Wien, 03. November 2019 /

  • Geborener „68er“ (50 Jahre), man merkt es nur nicht. Geburtsort: Knittelfeld, ein Ort mit Sprengmeisterpotenzial
  • Bekannt für seine derbe und teils jenseitige Wortwahl, auch außerhalb des Plenums
  • Könnte den Fans einer türkis-blauen Neuauflage einen Bärendienst erwiesen haben

Profil:

Der gebürtige Knittelfelder, Wolfgang Zanger, ist Abgeordneter zum Nationalrat für die FPÖ. Auf Gemeinde- und Bezirksebene kämpfte er sich Schritt für Schritt vor zu den Futtertrögen der blauen Macht. Parallel dazu trieb er sein Unwesen in rechten Schülerverbindungen. Seit 2006 sitzt er für die Freiheitlichen im Parlament. Just im selben Jahr sorgte Zanger mit einem Interview für den ORF für helle Aufregung, relativierte er doch das Schreckensregime der Nationalsozialisten in verstörender Ehrlichkeit: „Natürlich hat es gute Seiten am Nationalsozialismus gegeben, nur die hören wir heute alle nicht mehr. Alle lechzten nach Beschäftigung, nach ein bisschen Hoffnung, und als dann der Führer gekommen ist, der dann angefangen hat mit verschiedenen Bauideen oder Straßenbau – die Autobahnen sind damals entstanden –, das hat den Leuten Hoffnung gegeben. Und ich glaube schon, dass in so einer Situation, wo man wirklich ganz unten ist, die Leute dieses alles dankbar aufnehmen.“ Des Wahnsinns kaum überdrüssig, meinte Zanger, sich in seinen Aussagen sogar noch selbst übertreffen zu müssen. Noch vor einem Jahr bezeichnete er im Parlament in einer verstörenden Rede den ehemaligen Bundeskanzler Christian Kern als „Oberschlepper, der alle diese Menschen (gemeint sind wohl die Flüchtlinge) mit der ÖBB durchs Land kutschiert hat“. Die damaligen Regierungsparteien klatschten, auch die ÖVP. In einer anderen „Debatte“ bezeichnete er Betriebsräte und Gewerkschafter als „Beidl“: „Jetzt siehst du wenigstens einmal, was das für Beidl sind“. Das muss dann wohl die berühmte Politik für den „kleinen Mann“ sein, für die die FPÖ eintritt.

Interessantes:

Zuletzt stand Zanger in den Schlagzeilen wegen einer neuerlichen Liederbuchaffäre. Kurz vor der Steiermark-Wahl ist den Blauen die Veröffentlichung der 400 Seiten Nazi-Schande ein Dorn im Auge, zumal Zanger selbst aus der Steiermark kommt. Während von Seiten der Partei – man kennt das aus der Vergangenheit – zwar beteuert wird, wie grauslig der Text sei, wird zugleich gut populistisch beschwichtigt. Parteichef Hofer meint, man dürfe „einen Politiker nicht einfach in eine Nazi-Diskussion verwickeln, nur weil er vor 14 Jahren ein Buch geschenkt bekommen hat“. Auch Zanger selbst sieht das ähnlich, geht aber noch einen Schritt weiter: Er rechtfertigt sich auf Facebook damit, dass er „die Geschmacklosigkeit“ einiger Textpassagen selbstverständlich entdeckt und sich deshalb dazu entschlossen habe, „dieses Buch nicht zu verwenden, sondern es als zeithistorisches Dokument zu archivieren“. „Wegwerfen war für mich keine Option, generell werfe ich keine Bücher in den Abfall. Dieses Buch war zu keiner Zeit in Verwendung, ich habe zu keinem Zeitpunkt daraus rezitiert oder gelesen, geschweige denn besagte Lieder gesungen.“ Er stehe auf dem Boden der Demokratie und habe mit dem Gedankengut totalitärer Systeme nichts am Hut, so der FPÖ-Mandatar. Allein, es fehlt der Glaube. So wird das jedenfalls nichts mit der türkis-blauen Neuauflage.

(wb)

Titelbild: APA Picturedesk

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