Wien, 04. September 2019/ Maria Stern ist Parteiobfrau und Frauensprecherin von JETZT. Sie hat die Partei, zusammen mit Peter Pilz, aus dem Stand in den Nationalrat gebracht. Ihr Weg in die Politik ist außergewöhnlich: Sie hat Armut am eigenen Leib erlebt und sich diesem und anderen Themen in Form von Musik und politischem Aktivismus gewidmet. Ihr Versprechen an sich selbst, nicht mehr aufzuhören bis sich etwas ändert, hat sie schließlich in die Politik gebracht. Sie kandidiert für die kommende Wahl auf Platz 2 der Bundesliste. Maria Stern im Interview über ihren Weg in die Politik, ihre politischen Erfolge und wo es noch dringend Handlungsbedarf gibt – und warum JETZT – Liste Pilz unverzichtbar ist.

ZackZack.at: Du bist Parteiobfrau und Frauensprecherin von JETZT – Liste Pilz und begleitest die Partei seit Anbeginn ihrer Entstehung. Wie bist Du zur Partei gekommen?

Maria Stern: Seit neun Jahren beschäftige ich mich mit Kinderarmut in Elternhaushalten. Ich habe aus persönlicher Betroffenheit zu recherchieren begonnen und habe herausgefunden, dass es massive Gesellschaftslücken gibt. Ich war als politische Sängerin oft eingeladen bei Veranstaltungen, zum Beispiel bei der Armutskonferenz, im Parlament, beim Frauenrat, bei Frauenhäusern etc. Dabei konnte ich viele Leute kennenlernen. Dadurch entstand ein großes Netzwerk. Auch Peter Pilz habe ich darauf angesprochen, nachdem ich ihn in einem Interview mit Corinna Milborn gesehen habe. Als klar war, dass Peter Pilz seine eigene Liste gründet, meldete ich mich sofort bei ihm. Am nächsten Tag hatte ich einen Termin bei ihm und wurde Kandidatin und stellvertretende Parteiobfrau.

ZackZack.at: Du bist Lehrerin, Tänzerin, Model, Krimiautorin, Singer-Songwriterin, hast eine Schauspielausbildung gemacht und hättest eine ganz andere Karriere einschlagen können. Warum bist Du in der Politik?

Maria Stern: Weil ich mir selbst geschworen hatte, dass ich so lange für die Sicherung des Unterhaltes kämpfe, bis sie Gesetz ist. Nachdem nichts weiterging, musste ich einfach selbst Politikerin werden. Allein meine Kandidatur hat bewirkt, dass das Thema 2017 erstmals in der Politik angekommen ist. Jetzt, im Wahlkampf 2019, bringen sowohl die Grünen, als auch die Roten das Thema. Das ist ein großer Erfolg. Damit allerdings wirklich was passiert, muss ich im Parlament sitzen.

ZackZack.at: Als Alleinerzieherin hast Du auch Armut hautnah erlebt.

Maria Stern: Meine Armutserfahrung kam vollkommen überraschend. Ich habe nie damit gerechnet, dass es in Österreich möglich ist, von einem Tag auf den anderen nur aufgrund einer Gesetzeslücke in der Armut zu landen. Das Leben in Armut ist schwarz-weiß. Man sieht die Farben nicht mehr. Man hat permanenten Stress, Schlafstörungen, ein schlechtes Gewissen den Kindern gegenüber. Dieses Gefühl der wütenden Ohnmacht, das ich damals sehr stark erlebte, hat sich glücklicher Weise bei mir in politische Aktivität verwandelt. Aber der Zorn über die Ungerechtigkeit ist geblieben. Und ist mein Motor.

ZackZack.at: Was ist Dir noch wichtig?

Maria Stern: Generell das Thema Armut, insbesondere auch Frauenarmut und hier vor allem Altersarmut. Frauen bekommen 43% weniger Pension Männer. Kinder sind in Österreich noch immer Frauensache. Da muss ein Umdenken stattfinden. Die Politik muss Rahmenbedingungen schaffen, damit Väter in Karenz gehen können – ohne Angst zu haben, gekündigt zu werden. In den skandinavischen Ländern gehen mehr als 90 % der Väter in Karenz. Du wirst als Mann in Schweden deppert angeschaut, wenn du das nicht tust! Man hat in vielen Fällen nur dann die Chance auf einen Führungsposten, wenn man davor in Elternkarenz war. Wenn man nicht mal Verantwortung fürs eigene Kind übernehmen kann, kann man nicht Verantwortung für ein Unternehmen tragen. Diese Regelung brauchen wir auch in Österreich.

