Ab morgen wird zwischen Kogler und Kurz weiter sondiert. Nur wenige Stunden zuvor ereignete sich in der Medienlandschaft eine skurrile Show. Das Gratis-Blatt „Heute“ zitierte eine Sebastian Kurz-Kritik von Sigi Maurer. Doch eine Kritik an dem Verhandlungspartner ist wohl nicht mehr zulässig. Maurer warf der „Heute“ fehlende journalistische Sorgfalt vor. Mit Hass hätte Kurz nichts zu tun. In der Vergangenheit ging Maurer mit dem Altkanzler nicht so zimperlich um. Wurde den Grünen bereits ein Maulkorb verpasst?

Wien, 17. Oktober 2019 / Sigi Maurers Stimme hat bei den Grünen Gewicht. Denn bei der Parteibasis ist Maurer beliebt. Unter den Grünen erhielt sie bei der kürzlich geschlagenen Nationalratswahl die zweitmeisten Vorzugsstimmen. Über 11.000 Stimmen gingen explizit an Sigi Maurer – nur Chef Werner Kogler konnte bei der Ökopartei mehr Vorzugsstimmen ergattern.

Sigi Maurer war scharfe Kritikerin des Altkanzlers

Gleich nach den Wahlen ging Maurer, Aktivistin gegen Hass im Netz und Feminismus-Frontfrau, in die Offensive: Für Türkis-Grün brauche es einen „komplette Wende“ von ÖVP-Chef Sebastian Kurz. Das ist nur konsequent, denn immerhin war Maurer auch in der Zeit, als die Grünen nicht im Parlament waren, eine scharfe Kurz-Kritikerin. Noch in den letzten Monaten wurde die türkise Ikone von Sigi Maurer scharf kritisiert. Auch mit Recht: Denn die ÖVP holte die FPÖ und damit ihre rechtsextremen Kader, Burschenschaften und Identitäre, in die Regierung.

Erst im Mai ging Maurer mit Kurz hart ins Gericht: Im Zuge des Gedenkens an die Befreiung des Konzentrationslagers Mauthausen kam es zu Protesten der Sozialistischen Jugend, adressiert an die damalige türkis-blaue Koalition.  SJ-Chefin Julia Herr kritisierte Sebastian Kurz scharf: „Der sogenannte Einzelfall ist längst zum wöchentlichen Regelfall geworden. Es ist völlig klar: Die FPÖ hat nichts in der Regierung verloren. Auch Bundeskanzler Kurz trägt die Verantwortung.“ Daraufhin hatte Herr mit ordentlich Gegenwind zu kämpfen, Sigi Maurer sprang ihr zur Seite.

Jene, die den Rechtsextremismus in die Regierung holten, hätten sich zu verantworten. Gemeint war damit Sebastian Kurz. Bild: Facebook

Und nur wenige Wochen vor den Wahlen machte sie auf die rechtsextreme Nähe des Verlags aufmerksam, der die offizielle Kurz-Biografie veröffentlichte.

Verlagshäuser, die rechtsextreme Positionen abdrucken, bespielen den Hass. Bild: Twitter

Doch nun die Kehrtwende: Nachdem die „Heute“ Sigi Maurer mit den Worten „Kurz und Hofer bespielen den Hass“ zitiert hatte, war offenbar Feuer am Dach. Sehr zügig, obwohl das Interview sowohl von Maurer selbst wie auch von ihrer Pressesprecherin freigegeben wurde, nahm sie ihre Kritik an Kurz zurück. Die einzigen, die den Hass in Österreich bespielten, sei die FPÖ. Pikant: Sebastian Kurz macht sie keinen Vorwurf, stellt Maurer klar.

Die neuen Grünen?

Ist das der neue der Stil der Grünen? Lässt man nun, im Zuge der Annäherungen und der Aussicht auf Regierungsposten, von der Kritik am Altkanzler ab? Ist es vergessen, dass Sebastian Kurz die FPÖ in die Regierung holte, und damit den Hass, gegen den Maurer so vehement vorgeht, salonfähig machte?

Geht es um Flüchtlinge und Migranten, dann klingen Hofer und Kurz zum Verwechseln ähnlich. Doch offenbar schürt für die Grünen nun nurmehr die FPÖ den Hass. Sebastian Kurz, der potenzielle zukünftige Regierungspartner, hat für Maurer nun nichts mehr damit zu tun.

(wh)

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