Vor einiger Zeit haben wir aus dem Flüchtlingslager Vučjak in Bihać aus Bosnien und Herzegovina (BuH) berichtet. Das Lager ist durch die Schließung der sogenannten Balkanroute in einem desaströsen Zustand. Neben lebensbedrohlichen Bedingungen im Lager herrscht das schiere Chaos im Land, da es in BuH seit den Parlamentswahlen im Oktober 2018 zu keiner Regierungsbildung kam und somit auch kein Budget freigegeben werden kann.

Wien, 07. November 2019 / Der neue EU-Sonderbeauftragte in BuH und Leiter der Delegation der EU in Sarajevo, Johan Sattler, hat sich in Bihać mit dem Bürgermeister Šuhret Fazlić getroffen. Er betont die dringende Schließung des Lagers auf der Müllhalde. Der Ministerrat und das Sicherheitsministerium von BuH sollen in Kürze einen zusätzlichen Standort für die Flüchtlinge außerhalb des Kantons Una-Sana eröffnen. Laut der Caritas sind in BuH dieses Jahr 10.500 Flüchtlinge registriert. 90 Prozent von ihnen befinden sich im Kanton Una-Sana. Die Situation ist jedoch brisant. Der Premier des Kantons Mustafa Ružnić stimmte Sattler nicht ganz zu. Er möchte die Flüchtlinge aus den Zentren ganz „entfernen.“

Vergrößerung der Krise durch den Beitritt Kroatiens ins Schengener Abkommen?

Der Rat der Europäischen Union wird Kroatien demnächst in eine Zone einbeziehen, die die Abschaffung der Kontrollen an den Binnengrenzen enthält. Dies wird die Flüchtlinge nicht hindern, über Bosnien und Herzegowina, eine der derzeit häufigsten Migrationsrouten vom Nahen Osten in die Europäische Union, zu kommen. Im Gegenteil. Noch mehr Flüchtlinge an der Grenze zwischen BuH und Kroatien könnten zu einer beträchtlicheren humanitären Krise am Westbalkan führen. Durch den Eintritt Kroatiens in die Schengen-Zone könnten sich die Flüchtlinge auf der „sicheren Seite“ wähnen, wenn sie nicht gewalttätig von dort aus wieder zurück in das Lager deportiert werden.

BuH hat als Nachkriegsland selbst noch immer mit politischen und wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen und ist für so etwas nicht vorbereitet. Niemand kann einschätzen, wie viele Opfer das Chaos noch mit sich bringen wird.

EU muss endlich handeln

Die EU-Grenzen dauerhaft zu schließen und niemanden hereinzulassen, wird das Problem der humanitären Katastrophe auf lange Sicht nicht lösen. Es fehlt ein gemeinsames EU-Asylsystem. In den Lagern um die EU verweilen die Flüchtlinge derzeit vor dem Wintereinbruch unter elenden Bedingungen. Die türkische Intervention in Syrien wird auch noch mehr Flüchtlinge auf der sogenannten „Balkanroute“ zeitigen. BuH wird das Problem niemals alleine lösen können.

Update: Wie soeben durch Medienberichte bekannt wurde, soll das Flüchtlingslager innerhalb der nächsten Woche geschlossen werden (red.)

(rc)

Titelbild: APA Picturedesk

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