Wien, 04. Oktober 2019 /

  • geboren 1962 im roten Linz
  • wurde trotz gescheiterten Wahlkampfs mit dem Posten des SP-Bundesgeschäftsführers betraut
  • hinter ihm liegt eine typische Karriere als roter Parteifunktionär

Profil:

Die Karriere des gebürtigen Linzers Christian Deutsch verlief nahezu idealtypisch für SPÖ-Verhältnisse: Nach einigen Semestern Medizinstudium begann er, sich in der Sozialistischen Jugend (SJ) zu engagieren. Deutsch kommt aus demselben Stall wie Ex-Bundeskanzler Werner Faymann und die zweite Nationalratspräsidentin Doris Bures, der SPÖ-Kreise großem Einfluss auf Parteichefin Pamela Rendi-Wagner nachsagen: Deutsch war Bezirksrat in Liesing, Vorsitzender der Mietervereinigung ebenfalls in Liesing und Landesekretär der SJ. Seit 2001 ist er in seiner Wahlheimat Wien im Gemeinderat vertreten. Als Landesparteisekretär der Wiener SPÖ hatte er schon vor der Nationalratswahl eine wichtige Funktion im roten Wien. Schließlich wurde er im Zuge der Neuwahlen von Parteiobfrau Pamela Rendi-Wagner als Wahlkampfmanager beordert.

Keine leichte Aufgabe für den Ur-Roten, der dafür im Nachgang aus den eigenen Reihen ordentlich Kritik einstecken musste. Pikant ist auch, dass Deutsch als Vertrauter des glücklosen Altkanzlers Werner Faymann gilt. Dieser ist in großen Teilen der SPÖ nicht mehr sonderlich beliebt. Dass nun ausgerechnet Christian Deutsch vom glücklosen Wahlkampfmanager zum neuen Bundesgeschäftsführer befördert wird, verstehen viele Rote nicht. Auch wenn nicht ganz klar ist, welche Rolle er als Wahlkampfmanager wirklich innehatte. Gerade der geschasste Thomas Drozda dürfte inhaltlich wohl auch enormen Einfluss auf den Wahlkampf gehabt haben. Deutsch gibt sich trotz allem optimistisch, was die Neuausrichtung der Partei betrifft. Keine Selbstverständlichkeit, angesichts des desolaten Zustandes seiner Partei.

Interessantes:

Eine „typische“, sozialdemokratische Aufsteigergeschichte: Der neue Bundesgeschäftsführer teilt sein Schicksal mit einem (Leidens-)Genossen aus Deutschland. Hubertus Heil von der SPD. Dieser war 2017 als Generalsekretär, der traditionsgemäß bei der SPD den Wahlkampf leitet, für das desaströse Abschneiden der deutschen Genossen verantwortlich. Anstatt abgesägt zu werden, bekam er aber in der neuen schwarz-roten Koalition sogar einen Ministerposten.

Laut SPÖ-Rebell und Berater Rudi Fußi soll der eher seriös wirkende Deutsch an der Demontage von Christian Kern mitverantwortlich gewesen sein. Auch den ewigen Wiener Bürgermeister Michael Häupl hätte er mitabmontiert, so Fußi.

(wb)

Titelbild: APA Picturedesk

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