Das kommt eigentlich selten vor. Statistisch gesehen alle 100.000 Jahre und nun ist es dennoch beobachtet worden: Ein Stern von der Größe unserer Sonne wurde von einem supermassiven Schwarzen Loch geschreddert. Das Ganze hat in einer Entfernung von 375 Millionen Lichtjahren stattgefunden. Große Teile des Sterns verschwanden für alle Zeiten in dem Schwerkraftmonster. 

Wien, 01. Oktober 2019 / Im Zentrum jeder Galaxie gibt es sogenannte „supermassive“ Schwarze Löcher. Diese besitzen unvorstellbare Massen bis zu mehreren Milliarden Sonnen. Schwarze Löcher sind eigentlich eher klein, weil sich ihre Masse quasi auf einen Punkt konzentriert. Ein Schwarzes Loch mit der Masse unserer Sonne hätte gerade einmal sechs Kilometer Durchmesser. Supermassive Schwarze Löcher können jedoch einen Durchmesser von bis zu mehreren Milliarden Kilometern haben. Ein solches Schwarzes Loch kann den Platz bis zur Neptunbahn einnehmen und würde damit bis fast ans Ende unseres Sonnensystems reichen.

Kein Entkommen aus der Todesspirale

Im Zentrum unserer Milchstraße sitzt ebenfalls ein supermassives Schwarzes Loch. Um dieses kreisen einige Sterne, das konnte schon vor einigen Jahren beobachtet werden. Kommt ein Stern dieser Masse zu nahe, gibt es kein Entrinnen. Dieser Stern wird bei seinem Todeskampf regelrecht geschreddert und in seine Einzelteile zerrissen. Dabei vollführt er eine Todesspirale und leuchtet am Ende gewaltig auf, wenn ihn die gewaltige Schwerkraft des Schwarzen Lochs zerreißt. Deshalb kann so ein Himmelereignis auch aus großer Distanz beobachtet werden. Große Teile des Sterns werden dann vom Schwarzen Loch gefressen und verschwinden darin.

Todeskampf in großer Distanz zur Erde

Der Todestanz wurde Ende Jänner 2019 am südlichen Sternhimmel im Sternbild „Fliegender Fisch“ beobachtet. Das supermassive Schwarze Loch in der Galaxie mit dem etwas unhandlichen Namen 2MASX J07001137–6602251 ist zwar eher „klein“. Es hat nur rund 6 Millionen Sonnenmassen. Dennoch war das Himmelsspektakel aus 375 Millionen Lichtjahren von der Erde aus zu beobachten. Das Besondere daran war, dass zufälligerweise mehrere Teleskope in diese Richtung geblickt haben. Das haben letzte Woche die beteiligten Wissenschaftler bekanntgegeben.

Video: CC – ESO, ESA/Hubble, M. Kornmesser

Im Visier der Weltraumteleskope

Die Hintergrundgeschichte ist die folgende: Wissenschaftler der Ohio State University betreuten ein Netzwerk von Roboterteleskopen, die vollautomatisch den Himmel überwachen. Damit können Sternexplosionen aufgespürt werden. Zufälligerweise fand der „Schwerkraftzerriss“ in einer Himmelsregion statt, in die auch das Spezialweltraumteleskop TESS blickte. TESS dient eigentlich dem Aufspüren von Expo-Planeten, konnte aber den mit der Zerstörung einhergehenden Helligkeitsausbruch dokumentieren. Expo-Planeten sind Planeten außerhalb unseres Sonnensystems. Auch das auf Röntgenastronomie spezialisierte Swift-Teleskop dokumentierte den Todeskampf im Bereich der Ultraviolettstrahlung. Damit ist das Verschwinden einer Sonne in einem schwarzen Loch zu ersten Mal sehr gut dokumentiert worden.

Fehlende Röntgenstrahlung

Das Ergebnis hatte aber offenbar überraschende Momente. Der Strahlenausbruch fand im Bereich des sichtbaren Lichts und im UV-Bereich statt, überraschender Weise nicht aber bei der Röntgenstrahlung. Das kann derzeit nicht zufriedenstellend erklärt werden. Somit wird das seltene Ergebnis die Wissenschaft noch eine Zeit lang beschäftigen.

(sm)

 

 

Titelbild: APA Picturedesk

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