Daten sind das neue Öl. Diese Message ist auch hierzulande bereits angekommen. Ein Konzern, der dies besonders gerne hört, ist der Aktienriese REWE. Aufgrund der im Mai eingeführten Jö-Karte steht REWE in der Kritik. Konsumentenschützer schlagen seit Monaten gegen die Zusammenführung der Bonuskarten zu einer Vorteilscard Alarm. Am Freitag erhielt die Jö-Karte eine zweifelhafte Ehre: den „Big Brother Award“.

Wien, 28. Oktober 2019 / Der REWE-Konzern sammelte mit einzelnen Bonuskarten für seine Geschäfte, wie etwa Billa, Merkur oder Bipa, Daten über seine Konsumenten. Die drei zentralen Elemente des Kaufverhaltens konnten so festgehalten werden: was man einkauft, wo man einkauft und wann man einkauft. Jedoch war dies bis Mai auf die einzelnen Geschäfte mit einer jeweiligen Karte beschränkt. Die Datenweitergabe zwischen den einzelnen Kundenkarten wäre laut Datenschutzverordnung höchste bedenklich gewesen.

Konsumentenschützer äußern Bedenken

Durch die Zusammenfassung der Karten zu einer einzigen kann das Kaufverhalten nun noch einfacher erfasst werden. Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) äußerte sich darüber in der Vergangenheit des Öfteren kritisch. Laut VKI wurden bereits mehrere Beschwerden von Leuten gesammelt, die sich über Schwierigkeiten bei der Kündigung der Karte zu Wort meldeten. Diese müsse per Brief oder E-Mail eingereicht werden. Offenbar ein sich wochenlang ziehender Prozess.

Big Brother Award

Am vergangenen Freitag erhielt die Jö-Karte die Auszeichnung „Big Brother Award“. Der Negativpreis wird jährlich an Unternehmen, Organisationen oder Personen vergeben, die die Privatsphäre von Personen erheblich einschränken oder Daten an Dritte weitergeben. Demnach werden durch die JÖ-Karte Daten über die Kunden an die Lieferanten von Billa, Merkur etc. weitergebenen. Zudem wurden die unorthodoxen Rabattsysteme von REWE kritisiert. Die Auszahlung der Jö-Bonuspunkte, der sogenannten „Ös“, sei bei unterschiedlichen Anbietern unterschiedlich viel wert: z.B. entspricht ein „Ö“ bei einem Billa-Einkauf ungefähr einem Euro. Bei der OMV hingegen entspricht ein „Ö“ einem getankten Liter. Der Jö-Bonusclub reagierte darauf mit einem Verweis auf die Website, auf der eine Aufschlüsselung der Ös zu finden ist.

„Gläserner Kunde“

Das Datensammeln wird dadurch wohl auch nicht enden. Der VKI empfiehlt deshalb bereits seit Monaten seine Karte zu kündigen. Laut „Big Brother Award“ bestehe demnach die Gefahr des „Gläsernen Kunden“. Dessen Informationen sind für den Konzern komplett zur Einsicht verfügbar. Jedem, dem das nicht gefällt, dürfte wohl das Lied der Austropop-Legende Georg Danzer ins Ohr schießen: „Jö schau…“

(bf)

Titelbild: zackzack.at

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