170 Steinhügel ziehen sich in drei bis fünf Metern Tiefe entlang des Schweizer Bodenseeufers. 2015 wurden sie entdeckt. Dass sie aus Menschenhand stammen, war schon länger sicher. Nun ist auch das Alter bekannt. Vor 5.500 Jahren, im Zeitalter der Jungsteinzeit, wurde die 15 bis 30 Meter großen Hügel angelegt. Wozu sie gedient haben, das muss noch erforscht werden.

Schweiz/Österreich, 02. Oktober 2019 / Die Siedlungsgeschichte am Bodensee reicht weit zurück. Die Pfahlbauten am Untersee aus der Stein- und Bronzezeit legen ein Zeugnis davon ab. 2015 wurde der Bodensee mittels Echolot und Unterwasserkamera kartiert. Dabei stießen die Wissenschaftler an der Schweizer Seite des Obersees auf eine Kette von 170 Steinhügeln, die unter Wasser parallel zum Ufer verläuft. Zuerst war unklar, ob es sich um natürliche oder von Menschen gemachte Strukturen handelt.

Archäologie am Seegrund: Hügel aus Menschenhand

Das Amt für Archäologie des Kantons Thurgau organisierte in den folgenden Jahren mehrere Tauchgänge. Zusätzlich kam ein Georadar zum Einsatz, der mittels elektromagnetischer Impulse verschiedene Schichtgrenzen rund um die Steine erfassen konnte.  Außerdem wurden Holzreste von den Tauchern geborgen. Nach Auswertung der Ergebnisse war klar, dass es sich um künstliche, also vom Menschen errichtete Hügel handelte. Die Holzreste wurden per Radiokarbonmethode auf eine Zeit rund 3.500 Jahre vor Christus datiert. Es war aber nicht nachzuweisen, ob diese in einem Zusammenhang mit den Hügeln standen. Sie können eventuell aus benachbarten historischen Pfahlbaudörfern stammen.

Forschung bringt Klärung

Deshalb entschlossen sich die Wissenschaftler zu einer Grabung. Diese Unterwassergrabung hat nun Klarheit geschaffen. Es wurde quer durch den Hügel Nummer 5 ein zwei Meter breites Grabungsprofil erarbeitet. Zwischen den Steinen konnten dabei mit Beilen zugeschlagene Pfosten aus Pappel- und Eschenholz geborgen werden. Diese Funde ließen sich somit eindeutig zu den Unterwasserhügeln zuordnen. Die Datierungen ergaben, dass die Funde vor 5.500 Jahren angelegt worden waren. In dieser Epoche, der Jungsteinzeit, hatten die Menschen am Bodensee zahlreiche Pfahlbausiedlungen errichtet. Ein Zusammenhang mit der Hügelreihe konnten die Archäologen jedoch keine Reste von Pfahlbauten aufspüren.

Funktion weiterhin rätselhaft

Unklar ist aber weiterhin, welche Funktion die Steinhügelreihe besaß. Es gibt dazu verschiedene Erklärungen. Laut Archäologen könnte es sich um eine Wehranlage oder auch um einen Transportweg gehandelt haben. Auch eine Kultstätte liegt im Bereich des Möglichen. Weitere Forschungen sind also noch nötig.

(sm)

 

Titelbild: Getty Images / iStockphoto

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