Amerikas größter Kohlekonzern, Murray Energy, hat Gläubigerschutz nach Chapter 11 beantragt. 5.000 Bergleute blicken in eine düstere Zukunft. Im Strom-Mix der USA hat die Kohle immer weniger Platz. Erneuerbare Energien und Gas aus Fracking haben die Kohle verdrängt. Murray Energy ist schon das achte Kohle-Unternehmen, das in den vergangenen zwölf Monaten in die Knie gegangen ist. Trotz Trumps Verheißungen.

Wien, 30. Oktober 2019 / Robert Murray gehört zu den glühenden Unterstützern von Donald Trump. Er hoffte, Donald Trump würde die Kohleindustrie retten. Noch im Juli dieses Jahres hatte er eine große Spendenaktion für des US-Präsidenten gestartet. Nun sind seine 18 Minen in Ohio, West Virginia, Kentucky und Utah Konkurs gegangen! Damit wird klar, dass Donald Trumps vollmundige Ankündigung, die Kohleindustrie wiederauferstehen zu lassen und tausende neue Arbeitsplätze zu schaffen, nichts weiter als eine Phantasterei waren.

Rücksichtlos gegenüber Arbeitern

Für seine 5.000 angestellten Bergleute beginnt eine unsichere Zukunft. Noch besteht die leise Hoffnung, dass die großen Gläubiger das Unternehmen kaufen und fortführen. Fortführen unter welchen Aussichten? Wesentlich trauriger ist der Umstand, dass Murray versucht, vor Gericht sich von seinen Pensionsverpflichtungen zu befreien. Ungalublich: Im Pensionsfonds fehlen ganze 1,9 Milliarden Dollar. Entgegen seiner vertraglichen Verpflichtungen hat der Konzern außerdem nicht genügend Geld für Gesundheitskosten der Bergleute zurückgelegt. Viele Kumpel leiden unter einer berufsbedingten Staublunge. Nun bleiben die Arbeiter offensichtlich auf der Strecke.

Trump und seine Kohle-Illusion

Im August 2018 hatte Donald Trump noch vollmundig verkündet: „The coal industry is back. My administration is putting you back to work ­– Die Kohleindustrie ist zurück. Meine Regierung bringt Euch Eure Arbeit zurück.“ 2.000 neue Jobs sollen im ersten Jahr der Regierung Trump entstanden sein. Kritiker sprachen schon damals von lediglich saisonalen Effekten. Ein Jahr später ist die Bilanz für Trump verheerend. 12.000 Arbeitsplätze sind zwischen August 2017 und August 2018 verloren gegangen. Nun könnten 5.000 weitere zu dieser negativen Bilanz dazukommen.

Der lange Niedergang

100.000 Arbeitsplätze – das ist die Zahl die Amerikas Kohleindustrie im Laufe der letzten drei Jahrzehnte verloren hat. Donald Trump hat diese Tatsache in seinem Wahlkampf stark fokussiert und den Menschen im „Rust Belt“, dem Industriegürtel der USA, neue Arbeitsplätze in den Kohleminen versprochen. Er werde den „Krieg gegen die Kohle“ beenden. Trump war deshalb dazu bereit, auf den Klimaschutz zu verzichten. Und tatsächlich wurde kurz nach der Wahl 2017 eine Kohlemine neueröffnet. Doch letztlich war Trumps Kampf einer gegen die sprichwörtlichen Windmühlen.

Das schwarze Herz Amerikas ist tot

Auch ein Donald Trump kann das Rad der Zeit nicht einfach zurückdrehen. Erneuerbare Energien sind mittlerweile einfach billiger als Kohle. Und dann ist da noch eine US-amerikanische Spezialdisziplin, das Fracking. Die USA wollten sich in großen Teilen von Öl- und Gasimporten unabhängig machen: das ist teilweise sehr gut gelungen, dank verbesserter Öl- und Gasgewinnungsmethoden. Die mit dem Fracking verbundenen Umweltschäden werden auf die kommenden Generationen übertragen. Und da in den erzkapitalistischen USA alles wirtschaftlich gesehen werden muss, ist Kohle völlig unrentabel geworden. Noch vor zehn Jahren wurden 50 Prozent des elektrischen Stroms aus Kohle hergestellt. Heute sind es noch 28 Prozent, Tendenz weiter abnehmend. Schon nächstes Jahre sollen nur mehr 22 Prozent des Stroms aus Kohlekraftwerken stammen. Das vollmundige Getöse Trumps um den Ausstieg aus dem Pariser Klimaschutzabkommen bleibt für die Minenarbeiter wirkungslos.

Der Rostgürtel bleibt rostig

Trump hat sich schlicht und einfach verspekuliert, denn schon während seines Wahlkampfes war klar, dass die Erneuerbaren Energien ein wichtiger Wirtschaftsfaktor sind. Gerade in Texas und Iowa haben sich Erneuerbare Energien zu einem bedeutenden Faktor entwickelt. Der Kampf um die Kohle ist letztlich verloren. Zurück bleiben die verlorenen Hoffnungen sehr vieler Trump-Wähler.

(sm)

Titelbild: Pixabay

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