CONTRA: WIDER DEM FELDZUG GEGEN DIE TSCHICK. LASST DEN LEUTEN IHR GIFT!

Keine Frage: Rauchen schadet der Gesundheit. Und zwar nicht nur der eigenen, sondern auch der Gesundheit der anderen Menschen in der unmittelbaren Umgebung. Doch unvernünftiger Konsum gesundheitsschädlicher Genussmittel, wie Tabak, ist seit Jahrtausenden ein Teil der menschlichen Kultur. Gegen diesen nun mit institutioneller Macht anzukämpfen, entfernt die Masse der Menschen nur weiter von der Regulierungswut der Politik. Zudem gibt es genügend andere ungesunde Einflüsse auf unser Leben.

Als einzelne Maßnahme nicht besonders brauchbar

Unser modernes Leben ist konfrontiert mit einer Vielzahl von gesundheitsschädlichen Einflüssen: Abgase, Antibiotika im Fleisch, oder billige Softdrinks mit einer Unmenge von Zucker- gegen diese und viele andere unternimmt die Politik wenig. Doch dem Rauchgenuss geht es an den Kragen, obwohl manche meinen, wir würden in einer Spaß-süchtigen Welt leben. Warum nicht die Bevölkerung fördern, mehr Sport zu machen, anstatt das alte Kulturgut zu verteufeln?

Ja, gerade für Kellner ist der Rauch rund um die Uhr äußerst schädlich. Nichtraucher-Lokale sollten jedenfalls ausreichend vorhanden sein, aber flächendeckend das Rauchen aus allen Lokalen zu vertreiben? Es gibt genügend Kellner, die selbst gerne rauchen und denen der blaue Rauch und dubiose Gestalten in seltsam anmutenden Bars weniger stört, als der Schaden auf ihre Gesundheit. Sind ausreichend Nichtraucher-Lokale vorhanden, wäre kein Gastronom gezwungen, im Nikotinnebel zu arbeiten. Und überhaupt: Auch andere Berufe gelten als Schwerarbeit, warum nicht auch die Arbeit im Raucher-Lokal?

Die FPÖ freut‘s

Als einzelne Maßnahme scheint dies dann eine Bevormundung der Elite gegenüber der Masse zu sein. Der Bevölkerung wird vorgegeben, sie würde nicht wissen, wie ein korrektes Leben zu führen sei. Deshalb müsse die Politik eingreifen. Noch dazu ist das Rauchen auch eine Bildungssache: Unter Personen, die keinen Schulabschluss haben, wird weit mehr geraucht als unter Akademikern. Es sind gerade die „Abgehängten“, über die die Politik so oft spricht, und die sich schon lange von den etablierten Parteien abgewendet haben. Denen stößt nun auch das Rauchverbot sauer auf.

Sie fühlen sich ein weiteres Mal vor den Kopf gestoßen. Ironischerweise genau von jenen Parteien, die eigentlich die Interessen dieser Menschen in ihrer Auseinandersetzung mit Industrie und Wirtschaft verteidigen sollten: SPÖ und Grüne. Mit dem Rauchverbot, das ab 1. November geltend wird, zeigt die Politik diesen Menschen wieder mal die rote Karte: „Wir wissen es besser als ihr, wir sagen euch, wie die Welt zu sein hat.“ Die privilegierten, gut ausgebildeten freut‘s, der Hackler bangt dafür um sein Stamm-Beisl. Eine Maßnahme, um jene angeblich abgehängten Gruppen wieder an die Republik und die demokratische Politik glauben zu lassen, ist das nicht.

(wh)

PRO: KEIN RECHT AUF GEFÄHRDUNG DER NICHTRAUCHER!

Ja, Rauchen schadet der Gesundheit. Und zwar massiv. Studien – außer die von der Tabakindustrie finanzierten – zeigen: Passivrauchen schadet genauso wie Aktivrauchen. Es gibt nur einen entscheidenden Unterschied: die Passivraucher haben den Schaden nciht freiwillig gewählt. In einer liberalen Grundordnung gilt, dass die Freiheit des Einzelnen solange unantastbar ist, bis sie die Freiheit des Anderen gefährdet. Wir haben es also mit einer nicht selbst gewählten Einschränkung von Gesundheit und von Freiheit bei Nichtrauchern zu tun. In Österreich rauchen überdurchschnittlich viele Menschen, im Gegensatz zum übrigen Teil der westlichen Welt ist der Trend hierzulande nicht rückläufig. Kein Wunder, wenn die Versuchung überall lauert.

Alkoholkonsum schädigt nicht den Sitznachbarn

Das Argument, andere Einflüsse schadeten genauso der Gesundheit des Menschen, ist schwach. Soll man deshalb gar nichts tun? Es ist wohl unbestritten, dass der Biertrinker seinen Sitznachbarn – sofern er nicht gerade zum Randalieren anfängt – nicht durch den Konsum des flüssigen Golds in seiner Gesundheit gefährdet. Ein Raucher tut genau das. Selbst wenn es sich um einen verdienten Hackler handelt. Sollte man nicht gerade diesen vor teuren Gesundheitsschäden schützen, die er sich unter Umständen gar nicht leisten kann? Das ist ein Gebot der Gerechtigkeit und hat wenig mit Bevormundung zu tun. Sondern mit präventiver Sozial- und Gesundheitspolitik. Und zwar für das Volk, nicht die Elite.

Wirte profitieren am Ende von Verbot

Ein gängiges Argument der Raucherfans, alles so zu belassen, wie es ist, ist die angebliche Gefährdung der Gastronomen. Sie müssten vielerorts zusperren, heißt es. Die Leute würden auch wegen der Atmosphäre und der Möglichkeit, sich eine ordentliche Tschick anzuzünden, kommen. Das mag sogar in vielen Fällen stimmen. Wenn aber ausnahmslos keiner mehr Rauchern ein Platzerl bietet: Gehen dann alle aus Trotz einfach gar nicht mehr fort? Das ist schwer zu glauben. Auch für die Gastronomen und deren Mitarbeiter selbst hat ein Rauchverbot einen Vorteil: nämlich schlicht und ergreifend die Gesundheit des Personals – und damit die Chancen auf mehr Umsatz. Ja, das Gastro-Personal tschickt wohl verhältnismäßig oft. Aber: das kann man auch vor der Tür oder Hinterhof. So wie in jedem anderen Land der Welt. Auch wirtschaftlich rentiert sich auf Dauer das Rauchverbot. Denn Wirte schlagen sich seit Jahren mit teuren Umbauten für Raucherbereiche herum. Dass dann oft die Tür zum Nichtraucherbereich offen bleibt oder ständig auf und zu geht, vertreibt einen Großteil der Kundschaft. Das Geld, das man sich durch den Blödsinn der stinkenden Schmuddelecken spart, ist gut an anderer Stelle investiert. Da geht sich locker ein Aschenbecher mehr vor der Beisl-Tür aus. Oder im Hinterhof.

(wb)

Titelbild: HERBERT PFARRHOFER / APA / picturedesk.com

 

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