reißwolf und denkt sich: Heute mach ich das mal unter falschem Namen. Nur woher hatte er die „Walter Meisinger-Mailadresse“? War die Schredder-Aktion also doch schon länger geplant? Benutzte M. sein Pseudonym bereits davor schon, auch für Schredderungen? Dass Arno M. dann die Rechnung vergaß zu zahlen, darüber wird sich sein Chef bestimmt nicht gefreut haben. Mittlerweile ist M. auch von Parteifunktionen entfernt worden, Kurz vergibt nicht. Er lässt seinen treuen Jünger fallen.

Eine weitere Information gab Kanzlerin Bierlein bekannt: Die IP-Adressen der angeblich gefälschten Blümel-Kurz-Mails sind bekannt und könnten auch zum Versenden von Emails verwendet werden. Aktuell ist diese Funktion zwar deaktiviert, wäre aber mit Leichtigkeit zu aktivieren.

ZackZack.at bleibt an dieser Sache dran!

(wh)

Titelbild: APA Picturedesk

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