Zwischen 1945 und 1999 wurden zahlreiche Kinder und Jugendliche unter der Obhut der Wiener Jugendwohlfahrt Opfer von zum Teil schrecklichster Gewalt. Die Anwendung von „schwarzer Pädagogik“ war in den Heimen und bei den Pflegeeltern eher die Regel als die Ausnahme. Mit grausamen Methoden wurden Waisenkinder bis an ihr Lebensende traumatisiert. Die Stadt Wien entschuldigte sich nun.

Wien, 07. November 2019 / Die Stadt Wien stellte sich erst im Jahr 2010 ihrer Verantwortung und beauftragte eine Aufarbeitung der Geschehnisse. Nach neun Jahren liegt nun der Abschlussbericht des Vereines für Verbrechensopferhilfe „Weisser Ring“ vor. Bürgermeister Ludwig (SPÖ) zeigte sich am Mittwoch betroffen: „Die Opfer haben Unfassbares erlebt, es ist unsere Pflicht als Stadt, unsere Verantwortung wahrzunehmen, geschehenes Unrecht ohne Relativierung anzuerkennen und uns dafür aufrichtig und zutiefst zu entschuldigen.“

52 Millionen Entschädigung für Opfer

In 71 Sitzungen hat das zuständige Gremium der Stadt Wien 3.139 Meldungen bearbeitet und davon 2.384 Betroffenen eine finanzielle Hilfeleistung zugesprochen. Offiziellen Zahlen zufolge hat die Stadt Wien damit, so überspitzt muss man das formulieren, bisher mehr Kinder wegen Missbrauchs „auf dem Gewissen“, als die österreichische katholische Kirche mit 2.181 Opfern. Unfassbar!

Zerstörte Kindheit 20.000 Euro wert?

Insgesamt sind 52,53 Millionen Euro Hilfe veranschlagt. Davon wurden laut Bericht 42,13 Millionen direkt an die Opfer ausbezahlt. Das restliche Geld wird für Psychotherapien und Rechtsberatung zur Verfügung gestellt. Durchschnittlich ist der Stadt Wien also eine verlorene Kindheit und ein dramatisches Leben 20.000€ wert.

 (fr)

Titelbild: APA Picturedesk

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