Die Luft wurde für die Datenkrake Facebook zuletzt dünner. Nach Skandalen und irritierenden Aktionen schmälert das aber nicht die Gewinne. Ganz im Gegenteil: Die Erträge von Facebook wandern in irre Höhen! Im dritten Quartal sahnten Zuckerberg und die Facebook AG ganze 6,1 Milliarden Dollar Profite ab. Diese Summe macht Facebook auch mit manipulierten Fake-News. Nun kommt erstmals offen Kritik von den Mitarbeitern.

Menlo Park, 31. Oktober 2019 / Facebook will, dass man seine Beiträge mit Geld bewirbt – sonst bleibt die Reichweite niedrig. Und die Strategie ging voll auf: Der Umsatz stieg, angetrieben durch die boomenden Werbeeinnahmen, im Vergleich zum Vorjahr um 29 Prozent und zwar auf 17,7 Milliarden Dollar. Und auch die Nutzerzahlen gehen weiter in die Höhe: mittlerweile gibt es fast 2,5 Milliarden Profile auf Facebook. Wie viele davon zu echten Menschen gehören, kann allerdings nicht gesagt werden.

Aktiengesellschaft will Profit, nicht Weltrettung

Doch nicht wegen Fake-Profilen, sondern wegen Fake-News steht der Zuckerberg-Konzern in der Kritik. Denn auch wenn gefälschte Nachrichten mit viel Geld unter die Menschen „gepusht“ werden, nimmt Facebook das Geld, ohne zu fragen an. Auch wenn der CEO immer wieder behauptet, er würde gerne die Welt retten, in Wahrheit geht es dem Konzern in erster Linie um eines: Profit! So, wie bei vielen anderen Tech-Unternehmen.

Seit 2012 ist Facebook an der Börse notiert, den Facebook-Aktionären geht es höchstens nebenbei um die Rettung der Welt. Was sie wollen, ist klar: Mit der Aktie Geld verdienen. Und das läuft besser, ohne genau hinzusehen, was beworben werden darf und was nicht. Und die Politik macht kaum etwas dagegen. So akzeptierte Facebook nun die Strafzahlung im berühmten Cambridge-Analytica-Skandal. Doch im Vergleich zu den Profiten ist die Strafe läppisch: 580.000 Euro muss die kalifornische „Datenkrake“ berappen.

Weit weniger Strafzahlung als die Post

Doch Facebook, für Kritiker großer Vorreiter im Überwachungskapitalismus, wollte selbst die läppische Summe nicht zahlen. Erst nach viel Widerstand akzeptierte man am Mittwoch die Strafzahlung, doch nicht ohne zu erwähnen, dass man kein Fehlverhalten von Konzernseite feststellen kann. Der Datenskandal klingt ähnlich wie jener der Post – man verkaufte Facebook-Nutzerdaten an Cambridge Analytica, diese arbeitete dann für Trump. Bei der Post gingen die Daten direkt an die Parteien. Die Post zahlt 18 Millionen Euro Strafe (nicht rechtskräftig), der Internetkrake bezahlt für den Konzern eher lachhafte 580.000 Euro.

Weil Politik und Justiz den riesigen Datensammlern offenbar nicht habhaft werden können, proben nun die Mitarbeiter den Aufstand. So schrieben 250 Angestellte einen Konzern-internen offenen Brief an Mark Zuckerberg. Darin zu lesen: „Bezahlte und freie Meinung sind nicht das Gleiche“ und „Desinformation“ sei „eine Bedrohung für das, wofür Facebook steht“. Denn durch Bewerbung von Inhalten werde Facebook zu einer Waffe in den Händen von Politikern und Mächtigen.

Widerstand von Mitarbeitern, Zuckerberg antwortet zumindest

Die Mitarbeiter stellen gegenüber dem umfassend herrschenden Konzernchef sogar Forderungen auf. Das wirkt in der Welt von Zuckerberg schon fast wie Meuterei. Man müsse die Standards bei politischer Werbung erhöhen und es müsse etwas gegen das sogenannte „Filterblasenproblem“ unternommen werden. Dieses ergibt sich durch die genaue Ausrichtung auf das Zielpublikum von Werbung.

Weiter fordert man eine Ausgabenobergrenze für einzelne Politiker. Das würde den enormen Umsatz von Facebook direkt beschneiden: so gab alleine Elizabeth Warren bereits über 2,2 Millionen Dollar für ihren Präsidenten-Wahlkampf aus. Die Mitarbeiter unterschreiben mit einem beinahe klassenkämpferisch anmutenden Aufruf: „Das ist immer noch unsere Firma“.

Die Antwort aus der Chefetage kam prompt: Man könne Schritte ausloten, aber werde nichts grundlegend ändern.

(wh)

Titelbild: wiki commons / Pixabay

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