Die FPÖ steht vor einem Scherbenhaufen. Nach dem Rückzug des Ibiza-Hauptdarstellers HC Strache muss sich die Partei sortieren. Die Marke HC Strache ist für alle Zeiten ramponiert. Seine Frau Philippa spielt ihr eigenes verzweifeltes Spiel. Norbert Hofer handelt zögerlich. Übernimmt jetzt endgültig Einpeitscher Herbert Kickl?

Wien, 02. Oktober 2019 / Es hätte nicht viel schlimmer kommen können. Dass die FPÖ nach eineinhalb Jahren in der Regierung ganze 10 Prozentpunkte verliert, ist an sich schon Desaster genug. Der Absturz HC Straches ist an Tragik kaum zu überbieten. Für die FPÖ kam die Spesenaffäre nicht nur zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt, sondern traf die Partei auch im Mark. War doch der gefallene Ibiza-Engel jahrelang das Aushängeschild der Blauen.

Das Ehepaar Strache wird von der eigenen Verantwortung eingeholt. Foto: Screenshot Facebook

Philippas Mandat: Lage spitzt sich zu

HC Strache hatte während der Wahl noch versucht, seinen Einfluss insofern zu retten, als dass seine Frau als Feigenblatt im Parlament Zugang zur Partei verschafft hätte. Doch jetzt ist Philippa Strache mitten in der Schlammschlacht angekommen. Zunächst hieß es, ein Mandat für sie ginge sich nicht aus. Dann war die Lage plötzlich anders: Die FPÖ Wien müsse sich zwischen Harald Stefan und Philippa Strache entscheiden. Die endgültige Entscheidung sei aber noch nicht gefallen, hieß es dem Vernehmen nach.

Gilt Philippas Loyalität ihrem offen von Parteifreunden angegriffenen Mann oder gilt sie ihrem eigenen Machttrieb und der Chance, mit einem Mandat wieder einmal gutes Geld einzustreichen? Sollte sie das Mandat nicht annehmen, könnte HC erst Recht aus dem Hintergrund für Unruhe sorgen.

Rückt die FPÖ noch weiter nach rechts, wäre Kickl ihr logischer Anführer. Foto Miacheal Lucan CC BY 3.0

Die Stunde des Herbert Kickl

Bei all dem schien Norbert Hofer, der mit seiner Streichzart-Inszenierung eigentlich ins bürgerliche Lager hineinstrahlen wollte, keine gute Figur abzugeben. Bei den TV-Konfrontationen merkte man ihm regelrecht die internen Kämpfe an. Total niedergeschlagen bestritt er die letzte Elefantenrunde im ORF und muss sich jetzt vor der Wiener FPÖ für mangelnde Entschlossenheit rechtfertigen. Die Hauptstadt-Blauen hätten Strache gerne für alle Zeiten rausge-kickl-t. Hofer wählte zunächst die Suspendierung. Das stieß einigen sauer auf. Die Zeichen verdichten sich, dass in der neuen Legislaturperiode ein alter Bekannter emporsteigt.

Manfred Haimbuchner

Manfred Haimbuchner aus Oberösterreich hat hinter den Kulissen das Ruder übernommen. Foto: Pressetelle BFK Urfahr-Umgebung, CC BY 2.0

Von Sebastian Kurz noch geschasst, wird Herbert Kickl wohl der neue starke Mann des FP-Klubs. Gerade, wenn es zu Türkis-Grün kommen sollte, wird er mit strammen Parolen mächtig aus der Opposition heraus einheizen. Hofer droht dann, in der zweiten Reihe zu verblassen. Er wolle sich zwar als Nationalratspräsident vorschlagen lassen, so der angeschlagene FP-Chef. Aber wie man an den bizarren Auftritten von Wolfgang Sobotka sehen konnte, ist auch das nicht mehr der Posten, der er einmal war. Und dann ist da noch der Manfred Haimbuchner, der starke Mann aus Oberösterreich. Er scheint hinter den Kulissen das Ruder übernommen zu haben. Will er bald aus dem Schatten der Bundespolitiker heraustreten? Die FPÖ ist und bleibt ein Pulverfass.

(wb)

Titelbild: APA Picturedesk

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