ZackZack.at: Du setzt alles daran, die Partei wieder in den Nationalrat zu bringen. Warum ist die Liste JETZT unverzichtbar?

Maria Stern: Wir haben zwölf Pläne ausgearbeitet. Beim Klimaschutz steht an erster Stelle die ökosoziale, aufkommensneutrale Steuerreform. Aber auch Subventionen für heimisches Qualitätsfleisch, das sich jeder leisten können soll. Was nur wir haben: Tierschutz statt Tierfabriken. Die FPÖ redet nur, meint‘s aber nicht ernst. Eines der wichtigsten Themen ist Wohnen für alle. Befristete Mietverträge wollen wir nur in Ausnahmefällen sehen. Maklergebühren müssen selbstverständlich vom Auftraggeber entrichtet werden. Es darf nicht mehr sein, dass Alleinerzieherinnen einen Bürgen vorweisen müssen, damit sie überhaupt eine Wohnung bekommen! Wir müssen auch endlich in Brennpunktschulen hineinschauen. Dass es diese überhaupt gibt, ist ein ein rot-grünes. Türkis-Blau hat die Situation noch verschärft! Nachmittagsangebote wie Nachhilfe werden oft nicht wahrgenommen, weil Eltern teilweise Anhänger der Vereine ATIB bzw. Millî Görüş, also des Politischen Islam, sind. Das sind zwei Vereine, die wir verbieten wollen!

ZackZack.at: Was war Dein bisheriges persönliches Highlight?

Maria Stern: Dass wir das Thema Kinderarmut zum Politikum gemacht haben, an dem niemand mehr vorbeikommt. Und dass ich im Zuge des Parteiaufbaus und der Zusammensetzung des neuen Teams täglich mit wunderbaren, sympathischen und gescheiten Menschen zusammenarbeiten kann. Sie haben mir den Glauben an die österreichische Politik, der mir unter Türkis-Blau abhandengekommen ist, wieder zurückgegeben.

ZackZack.at: Was war die größte Herausforderung in Deiner politischen Karriere?

Maria Stern: Frauensprecherin von JETZT – Liste Pilz zu sein. Weil bei den falschen Belästigungsvorwürfen gegen Peter Pilz nicht in Ruhe abgewartet worden ist, wie die Staatsanwaltschaft entscheidet – sondern eine massive Medienverurteilung stattgefunden hat.

Die Staatsanwältin hat, obwohl der Fall verjährt war, sehr sorgfältig recherchiert. Sorgfältiger als sie es tun hätte müssen. Sie hat auch die Frau von Alpbach eingeladen. Diese hat unter Wahrheitspflicht gesagt: „Es war nichts Sexuelles.“ Das kam in den Medien so gut wie nicht vor – im Gegensatz zu den Anschuldigungen. Da frage ich mich, ob es tatsächlich um Frauenrechte gegangen ist oder um politischen Rufmord gegenüber einem Oppositionspolitiker, der den Mächtigen seit Jahrzehnten allzu lästig ist.

ZackZack.at: Wie sieht Dein Wahlkampf-Alltag derzeit aus?

Maria Stern: Ich wache mit dem Wahlkampf auf, schlafe mit dem Wahlkampf ein. Jeder Tag ist anders, hat ganz eigene Herausforderungen – und es macht mir richtig viel Spaß.

ZackZack.at: Was ist Dein Ausgleich?

Maria Stern: Momentan sehr viel Yoga. Ich gehe sehr viel: Ich erledige alle meine Wege in Wien mit öffentlichen Verkehrsmitteln und momentan gehe ich sehr oft zu Fuß nach Hause, um auslüften zu können. Dabei höre ich sehr gerne laut Musik. Wenn das nicht reicht, schnappe ich mir in der Nacht meinen Ipod und tanze.

ZackZack.at: Schnellfragerunde. Das höchste Gut in unserem Land ist….

Maria Stern: Gerechtigkeit

ZackZack.at: Auf welche Handy-App willst Du nicht mehr verzichten?

Maria Stern: Notizblock und Kalender

ZackZack.at: Einsame Insel, wen würdest Du mitnehmen? Kurz oder Strache?

Maria Stern: [lacht laut] Beide! Dann organisiere ich mir ein Schiff und fahre zurück nach Österreich. So mach’ma des!

ZackZack.at: Reisen: Berg oder Meer?

Maria Stern: Meer

ZackZack.at: Danke für das Gespräch!

(lb)

Titelbild: ZackZack.at

Aktuell

Kampf um’s Güssinger Wasser – Worum ging es auf Ibiza wirklich? Osteuropäische Geschäftsleute liefern Wirtschaftskrimi in Wien