Als erster Teilstaat des Vereinigten Königreichs verbietet Schottland die Züchtigung von Kindern. Die Gesetzesinitiative der schottischen Grünen fand eine breite Mehrheit im Parlament. Die Bevölkerung scheint die Sache anders zu sehen.

Wien/Edinburgh, 04.10.2019 / Die Initiative zu dem neuen Gesetz, das schottischen Eltern künftig verbietet, ihr Kinder zu schlagen, wurde gestern Abend mit einer Mehrheit von 84 zu 29 Stimmen angenommen. Bisher erlaubte geltendes Recht den Schotten, ihre Kinder „in vernünftigem Maß“ zu züchtigen.

Österreich als Vorbild

Damit ist jetzt Schluss. Der Grünen-Abgeordnete und Ex-Polizist John Finnie, der das Gesetz eingebracht hatte, nannte 57 Staaten, in denen die Züchtigung von Kindern durch ihre Eltern bereits verboten ist, als Vorbild. Österreich war übrigens Vorreiter: Bereits 1989 hatte Österreich als weltweit vierter Staat die „G’sunde Watschn“ verboten. Fast ein Viertel der österreichischen Kinder wird Befragungen zufolge dennoch von ihren Eltern geschlagen.

Bevölkerungsmehrheit gegen Gesetz

In der schottischen Bevölkerung dürfte der Gesetzesvorstoß keine Mehrheit finden. Eine repräsentative Umfrage ergab, dass 57 Prozent der Erwachsenen gegen das Verbot sind. Dennoch: John Finnie zeigte sich „außerordentlich erfreut über den historischen und mutigen Schritt des schottischen Parlaments.“

Kritiker befürchten, das Gesetz würde zur Kriminalisierung von Eltern führen. Schottische Kinderrechtsorganisationen betonten hingegen die Bedeutung des Gesetzes. Joanna Barret von der National Society fort he Prevention of Cruelty to Children (NSPCC) sagte gestern: „Es ist eine Frage des gesunden Menschenverstands, diese archaische Gesetzlücke zu schließen und sicher zu stellen, dass Kinder in Schottland endlich den selben Schutz vor Gewalt genießen wie Erwachsene.“

(tw)

Titelbild: Oskar Karlin, Pixabay, ZackZack-Grafik

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