Die Deutsche Umwelthilfe hat neue, äußerst brisante Erkenntnisse zur Abgasmanipulation bei Diesel-Pkw von Audi, Mercedes, Porsche und VW aufgedeckt. Die Diesel-Pkw der Abgasstufe Euro 5 und Euro 6 wiesen teilweise massive Überschreitungen der Stickoxid-Grenzwerte auf. Die Software-Updates der Hersteller sind praktisch wirkungslos. Negativer Spitzenreiter ist der Porsche Cayenne S mit fast 12 Mal mehr Ausstoß an gefährlichem Stickoxid als gesetzlich erlaubt. Porsche Österreich gab ZackZack.at eine Stellungnahme.

Berlin | Wien, 04. November 2019 / Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat in ihrem Emissions-Kontroll-Institut (EKI) in den vergangenen Monaten weitere Abgasmessungen an Dieselfahrzeugen durchgeführt. Das Besondere daran: es wurde im realen Betrieb auf der Straße gemessen. Dabei traten noch nie gemessene Extremwerte des Dieselabgasgifts Stickoxid (NOx) zu Tage.

131 Fahrzeuge gemessen

Gemessen wurden 131 Fahrzeugen der Euronormen 5 und 6 vieler namhafter Hersteller. Der Porsche Cayenne S erwies sich dabei als wahre Abgasschleuder. Bei einer milden Außentemperatur von +11 bis +15 Grad wurden durchschnittlich 2.146 mg NOx/km gemessen. Erlaubt ist für diese Fahrzeugklasse ein NOx-Grenzwert von 180 mg/km. Damit ist der Porsche Cayenne S der schmutzigste, jemals von der DUH gemessene Diesel-Pkw und neuer Negativ-Spitzenreiter.

Negativbeispiele auch bei Mercedes und Audi

Aber auch die anderen Hersteller kommen schlecht weg. Der Familien-Transporter Mercedes Citan 109 CDI Euro 6 überschreitet beispielsweise mit durchschnittlich 468 mg NOx/km den derzeit gültigen Grenzwert von 80 mg NOx/km um das 5,9-fache. Der gemessene Audi Q7 3.0 TDI emittiert bei sommerlichen Außentemperaturen von +22 bis +23 Grad durchschnittlich 373 mg NOx/km und liegt damit 4,7-fach über dem zulässigen Grenzwert für Euro 6 Diesel.

VW EA189-Betrugs-Motor noch immer legal

Darüber hinaus kritisiert die DUH den EA189-Betrugs-Motor aus dem VW-Konzern. Einige Euro 5-Modelle mit diesem Motor sind auch vier Jahre nach dem Bekanntwerden von illegalen Abschalteinrichtungen als legal klassifiziert. So beispielsweise der VW T5 2.0 TDI: das Fahrzeug stößt bei Außentemperaturen von +14 bis +21 Grad Celsius durchschnittlich 992 mg NOx/km aus.

Was der Fall Porsche zeigt

Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH:

„Der Fall Porsche zeigt exemplarisch, wie sich die letzte deutsche Schlüsselindustrie weiterhin durch Tricksen und Täuschen um die Aufklärung und Schadensbeseitigung des größten Industrieskandals der Nachkriegsgeschichte drücken möchte. Das Image der Autokonzerne ist auf einem absoluten Tiefpunkt angekommen. Wir fordern eine schonungslose Offenlegung aller in den Diesel-Pkw der Abgasstufen Euro 5 und Euro 6 eingebauten, illegalen Abschalteinrichtungen und einen Hardware-Austausch bei allen Fahrzeugen.“

Stellungnahme von Porsche Österreich

Wir haben Porsche Österreich um eine Stellungnahme gebeten. Aus der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit haben wir folgendes Statement erhalten:

„Der Volkswagen Konzern hat entschieden, die Presseinfo der Deutschen Umwelthilfe nicht weiter zu kommentieren. Gerne kann ich Ihnen aber einen Artikel (es handelt sich um einen Kommentar, red.) der ‚Frankfurter Allgemeine‘ zusenden, die auf dieses Thema reagiert.“

Meinung – zackig und frisch

Wie soll man zur Autoindustrie stehen? Deutschlands Wirtschaft ist zu einem guten Teil davon damit verwoben. Jeder siebente Arbeitsplatz soll laut Statistiken davon abhängen. Jahrzehntelanges Lobbying hat zu einer absurden Situation geführt.

Die Autoindustrie hat sich in Komplizenschaft mit den Regierenden ihre eigenen Testverfahren so weit vorangetrieben, dass jeder Bezug zur Wirklichkeit in den Testzyklen verlorengegangen ist. Als das nicht mehr ausgereicht hat, wurde dann bei einigen Herstellern über die Software die Abgasreinigung manipuliert. Jetzt stecken alle im Dilemma, denn die Tatsache, dass Autos zum Teil bis zum 20-fachen mehr SO2 ausstoßen als erlaubt, ist mehr als schiefe Optik. Es ist ein Produkt einer Politik der Sackgasse.

Die USA haben da anders reagiert. Völlig vereinfacht heißt das: so und so viele Tote = dieser Betrag ist zu zahlen.

Eine Politik die versagt hat, trifft im Regelfall am Schluss immer die Masse und auf diese Lösung wird es im Dieselabgasskandal auch hinauslaufen. Denn das Zeitalter des Verbrennungsmotors ist vorbei. Die Zukunft der Mobilität wird über völlig veränderte Konzepte stattfinden. Müssen.

(sm)

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