2001 verabschiedete die Parteizentrale der chinesischen Kommunisten einen Moralkodex für alle Bürger. 18 Jahre später wurde dieses Dokument nun ersetzt – mit neuen moralischen Richtlinien für alle. Das Dokument umfasst alle Bereiche des Lebens: Internetnutzung, Essen und Trinken, Mülltrennung und Umweltschutz, Hochzeit und Kindererziehung, oder auch Vorschriften, wie man sich als Chinese im Ausland zu verhalten hat.

Wien/Peking, 5. November 2019 / Laut Xi Jinping, dem autoritären Herrscher Chinas, ist man mittlerweile in eine neue Zeit eingetreten. Im Vergleich zu 2001, als die letzten moralischen Richtlinien verabschiedet wurden, sei vieles anderes. Und diese neue Ära braucht offenbar auch eine neue Lebensweise. Deshalb wurde letzten Sonntag ein ausführliches Dokument publik, mit dem Titel: „Entwurf zur Umsetzung des moralischen Aufbaus der Bürger in der neuen Ära.“

Der ideale chinesische Kommunist

Für jeden Chinesen ist damit klar, wie er in den Augen der Kommunisten zum perfekten Chinesen wird. Zu allererst bedeutet das: An den Herrscher Xi Jinping und an den Kommunismus glauben. Damit lebt man nur für die Gesellschaft und für China, nicht für sich selbst. Das geht unter anderem mit einer disziplinierten Internetnutzung: keine Pornos und keine Internet-Betrügereien. Denn laut Xi seien „Hedonismus, extremer Individualismus und die Verherrlichung von Geld“ noch immer weit verbreitet. Diese Gefahr müsse weiter mit aller Kraft von den Kommunisten bekämpft werden.

Einige Fakten: Eltern müssen den Kindern das Mülltrennen beibringen und jeder Bürger müsse das Buch „Xi Jinpings Gedanken“ lesen – nicht verwunderlich, immerhin inszeniert sich Xi seit 2 Jahren als neuer Mao. Generell soll die chinesisch-kommunistische Ideologie studiert werden, diese spitzt sich immer mehr auf Xi selbst zu. Das ist auch in den neuen Moral-Richtlinien sichtbar.

Moral zur Disziplinierung

Ein wichtiger Teil im neuen Moral-Buch ist auch das Verhalten der Chinesen als Touristen. Sie sollen immer höflich und freundlich sein, und sich niemals in der Öffentlichkeit auffällig exponieren.

Auch wenn die neue Moral-Diktatur keine unmittelbaren Strafen nach sich zieht, wird sie laut Experten einen starken Einfluss auf das tägliche Leben haben. Strafrechtlich relevantes Verhalten wird dennoch ständig erweitert: Ab letzter Woche kostet Essen, Trinken und lautes Musikspielen in einer U-Bahn eine saftige Strafe.

Es zeigt sich also: Moral, eine oft religiöse Angelegenheit, gibt es auch in anti-religiösen Ländern. Und in einem totalitären Staat, in dem fast alles von einem Parteibüro kontrolliert wird, ist Moral besonders wichtig. Damit ist klar, was hinter der Moral versteckt: ein Instrument der Herrschaft.

(wh)

Titelbild: APA Picturedesk

Aktuell