Die Runde 2 der ORF Wahl-Duelle ist geschlagen. Für die Wähler brachte der Abend Klarheit. Denn diesmal gab es einige entscheidende Konfrontationen auf der Mattscheibe zu sehen. Peter Pilz, der am längsten dienende Parlamentarier der Republik, konnte dabei gegen Norbert Hofer und Werner Kogler überzeugen. Der Abend brachte weitere spannende Duelle.

Wien, 12. September 2019 / 5 Duelle zu knapp 20 Minuten wurden dem interessierten Wähler vom öffentlichen Rundfunk präsentiert. Nachdem Altkanzler Kurz letzte Woche noch vor der Konfrontation mit Peter Pilz geflüchtet war, war er nun erstmals in der ORF-Wahlarena. Und schon beim ersten Duell wurde klar, warum: alle, bis auf Pilz, wollen mit Kurz regieren!

Duell 1: Kurz vs. Kogler

Von Werner Kogler, der die Grünen zurück ins Parlament befördern möchte, hätte man sich zugespitzte Positionen einer außerparlamentarischen Opposition erwarten können. Doch Fehlanzeige! Keine angriffigen Fragen an den Altkanzler bezüglich der Skandale und der Schulden der ÖVP. Stattdessen erlebte man vor dem TV erste Verhandlungsgespräche für eine türkis-grüne Koalition. So sprach man fast die gesamte Zeit über Klimaschutz und die unterschiedlichen Vorstellungen. Fazit: Kogler gab sich zahm, um seine Positionen bei zukünftigen Koalitionsverhandlungen nicht zu verschlechtern.

Wertung: Unentschieden nach Punkten – bereit für Koalitionsverhandlungen

 

Duell 2: Pilz vs. Hofer

Das spannungsgeladene Duell erfüllte alle Erwartungen. Pilz machte die Fehlpolitik der FPÖ für alle Zuschauer sichtbar. Hofer, Chef der selbsternannten sozialen Heimatpartei, verteidigte die Reichen, als Pilz gegen den Pensionsraub von Raiffeisen und Co. wetterte. Dann kam es zum Thema Extremismus und Pilz landete einen K.O.-Treffer: Die islamistischen Vereine ATIB und Millî Görüş (türkische Muslimbruderschaft) könne man sofort verbieten, doch die FPÖ blockiere genauso wie die ÖVP. Pilz weiter: „Die FPÖ schiebt motivierte Lehrlinge ab, lässt aber Hassprediger im Land.“ Der sichtlich in die Ecke gedrängte Hofer konnte sich nur mehr mit der Kommunisten-Keule retten. Der Vorwurf: Pilz sei in seiner Studentenzeit ein Marxist gewesen. Brisant: Pilz trat noch in seiner Studentenzeit aus, Norbert Hofer ist bis heute beim elitären Habsburger Ritterorder St. Georg und bei einer deutschnationalen Burschenschaft. Doch Pilz ging nicht darauf ein und schlug nicht mit der Nazi-Keule zurück, sondern machte seine Position mit Inhalten unmissverständlich: „Herbert Kickl hat den BVT zerstört, er ist eine der größten Gefahren für die öffentliche Sicherheit Österreichs!“ Wieder konnte Hofer kein inhaltliches Argument dagegenstellen.

Wertung: K.O-Sieg für Pilz

 

Duell 3: Rendi-Wagner vs. Meinl-Reisinger

Die beiden Spitzenkandidatinnen diskutierten über das Thema leistbares Wohnen. Rendi-Wagner war erschreckend ahnungslos, was Fakten anging und häufig in der Defensive. Sie plädierte für den Gemeindebau, der schon längst nicht mehr in roter Hand ist, obwohl die Mieten noch vergleichsweise leistbar sind. Stellt die SPÖ die falschen Fragen? Meinl-Reisinger zeigte ihre bekannte, dennoch erschreckend neoliberale Kälte. Die pinke Politikerin stellte sich strikt gegen Steuern für Milliardäre und Konzerne. Beide konnten sie nur mit persönlichen Untergriffen gegenhalten. Fazit: Absolut vorbei an den Bedürfnissen der „kleinen Frau“!

Wertung: Sieg nach Punkten für Meinl-Reisinger

 

Duell 4: Peter Pilz – Werner Kogler

Ein äußerst sachlich und ohne Untergriffe geführtes Duell. Die ehemaligen politischen Weggefährten erörterten staatsmännisch ihre politischen Differenzen. Diese sind klar: beim politischen Islam, der Migration und der Kontrolle. Pilz sieht den sozialen Frieden in Gefahr, religiöse Konflikte sollen nicht in öffentliche Institutionen hineingetragen werden, Islamisten müssen abgeschoben werden, religiöse Symbole müssen aus Schulen, Krankenhäusern und Polizei rausgehalten werden. Da konnte Kogler nicht mehr mitgehen. Auch bei den Deals der Wiener Grünen am Heumarkt landete Pilz Treffer. Mit Spekulanten, wie Tojner, solle man sich nicht einlassen. So war seine klare Nachricht an seine ehemalige Partei. Dann stimmte auch noch Kogler Pilz zu: Ja, er würde mit Kurz regieren, sich seiner Verantwortung stellen. Pilz wünschte Kogler dabei viel Glück und stellte klar, dass eine Stimme für oppositionelle Arbeit nur bei JETZT – Liste Pilz gut aufgehoben ist. Fazit: Warum JETZT – Liste Pilz  und Grün getrennte Wege gehen, sollte jedem Wähler klar geworden sein.

Wertung: Klarer Punktesieg für Pilz

 

Duell 5: Sebastian Kurz – Norbert Hofer

Paartherapie live und in Farbe. Altkanzler und Ex-Verkehrsminister streichelten sich über die Zeit. Gleich zu Beginn stellte Kurz klar: die Ibiza-Koalition war wirklich super! Der Wähler fragt sich wohl, warum eigentlich gewählt werden muss, wenn sich die beiden so gut verstehen. Die ehemaligen Regierungsparteien konfrontierten die Wähler nicht mit Inhalten, sondern besprachen die „Identitären“. Für Kurz sind die Identitären neben Kickl die einzige Koalitionsbedingen. Korruption und Deals mit Oligarchen wurden nicht besprochen. Wohl auch, weil beide Ibiza-Parteien gerne darüber schweigen. Skurril: Stattdessen war man sich einig, dass die SPÖ Langenzersdorf korrupter sei als alle Bundesparteien zusammen. So geht Desinformationspolitik. Fazit: Das FPÖ-Beiwagerl schmeichelt dem Altkanzler mit dem größten Blumenstrauß.

Wertung: Unentschieden nach Schmuse-Stunde, Paartherapie erfolgreich

 

(wh)

Titelbild: Spiegel

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