Der streitbare ÖVP-Gemeindebundchef prescht wieder einmal vor. Nach seinem Vorschlag, das 13. und 14. Gehalt von Pflegebedürftigen komplett zu streichen, schießt er nun gegen Schulärzte, Schüler und Eltern. Anstoß ist die geplante Verordnung zur Erweiterung der Kompetenzen von Schulärzten durch Gesundheitsministerin Brigitte Zarfl. Stattdessen will Riedl 1.500 Schulärzte komplett streichen und Eltern mit ihren Kindern in überfüllte Arztpraxen schicken.

Wien, 30. August 2019/ Das Gesundheitsministerium, geführt durch die Expertin Brigitte Zarfl, plant eine Verordnung zur Erweiterung der Kompetenzen von Schulärzten. Diese Verordnung besagt, dass Schulärzte auch zuständig für Schutzimpfungen, Gesundheitsförderung und Dokumentation von Gesundheitsdaten zuständig sein sollen. Dem ÖVP-Gemeindebundchef Alfred Riedl stößt dies sauer auf. Er plant alle 1.500 Schulärzte komplett abzuschaffen! Stattdessen sollen die Schüler zu umliegenden Allgemeinärzten geschickt werden.

Ärztekammer kritisiert ÖVP scharf

Riedls Vorschlag stößt auf einige Kritik. Präsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖAK), Thomas Szekeres, reagiert erbost: „Schulärzte gehören aufgewertet und nicht abgewertet.“ Riedls Gegenvorschlag basiert auf einer Erweiterung des Mutter-Kind-Passes. Auch dies wird von Seiten der Ärztekammer kritisiert: Eine reine Ausweitung des Mutter-Kind-Passes bis zur Volljährigkeit als Alternative zu den Schulärzten, wie von Riedl gefordert, sei nicht zielführend. So würden Gesundheitsdaten nicht flächendeckend erfasst werden, denn nicht alle Eltern würden die Termine mit Kinderärzten regelmäßig wahrnehmen. „Schulärzte können rasch reagieren und Eltern unmittelbar erreichen“, sagt Gudrun Weber, Referentin des ÖÄK-Schulärzte-Referates.

Drastische Erhöhung der Wartezeit: Eltern müssen Kinder zum Arzt begleiten

Laut Riedl sollen nach der Auflösung der Schulärzte Kinder bei Krankheit während des Unterrichts gleich zum nächsten Hausarzt gehen. Das Problem: In diesem Falle müsse immer ein Elternteil sich frei nehmen, um das Kind zu begleiten. Arbeitende Eltern müssten sich fortan öfter frei nehmen. Eine enorme Belastung, gerade für Alleinerzieher. Doch nicht nur Elternteile würden unter dem ÖVP-Vorschlag leiden. Übervolle Arztpraxen werden so noch zusätzlich belastet und die jetzt schon elendslangen Wartezeiten noch verlängert. Der Dachverband des Elternvereins kritisierte Riedl aufs heftigste und „will eine durchgehende Anwesenheit von medizinisch geschultem Personal“.

Nicht die erste skurrile Riedl-Idee

Bereits im Juli ließ der ÖVP-Gemeindebundchef aufhorchen, als er vorschlug, das 13. und 14. Gehalt für Pflegebedürftige zu streichen. ZackZack.at berichtete darüber und fragte, wer als nächstes auf der Liste der ÖVP stehen würde. Nun steht das nächste Ziel der ehemaligen Volkspartei nach den Pensionisten fest: Es sind Schüler, Eltern und Ärzte!

Österreich steht am 29. September vor der Wahl: Eine gute Sozial- und Gesundheitspolitik ist möglich. JETZT.

 (bf)

Titelbild: APA Picturedesk

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