Die SPÖ kommt nicht zur Ruhe. Anstatt den angekündigten „Neustart“ in die Wege zu leiten, wird nun der parteiinterne Kritiker Max Lercher mit Schmutzkübeln beworfen. Immerhin forderte er eine komplette Neugründung der SPÖ. Rendi-Wagner steht schwer unter Druck: Ihr wird vorgeworfen, via Gratis-Blatt oe24.at eine Falschbehauptung in die Öffentlichkeit getragen zu haben.

Wien, 21. Oktober 2019 / Große Aufregung brachte das Gratis-Medium oe24.at am Wochenende in die SPÖ. So veröffentlichte die Klatschzeitung einen Bericht über die Leykam Medien AG und dessen Geschäftsführer: SPÖ-Kritiker Max Lercher! Demzufolge schloss der damalige SPÖ-Bundesgeschäftsführer im Frühjahr 2019 einen Vertrag mit der Leykam ab. Höhe: 20.000 Euro. Pikant: Über die Tätigkeit der Leykam für die SPÖ hatte Thomas Drozda im Frühling ganz öffentlich gesprochen.

Soll Falschmeldung Rendi-Kritiker zum Schweigen bringen?

Doch der oe24.at-Artikel suggerierte folgendes: Die 20.000 Euro, die von der SPÖ monatlich an die Leykam gehen, soll Lercher als Gage kassiert haben. Lercher selbst setzte sich sofort zur Wehr: Die 20.000 Euro Gage seien erlogen. Er würde als Geschäftsführer der Leykam 6.000 Euro Brutto verdienen. Dies sei aktuell sein einziges Einkommen.

Und weiter: Er würde den Vertrag zwischen Leykam und SPÖ gerne öffentlich machen, doch dies verbietet ein Stillschweigeabkommen. Deshalb forderte er die SPÖ-Führung auf, den Vertrag umgehend zu veröffentlichen. Dem kamen Pamela Rendi-Wagner und Christan Deutsch bisher nicht nach. Stattdessen gab die Parteichefin oe24.at ein Interview und sagte: „Zu ­Vertragsinhalten geben wir grundsätzlich keine Auskunft.“ Sie will Lercher offenbar nicht verteidigen – auch deshalb, weil Lercher nach der Wahlniederlage eine „Neugründung“ der SPÖ forderte?

Die drängende Frage lautet: Von wo kam die Information an oe24.at? Und hier wird es brisant: Am Freitag tagte der Parteivorstand. Dort sprach – das behauptet unter anderem Claudia O’Brien, Mitglied des Parteivorstandes – Bundesgeschäftsführer Deutsch die Beraterverträge an. Auch Lercher wurde als Berater bezeichnet, obwohl die Leykam für die SPÖ tätig ist und Lercher nicht direkt als Berater fungiert. Trotz mehrerer Nachfragen an Deutsch gab dieser an, Lercher würde 20.000 Euro bekommen. Wenige Stunden später erscheint der Artikel auf oe24.at. Bricht jetzt der brodelnde SPÖ-Vulkan aus?

Rendi-Wagner schwer angeschlagen

Denn es wäre denkbar, dass die Information aus der Chefetage an oe24.at gespielt wurde, um den scharfen Kritiker Lercher zu beschädigen. Deutsch dementiert umgehend, doch bringt er Rendi-Wagner nun enorm unter Druck. Würden sich die Behauptungen als wahr herausstellen, viel „Menschlichkeit“ bliebe da nicht übrig.

Der prominente SPÖ-Kritiker Rudi Fussi fordert jetzt ihren Rücktritt. Sie sei „völlig ungeeignet die Partei zu führen“ und wäre „überreif für den Rücktritt.“ Fussi geht noch weiter: „Ich weiß, dass die Parteivorsitzende einen Angriff auf Max Lercher angekündigt hat, sie hat diesen Angriff freigeben. Und ihr Berater, Nedeljko Bilalic, der wirklich 27.000 Euro an Monatsgage bekommt, hat die Geschichte rausgespielt.“

Offenbar greift die eigene Partei eines ihrer bekanntesten Gesichter via Fellner-Medium an. Dies ist wohl ein neuer Tiefpunkt in der österreichischen Sozialdemokratie. Indes geht die Kampagne auf oe24.at weiter und konstruiert eine Ähnlichkeit zwischen Max Lercher und Tal Silberstein. In diesem Klima ist der angekündigte Neustart der SPÖ nicht denkbar, die politischen Gegner köpfen vor Freude möglicherweise einige Champagnerflaschen.

(wh)

Titelbild: APA Picturedesk/ Pixabay

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