Die Uhr tickt: Noch zwei Wochen, dann steht der nächste Brexit-Showdown im ewigen Austrittsdilemma an. Denn am 31. Oktober soll Großbritannien die EU verlassen. Doch bisher gibt es keinen Deal. Hinter den Kulissen laufen die diplomatischen Verhandlungsrunden auf Hochtouren. Trotzdem will Boris Johnson den Austritt durchziehen. Aber was würde ein No-Deal-Brexit für Österreich bedeuten?

Wien/London, 16. Oktober 2019 / Boris Johnson, Premierminister und Briten-Trump, will die EU unbedingt verlassen. Im Zweifelsfall auch ohne Deal. Endlos lange LKW-Schlangen an den britischen Häfen wären dann wohl das geringste Problem der Briten. Bewaffnete Konflikte an der Grenze zwischen Nordirland und Irland, zwischen Protestanten und Katholiken, könnten die Folge sein. Würde Johnson einen Bürgerkrieg auf der Insel billigend in Kauf nehmen? Es wirkt, als ob er mit aller Macht die Briten aus der EU steuern wolle – und um jeden Preis.

Lebensmittelmangel nach dem Brexit?

Nun wird in Brüssel hektisch verhandelt. Auch die EU will in keinem Fall einen unkontrollierten Austritt. Denn niemand weiß genau, was dann mit dem britisch-europäischen Handel passieren würde. Ökonomen gehen davon aus, dass das Pfund ordentlich an Wert verlieren würde. Brisant: Dadurch würden die Importe für Großbritannien erheblich teurer werden und auch die Inflation auf der Insel würde steigen.

Zudem wären Zölle, Handelstarife und Warenkontrollen fällig – was zusätzlich einen Preisanstieg bedeuten würde. Das tägliche Leben dürfte jedenfalls ordentlich teurer werden: das Vereinigte Königreich importiert rund die Hälfte aller unverarbeiteten Lebensmittel auf die Insel. Pikant: Aktuell kommen täglich rund 10.000 Container mit Lebensmitteln aus der EU ins Land. Aufgrund von endlos langen Staus an der Grenze könnten diese Produkte dann an der Grenze verrotten.

Auch für heimische Wirtschaft wird Brexit teuer

Was bedeutet ein NO-Deal Brexit für Österreich? Im Gegensatz zu Deutschland unterhält Österreich weniger Handelsbeziehungen mit den Briten. Ein Brexit würde unsere Wirtschaft demnach nicht in so einem Ausmaß treffen wie andere EU-Länder. Für einzelne Regionen könnte der Brexit aber durchaus schmerzhaft sein. So fertigt Magna Steyr für Jaguar derzeit 2 Fahrzeuge, für die Steiermark ist das Vereinigte Königreich der viertwichtigste Handelspartner. Zum Vergleich: Österreichweit sind die Briten nur der achtwichtigste Geschäftspartner.

Whiskey wird teurer, EU-Beitrag für Österreich steigt

Häufigste Handelsgüter zwischen Österreich und Großbritannien neben Fahrzeugen: Maschinen, Chemieprodukte und Nahrungsmittel. Für eine Bier-Nation nicht allzu schlimm: Britischer Whiskey wird nach dem Brexit wohl teurer werden. Doch Österreich exportiert weit mehr von der Insel, als es importiert. Teurer könnten für die Österreicher die zusätzlichen EU-Kosten werden. Denn Großbritannien ist wie Österreich ein EU-Nettozahler. Nach dem Brexit fallen die Briten-Gelder weg, Österreich müsste dann das Budgetloch mit den anderen Nettozahlern stopfen. 150 Millionen Euro zusätzlich stehen im Raum.

Folgen nicht absehbar

Unmittelbar würde Österreich den Brexit wohl nur am Rande spüren. Durch die Verflechtungen der Briten mit Deutschland ist das gesamte Ausmaß aber kaum abzusehen. Ein No-Deal-Austritt würde vor allem den inner-irischen Konflikt wieder anheizen. Ein religiös motivierter Bürgerkrieg zwischen Protestanten und Katholiken ist das größtmögliche Schreckszenario. Wie die Brexit-Farce letztlich ausgehen wird, kann aber niemand genau vorhersagen.

(wh)

Titelbild: LKW-Stau: Gerhard Gellinger auf Pixabay, Boris Johnson: MrsSnrub wiki commons

 

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