„Schau, wenn das Medium zwei, drei Wochen vor der Wahl plötzlich uns pusht, dann machen wir nicht 27 Prozent. Dann machen wir 34 Prozent.“ Zahlen, von denen die FPÖ momentan nur träumen kann. Die Freiheitliche Partei hat die Gunst der größten Tageszeitung Österreichs verloren. Die Blauen reagieren wie ein schmollendes Kind auf den wechselnden Wind in der Welt des rechten Boulevard. Offene Briefe, gekündigte Abos und beleidigte Videos nutzen die FPÖler als scheinbar letztes Mittel, um Signore Dichand doch wieder gnädig zu stimmen.

Wien, 06 November 2019 / Seit dem Ibiza-Video, in dem Heinz-Christian Strache offen über die Beeinflussung der größten österreichischen Tageszeitung lauthals sinnierte, um Wählerstimmen zu generieren, sind die Fronten zwischen der Krone und der FPÖ verhärtet. Bereits am Tag nach der Veröffentlichung des Videos titelte die Kronen Zeitung auf komplett schwarzem Hintergrund: „FPÖ am Ende“.

FPÖ erstickt in Skandalen

Ganz recht hatte die Kronen Zeitung damals noch nicht, denn der (Ver)-Fall der FPÖ sollte sich über den Sommer hin fortsetzen. Spesenskandal, Mandatsstreit um Philippa und der peinliche Cybertwist um die HC-Fanpage: die Medienlandschaft wurde von einem blauen „Wunder“ nach dem anderen überschwemmt. Niedergeschlagen hat sich dies in den mauen Ergebnissen bei der Nationalratswahl mit gerade einmal 16 Prozentpunkten für die FPÖ. Auch nach der Wahl kamen immer wieder neue Skandale auf, wie etwa die Liederbuchaffäre um den Nationalratsabgeordneten Wolfgang Zanger.

FPÖ beleidigt

Die Schuld für die Skandale sucht die FPÖ jedoch nicht bei sich selbst: als Ziel der freiheitlichen Wut wurde die Kronen Zeitung auserkoren. Sie soll einer der Hauptverantwortlichen für das Scheitern bei der Nationalratswahl gewesen sein. Die FPÖ hat sich gestern offiziell auf den Kriegsfuß gegen die Dichand-Zeitung begeben. FPÖ-General Christian Hafenecker verwunderte gestern mit einer Presseaussendung. Per offenem Brief teilte Hafenecker sein Bedauern mit. Die Krone sei schließlich immer „ein Garant der Ausgeglichenheit in der Berichterstattung in unserer Medienlandschaft“ gewesen. Zur Erinnerung: Während der türkis-blauen Koalition lobte die Dichand-Zeitung Ex-Chef Strache noch wöchentlich über den Klee. General Hafenecker versuchte es auch über die emotionale Schiene und versuchte auf die Tränendrüse der Krone-Chefredakteure zu drücken, indem er ihnen mitteilte, dass er sein Krone-Abo kündigte.

So schnell wird sich nichts ändern

Nicht nur Hafenecker wandte sich trotzig an die Krone, auch die FPÖ-Facebookseite stellte heute ein irres Video mit dem Thema „Anti-FPÖ-Kampagne“ online. Ob sich die Tageszeitung von dem 2-Minuten-Video beeindrucken lässt und die FPÖ wieder „in ihr Herz schließt“ darf bezweifelt werden, sitzt doch nun zu 24 Prozent Anteilen Kurz-Spezi René Benko in den obersten Etagen der Zeitung. Für die FPÖ gilt wohl der neue Leitsatz: „Denn wenn die Krone dich nicht mehr pusht, dann macht man nicht 27, dann macht man 16.“

(bf)

Titelbild: ZackZack.at/ow

Aktuell