Frauen, die ihre Kinder in kürzeren Abständen als vier Jahren gebären, bekommen weniger Kindererziehungszeit pro Kind angerechnet als Frauen, die in längeren Abständen entbinden. Wie viel Karenzzeit sie tatsächlich in Anspruch nehmen, spielt für die Anrechnung keine Rolle. JETZT-Spitzenkandidatin Daniela Holzinger-Vogtenhuber forderte am Mittwoch, dass künftig für jedes Kind vier Jahre angerechnet werden.

Wien, 18. September 2019/ Grundsätzlich hat laut Allgemeinem Pensionsgesetz (APG) jener Elternteil, der das Kind „überwiegend erzogen hat“, Anspruch auf eine Anrechnung der Erziehungszeit pro Kind von vier Jahren. Pro Monat Erziehungszeit erhält die betroffene Person 1.864,78 Euro als Beitragsgrundlage für die Pension. In der Realität handelt es sich bei den Betroffenen laut Zahlen der Pensionsversicherungsanstalt (PVA) zu 99 Prozent um Frauen! Sie erhalten die vollen vier Jahre pro Kind allerdings nur, wenn sie nicht innerhalb dieser vier Jahre ein weiteres Kind bekommen. Dann endet die Kindererziehungszeit des ersten und es beginnt die Kindererziehungszeit des zweiten Kindes.

Holzinger-Vogtenhuber: „Unfair“

Die Anrechnung der Kindererziehungszeiten auf die Pension habe aber nichts damit zu tun, wie lange die betroffene Frau tatsächlich bei den Kindern zu Hause bleibe, betonte die JETZT-Familiensprecherin. Diese könne auch ein Jahr nach der Geburt wieder arbeiten gehen, ohne dass sie die volle Anrechnung der Kindererziehungszeit verliere. „Nicht ob ich wieder einsteige in den Beruf, sondern wann das nächste Kind geboren wird, ist der entscheidende Unterschied“, betonte die Listendritte bei der Nationalratswahl. Es sei unfair, dass Frauen bestraft würden, die bewusst ihre Kinder in kürzeren Abständen bekämen, damit diese gemeinsam aufwachsen.

Laut einer Anfragebeantwortung von Sozialministerin Brigitte Zarfl bekommen Pensionistinnen mit zwei Kindern durch diese Lücke 16 Monate weniger angerechnet, bei Frauen mit drei oder mehr Kindern sind es minus 40 Monate. Holzinger lobte in diesem Zusammenhang die Ministerin wegen der Herausgabe der Daten und kritisierte deren Vorgängerin Beate Hartinger-Klein (FPÖ): „Hartinger-Klein hätte gesagt: Wir haben keine Daten und keine Zeit.“ Aus den Zahlen des Sozialministeriums errechnete Holzinger, dass die aktuell betroffenen Frauen 43,3 Millionen Euro pro Jahr weniger als bei einer Vollanrechnung ausbezahlt bekämen.

Anspruch auf Väterkarenz

Für JETZT – Liste Pilz wäre die Vollanrechnung der Erziehungszeiten aber nur eine von mehreren Maßnahmen, um die Altersarmut von Frauen zu bekämpfen. So sollen künftig die einkommensstärksten 15 Jahre – und nicht wie derzeit 40 – für die Pension angerechnet werden, wie das bereits vor der Pensionsreform im Jahr 2003 unter der damals schwarz-blauen Regierung der Fall war. Zudem will JETZT – Liste Pilz einen Anspruch auf Väterkarenz.

(bf/APA)

Titelbild: ZackZack.at

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