Der längste Streik in der Automobilindustrie seit 1970 wurde mit einer Einigung zwischen dem Autohersteller General Motors (GM) und der Autogewerkschaft (UAW) beendet. Der neue 4-Jahres-Deal betrifft fast 50.000 Arbeiter und gewährt eine Erhöhung von drei Prozent, erhebliche Boni, sowie eine bezahlbare Krankenversicherung. Der größte Automobilhersteller der USA verlor fast zwei Milliarden Dollar durch den Streik. Doch auch für die Arbeitnehmer hat das Abkommen eine Kehrseite der Medaille. Vorwürfe gegen die Gewerkschaft wurden von Seiten der Streikenden laut.

Wien/Detroit, 29. Oktober 2019 / Am 16. September legten 50.000 Arbeiter des Autoriesen GM (General Motors, red.) die Schraubenschlüssel nieder, um für bessere Konditionen zu streiken. Irre: Es war der Streik mit der größten Beteiligung seit 12 Jahren in den USA! Damals endete dieser jedoch bereits nach drei Tagen. Dieses Jahr waren GM’s Werke sechs Wochen außer Gefecht. GM rechnet mit einem Verlust von fast zwei Milliarden US-Dollar.

Längster Streik seit 50 Jahren

Der längste Aufstand der US-Autoindustrie seit 50 Jahren wurde nach 40 Tagen offiziell beendet. Mit 57 Prozent Zustimmung der Autogewerkschaft wurden für die Arbeiter eine Erhöhung der Löhne um drei Prozent ratifiziert. Weiters schaffte es die UAW, GM davon zu überzeugen, die Forderung, dass Arbeiter einen höheren Prozentsatz ihrer Gesundheitskosten tragen müssen, fallen zu lassen.

Billige Leiharbeiter und Auslagerung nach Mexiko

Doch das Abkommen hat auch negative Seiten für Arbeitnehmer. GM kann nach den Tarifbestimmungen nun massiv Leiharbeiter für einen geringen Lohn in seinen Werken einsetzen. Zudem werden drei Fabriken und ein Fertigungswerk in den USA, darunter das Fertigungswerk in Lordstown (Ohio), die Getriebewerke in Warren (Michigan) und Baltimore (Maryland) und das Teilevertriebszentrum in Fontana (Kalifornien), geschlossen. Stattdessen wird GM Teile seiner Produktion nach Mexiko auslagern, wo bereits letztes Jahr 800.000 Autos und LKW gefertigt wurden. Viele der Arbeitnehmer zeigten sich darüber empört.

Vorwürfe gegen UAW-Gewerkschaft

Von Seiten der Streikenden gab es immer wieder laute Vorwürfe gegen die Autogewerkschaft. Demnach soll die UAW Drohungen und Falschinformationen gegenüber den streikenden Arbeitnehmern auf Social Media verbreitet haben, um den Widerstand zu brechen, damit schnellstmöglich eine Einigung getroffen werde. UAW ließ hingegen verlautbaren, dass diese Tarifverhandlungen auch für die bevorstehenden Verhandlungen mit zwei anderen Automobilriesen Ford und Fiat Chrysler richtungsweisend sind.

(bf)

Titelbild: Jeff Kowalsky / AFP / picturedesk.com

Aktuell