„Ich habe vor Kurzem bei der Pensionskasse nachgefragt, ob ich demnächst, statt eine Pension zu erhalten, etwas einzahlen muss.“ Das denken sich manche Pensionisten mit Betriebspension. 2018 verspekulierten private Pensionskassen über eine Milliarde Euro. Für 100.000 Österreicher hatte dies bereits direkte Auswirkungen – so viele Menschen beziehen bereits Betriebspensionen. Ihnen wurde die Pension aufgrund von 2018 um durchschnittlich fast 7 Prozent gekürzt, während sich Raiffeisen, Uniqa und Co. an den Börsen austobten. ZackZack.at sprach exklusiv mit Betroffenen.

Wien, 3. September 2019 / Das österreichische Pensionssystem ist gefährdet: Mieten und Lebensmittel werden langsam, aber sicher zum Luxus. Die durchschnittliche Pension der Österreicher betrug 2017 1.143 Euro, bei Frauen sogar nur 921 Euro.

Mit der großen Schüssel-Grasser Reform 2003 wurden Pensionskassen privatisiert. Die Banken und Versicherungen durften nun mit dem Geld der Arbeiter und Angestellten an die Börse gehen. 2018 wurden von Sebastian Kurz und Hartwig Löger die Spielregeln noch einmal gelockert. Und was in der sogenannten 2. Säule der privaten Betriebspensionen vor sich geht, ist hoch schockierend.

Jedes Jahr Verluste für Pensionisten, 2018 alleine 1800 Euro

Nachdem ZackZack.at die Verluste der großen Privatkassen aufgedeckt hatte, meldeten sich viele betroffene Menschen. Hier zwei Beispiele:

In den 2000er Jahren überführte die Bank Austria rund 50 % der Pensionen in die privaten Kassen der VBV (Börsen-Verluste 2018: 394.349.474 Euro). Dabei sparte sich die Bank Austria auf einem Schlag 2 Milliarden Euro. Ein ehemaliger Bank Austria Mitarbeiter, Herr Herbert D., ging 2007 in Pension und sollte 50 % seiner Pension aus der VBV Privatpension erhalten. „Nach der rechtsgültigen Vorrechnungstabelle (sogenannte BLICK-Tabelle), die die Bank Austria ausgeteilt hatte, wurde von einer Verzinsung von 7,5 % ausgegangen. Die Wirklichkeit ist aber ganz anders. In keinem Jahr wurde die VBV-Pension erhöht, stattdessen stets reduziert. Allein 2018 wurde meine Zusatzpension um 1800 Euro gekürzt. Die Verzinsung ist wohl eher bei minus 7,5 Prozent, mindestens!“

Das schlimmste für Herrn D. ist aber, dass die Menschen nicht an ihr Geld herankommen. Sie können es nicht aus den Pensionskassen rausnehmen, müssen zusehen, wie ihre Anlage jährlich weniger wird.

„Betrug“ – Pension nie gestiegen

Auch Herr S. ortet „Betrug“. Für ihn „wäre es sinnvoller, dass Geld unter den Kopfpolster zu legen. Ich ging 2008 mit 412 Euro Betriebspension in Rente. Jetzt krieg ich noch 298 Euro. Das sind rund 25 % weniger, versprochen wurden mir Gewinne. Doch in Wahrheit habe ich im Laufe meiner Pension 50.000 Euro verloren. 2018 standen die Kürzungen bei 10%.“

Was Herrn S. noch aufregt, sind die die Behauptungen der Pensionskassen: „Die behaupten dann, das stimmt nicht. Das es ja irgendwann mehr werden würde. Ich sage ihnen aber, dass meine Betriebspension in keinem Jahr gestiegen ist. In manchen Jahren blieb sie gleich, meistens gab es aber Kürzungen. „Ich habe vor Kurzem bei der VBV Pensionskasse nachgefragt, ob ich demnächst, statt eine Pension zu erhalten, etwas einzahlen muss“, schildert S. seine Empörung.  Versicherungen verzocken 1 Milliarde, Pensionen werden gekürzt. Dies sind nur 2 von tausenden Betroffenen. Der Verein PEKABE ist der Schutzverband der Pensionskassenberechtigten. Laut PEKABE wurden bei 60.000 Pensionisten die Betriebspension gekürzt, im Schnitt um 6,4 %. Die Pensionskassen bestreiten das, doch die Kürzungen und auch die Verluste an der Börse sind Faktum. Laut Obmann Karl Brezina gingen einzelne Kürzungen im Jahr 2018 bis zu 16 %. Knapp 1 Million Österreicher sind von diesem System betroffen. Für viele wird das schmerzvolle Erwachen erst bei Pensionsantritt kommen.

(wh)

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