Nachdem Philippa Strache das Mandat für den Nationalrat zunächst verwehrt wurde, könnte es jetzt doch zum Einzug kommen. Offenbar fürchtet die FPÖ eine Retourkutsche von HC. Seit dem Bruch mit den Blauen, die er über 15 Jahre lang anführte, spekuliert die Republik wild über eine „Liste Strache“. Der Ex-Chef der Freiheitlichen teilte vergangenen Abend einen entsprechenden Beitrag auf seiner Facebook-Seite. ZackZack.at beleuchtet das neue Schreckensszenario der FPÖ. Geht nun alles ganz schnell?

Wien, 08. Oktober 2019 / Viel ist in der FPÖ passiert seit Ibiza: Strache-Rücktritt, Gudenus-Aus, Neuwahlen, Hofer wird neuer Chef und Spitzenkandidat, Kurz attackiert Kickl, Kickl attackiert Kurz, Mandatskauf, Spesenaffäre und Absturz auf 16 Prozent bei der Wahl am 29. September. Nach eineinhalb Jahren am Futtertrog der Macht scheint die Partei in einem desolaten Zustand zu sein, wie seit 2006 nicht mehr. Ihr ehemaliger Frontmann, Heinz-Christian Strache, ist endgültig Geschichte bei den Blauen. Das könnte sich nun rächen.

Nach Philippas Demütigung: Rache von Strache?

Nun zeigt die FPÖ auch HC Straches Frau Philippa die kalte Schulter. Obwohl es rein zahlenmäßig für ein Mandat gereicht hätte, wollte die Parteispitze Philippa Strache den Einzug ins Parlament verwehren. Statt ihr sollte Justizsprecher Harald Stefan über die Wiener Landesliste einziehen. Doch nun der Paukenschlag: Stefan zieht nun allem Anschein nach doch über die Regionalwahlliste ein und macht den Weg für Philippa frei. Rechtlich ist er offenbar gezwungen, das zu tun, da er das Grundmandat auf Regionalebene annehmen muss und das Landesmandat damit automatisch Frau Strache zugesprochen wird.

Wenn Philippa wirklich einziehen sollte, was zur Stunde immer noch nicht klar ist, hätte eine neue Liste Strache bereits zwei Mandatare, falls der ehemalige Strache-Vertraute Stefan überläuft. Es würde also nur noch drei weitere für die Klubstärke im Nationalrat fehlen. Bis ein Monat nach dem ersten Zusammentreten des neuen Nationalrats können Klubs gebildet werden. Außerdem würden die Unterschriften von fünf Nationalratsabgeordneten ein Antreten der Liste bei den Wiener Gemeinderatswahlen ermöglichen. Bislang sind das nur Spekulationen. Allerdings ist fragwürdig, warum in der FPÖ niemand über die gesetzliche Notwendigkeit mit Stefans Regionalmandat informiert war.

Strache teilt Beitrag über Chancen eigener Liste

Kaum abgesägt, teilt nun HC einen Beitrag des Internetportals „Epoch Times“ über Chancen einer eigenen Partei. Der Deutschlandableger des amerikanischen Mediums fiel in der Vergangenheit häufiger mit positiver Berichterstattung über rechtspopulistische Gruppierungen auf. Im Beitragstitel der „Epoch Times“ ist zu lesen, dass der Ex-Chef der Blauen mit einer eigenen Kandidatur aus dem Stand locker in den Nationalrat einziehen könnte. Auch eine Kandidatur 2020 in der Hauptstadt wäre für den Wiener eine realistische Option.

Bild: Screenshot Facebook

Das BZÖ lässt grüßen

Viele in der FPÖ lässt dieses Szenario regelrecht erzittern. Man erinnert sich an das Schreckgespenst BZÖ, das durchaus als Blaupause für eine neuerliche Abspaltung dienen kann. Das erste ÖVP-FPÖ-Experiment unter Schüssel und Haider mündete darin, dass die FPÖ-Abspaltung „Bündnis Zukunft Österreich“ (BZÖ) den Blauen für kurze Zeit das Leben schwermachte. Aus Schwarz-Blau wurde Schwarz-Orange. Ausgerechnet Jörg Haider, der Ziehvater Straches, war damals der Sprengmeister der Freiheitlichen. Tut es ihm sein – später abtrünniger – Zögling gleich?

Die inhaltliche Unterscheidbarkeit zur FPÖ würde gegen Null tendieren. In kürzester Zeit eine Parteibasis aufzubauen, vor allem außerhalb Wiens, ist zudem ein schwieriges Unterfangen. Dennoch: der FPÖ dürfte allein die Überlegung große Sorgen bereiten.

(wb)

Titelbild: APA Picturedesk

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