Aktuell wird US-Riese ExxonMobil der Prozess gemacht. Vorwurf: Täuschung der Investoren durch Verschleierung von Konsequenzen des Erdölabbaus. Nur einen Tag nach Beginn des Verfahrens kam es im US-Kongress zum Paukenschlag: Schon seit den frühen 1980er Jahren verbreitet der Öl-Konzern offenbar Falschinformationen über die Erderwärmung. Dadurch sollten Zweifel über Wirklichkeit des Klimawandels gesät werden.

Washington/Wien, 28. Oktober 2019 / ExxonMobil zählt zu den größten Ölkonzernen der Welt. Und damit auch zu den größten Umweltverschmutzern. Seit 1965 gingen ganze 3 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen auf das Konto des Öl-Multis. Durch die tägliche Produktion von 3,7 Millionen Barrel Öl ist das gut vorstellbar. Zur Orientierung: Die Maßzahl Barrel entspricht ungefähr 159 Liter Öl! Allein der CEO kassierte im Jahr 2018 18,8 Millionen Dollar, jedoch nur ein Bruchteil von den 290 Milliarden Dollar, die Exxon im letzten Jahr erwirtschaftete.

Schon seit fast 40 Jahren weiß Exxon über Erderwärmung Bescheid

Ein Blick auf diese Zahl macht eines deutlich: Öl ist für Exxon nach wie vor ein lukratives Geschäft. Nun gab Martin Hoffer, der in den 1980er wissenschaftlicher Berater und Ingenieur für ExxonMobil war, vor dem US-Kongress brisante Informationen aus dem innersten des Weltkonzerns bekannt: 1982 meldete die wissenschaftliche Abteilung an den Konzern, dass es zu einer Erderwärmungen kommen wird, umso mehr fossile Kraftstoffe verbrannt werden. Diese Erkenntnis war mit einer Vielzahl an Fakten abgesichert. Schon seit bald 40 Jahren hat ExxonMobil also die Bestätigung: der Klimawandel ist Wirklichkeit!

Doch anstatt in eine Umstrukturierung des Konzerns zu investieren, wurde fleißig weiter nach Öl gebohrt – Hand in Hand mit einer Desinformationskampagne. Man initiierte Studien und „schmierte“ Wissenschaftler, um das Faktum der Erderwärmung zu leugnen. Zweifel sollten in der Gesellschaft gesät werden.

Und es funktionierte: Mittlerweile sitzt mit Donald Trump ein Mann im Weißen Haus, der den Klimawandel leugnet. Brisant: Sein ehemaliger Außenminister, Rex Tillerson, war ab 2001 Präsident und ab 2006 Geschäftsführer von Exxon. Dann wechselte er, 2017, direkt ins US-Außenministerium. Im Zuge des aktuellen Verfahrens wird auch er zum Verhör müssen.

Kein Ende des Ölrausches in Sicht

Der ehemalige Angestellte von Exxon ging mit der Geschäftsführung hart ins Gericht: „Was sie gemacht haben, war falsch. Sie haben die Zweifel über die Gefahren des Klimawandels verbreitet. Damit wollte man interne, sowie externe Aktionen gegen den Öl-Abbau verzögern.“ Schon 1982, als der Klimawandel also noch kaum öffentliche Aufmerksamkeit bekommen hatte, wurde von Exxon eine Gegenstrategie initiiert.

In absehbarer Zeit wird der Öl-Rausch nicht zu Ende gehen: So soll der jährliche Ertrag bis 2025 um 140% gesteigert werden! Dafür muss die Produktion auf fünf Millionen Barrel pro Tag erhöht werden. Durch Großprojekte in Texas, Brasilien, Mosambik und Papua-Neuguinea soll dies gelingen. Die Vorwürfe weist Exxon dagegen zurück, sie alle „seien politisch motiviert“. Es gilt die Unschuldsvermutung für alle Beteiligten des Verfahrens.

(wh)

Titelbild:Tigergallery/shutterstock

 

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