Altkanzler Kurz präsentiert eine Mogelpackung nach der anderen. Eine der größeren poppt nun auf: Er möchte Österreich zur Wasserstoff-Nation Nummer 1 machen. Und das als Teil seiner Umwelt-Agenda. Die derzeitige Herstellung von Wasserstoff stellt sich aber bei genauerem Hinsehen als höchst klima- und umweltschädlich heraus. Wer hat davon Vorteile? Überraschung: Allen voran die OMV, deren Aufsichtsratsvorsitzender Wolfgang C. Berndt einer der ÖVP-Großspender ist.

Wien, 09. September 2019 / Sebastian Kurz mag Industrielle. Industrielle mögen Kurz. Und sie haben Interessen. Die teilen sie Herrn Kurz mit. Und das, nach eigenen Angaben, ganz unverbindlich und unabhängig von ihren Großspenden. Manchmal werden deren Kinder Nationalratskandidaten bei der ÖVP. Ein Schelm, wer Böses denkt und glaubt, das könnte mit ihren ÖVP-Großspenden zusammenhängen. ZackZack.at hat über ÖVP-Großspender und ihre kandidierenden Kinder bereits berichtet. Auch andere Zauberstücke gelingen ganz unscheinbar, wie ZackZack.at zum Beispiel über den Großspender KTM berichtete.

ÖVP-Spender kommt in OMV-Aufsichtsratsvorsitz

Auch bei Dr. Wolfgang C. Berndt (76) dürften derartige Zauberkräfte im Spiel sein. Er ist seit 2010 Aufsichtsratsmitglied bei Österreichs schwerstem börsennotierten Unternehmen, der OMV. 2019 spendete er 20.000 Euro an die ÖVP. Seit Mai desselben Jahres ist er Aufsichtsratsvorsitzender bei der OMV. Zufall? Er sitzt auch noch in anderen Aufsichtsräten von Gesellschaften seines langjährigen Kollegen und ÖVP-Großspenders DDr. Peter Mitterbauer, ehemaliger Chef der Industriellenvereinigung: in der MIBA AG, einem Technologie-Unternehmen, das mittlerweile Mitterbauers Sohn besitzt. Und in der Mitterbauer Beteiligungs-AG. Die beiden „Hawara“ kennen sich schon lange: Sie blicken zurück auf eine gemeinsame Vergangenheit bei der ehemaligen ÖIAG, der Österreichischen Industrieholding Aktiengesellschaft, deren Aufsichtsratspräsident Mitterbauer war.

Thomas Walach, Kandidat von JETZT – Liste Pilz und Chefredakteur von ZackZack.at, machte den seltsamen Sachverhalt auf Twitter öffentlich.

OMV setzt auf Wasserstoff: Herstellung extrem klimaschädlich

Wasserstoff soll die neue, umweltverträgliche Technologie für die Mobilität der Zukunft schlechthin werden. So verkauft es zumindest die OMV. Tatsächlich wird Wasserstoff bei der OMV momentan allerdings zu 99% durch Verbrennung von Erdöl gewonnen! Nicht nur, dass diese Herstellungsmethode fossile Energieträger nutzt: bei dem Prozess wird CO2 freigesetzt und in die Umwelt abgelassen. Die Methode ist alles andere als klimaneutral. Die alternative Herstellungsform funktioniert mittels Strom. Mit dem notwendigen Stromverbrauch, der dazu notwendig wäre, würde doppelt so viel CO2 ausgestoßen, als beim Erdgas-Verbrennen freigesetzt wird.

Harald Geyer: Jeder Physiker weiß, dass Wasserstoff im Straßenverkehr nie eine Rolle spielen wird

Harald Geyer, Physiker und Experte für Energiewirtschaft und erneuerbare Energien und JETZT-Kandidat in Niederösterreich, sieht in der Strategie der ÖVP eine reine Mogelpackung:

„Wasserstoff-Technik ist sehr spannend, aber seit 20 Jahren ist jedem Physiker bekannt, dass Wasserstoff im Straßenverkehr nie eine Rolle spielen wird. Es ist seit 50 Jahren dahingehend nichts passiert – und das liegt nicht an irgendeiner Öl-Lobby, sondern an fundierten physikalischen Gründen. Für große Anlagen ist Wasserstoff als Treibstoff interessant, aber für kleine Motoren, wie die von Autos, wird es immer eine wirtschaftlichere Variante geben, da kann Wasserstoff nicht mithalten. Die Wasserstoff-Strategie der ÖVP ist eine reine Mogelpackung. Die OMV interessiert sich natürlich für Wasserstoff, weil sie ihn zum Entschwefeln von Benzin benötigt. Aber da ist dann die Frage, ob das gefördert werden muss, oder ob die OMV das nicht von ihrem eigenen Vermögen zahlen sollte.“

ÖVP: 500 Millionen Euro für Wasserstoff

Um Österreich also zur Wasserstoff-Nation Nummer 1 und Wasserstoff zum wichtigsten Treibstoff in Österreich zu machen, will die ÖVP 500 Millionen Euro Budget zur Förderung freigeben. Und hier schließt sich der Kreis: Die ÖVP erhält Großspenden und beschließt – ganz zusammenhanglos – Förderungen für Unternehmen, die an Wasserstoffantrieben forschen, in denen wiederum Großspender sitzen? Wer zahlt? Die Steuerzahler. Bis 2025 solle es in ganz Österreich spezielle Wasserstoff-Tankstellen geben. Derzeit betreibt nur die OMV derartige Tankstellen.

Am 29. September hat Österreich die Wahl: Zwischen verantwortungsvollem Klimaschutz und dem Konzept der ÖVP.

(lb)

Titelbild: APA Picturedesk

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