Das Lieferserviceunternehmen lieferando.at lässt diese Woche aufhorchen. Vor dem Arbeitsgericht geht der Essenszusteller gegen den eigenen, im Frühjahr gegründeten, Betriebsrat für seine 300 Fahrradkuriere vor. Das kuriose Argument: Laut lieferando.at handelt es sich in Österreich um keinen Betrieb.

Wien, 05. Oktober 2019 / Lieferando.at, ehemals lieferservice.at, beschäftigt rund 300 Fahrradlieferanten auf Österreichs Straßen. Alle Auslieferer sind fest angestellt, der Großteil von ihnen geringfügig oder in Teilzeit. Nachdem beim ehemaligen Konkurrenten Foodora, jetzt MjamPlus, 2017 europaweit der erste Betriebsrat in dieser Branche gegründet wurde, zog auch Mitte des Jahres der „orangene“ Lieferdienst nach und setzte einen ein. Lieferandos niederländischer Mutterkonzern Takeaway bereitet nun jedoch einen Rückzieher vor. Gegen den sechsköpfigen Betriebsrat geht nun laut STANDARD-Recherchen der Zustellriese vor Gericht vor.

Kein Betrieb laut Takeaway

Die Argumentation von Takeaway kommt jedoch aus dem Kuriositätenkabinett. Laut Takeaway handle es sich beim österreichischen Standort in Wien um keinen Betrieb. Das Herzstück des Unternehmens liege in der Website, beziehungsweise App, über die der Kunde bestellt. Betreut und gewartet wird die Website jedoch in Deutschland, die Server fristen in Irland ihr Dasein. Somit bestehe in Österreich nur eine unselbständige Zweigstelle. Übergangen werden somit die 300 Zusteller, welche gerade hart um einen Kollektivvertrag kämpfen mussten. Ab 1. Jänner 2020 gilt der weltweit erste Kollektivvertrag mit einem Basislohn von 1.506 Euro brutto.

Letztes Jahr noch andere Töne

Im April 2018 lieferte Lieferando noch andere Statements aus, damals zeigte man sich gegenüber einem Betriebsrat noch offen: „Selbstverständlich würden wir es unseren Mitarbeitern ermöglichen, einen Betriebsrat zu gründen.“ Zumindest gründen durften sie ihn …

(bf)

Titelbild: screenshot

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