Die Menschen kennen Stauffenberg, aber nicht Georg Elser. Er plante im Alleingang ein Attentat auf Adolf Hitler. Die Bombe, versteckt direkt hinter Hitler, in einem NSDAP-Stammlokal, explodierte. Allerdings knapp 15 Minuten zu spät. Der Anschlag war verheerend, doch Hitler überlebte. Der perfekte Plan scheiterte – wegen des Wetters. All das passierte am 08. November 1939, genau vor 80 Jahren.

Wien, 08. November 2019 / Georg Elser war ein einfacher Münchner Schreiner. Vor 1933 half er vermutlich zu den Kommunisten. 1938 sah er alles kommen: er schrieb, dass es Krieg geben werde, einen großen Krieg. Hitler sei dafür verantwortlich. Die einzige Lösung für ihn: Ein Attentat auf Hitler. Also entwickelte er einen Plan.

Ein Plan im Alleingang

Jährlich, am 8. November, hielt Hitler eine Rede im Münchner Bürgerbräukeller – zur Erinnerung an den Nazi-Putschversuch vom 9. November 1923. Das sollte der Ort werden, den Elser auswählte. Der Plan: Eine Zeitbombe nahe dem Rednerpult einbauen, die während der Hitler-Rede explodiert. Dafür suchte er zuerst eine Arbeit in einem Steinbruch in Bayern. Von dort nahm er 105 Dynamit-Sprengpatronen und 125 Sprengkapseln mit. Dann zog er Anfang August nach München. Noch drei Monate hatte Elser Zeit.

Er mietete eine Werkstatt, behauptete, er sei Erfinder. In Wahrheit arbeitete er an einem Zeitzünder. Nach einem Monat war er fertig. Dann kam die schwierigste Aufgabe: Die Bombe verstecken. Eine Säule, direkt hinter dem Rednerpult, war dafür perfekt. Seine Lösung so simpel, wie genial: Er kam jeden Abend, aß ein Arbeiter-Nachtmahl, wartete auf einen guten Moment und versteckte sich in der Besenkammer.

Hitler reiste zu früh ab – wegen Nebel

Dort blieb er, bis das Gasthaus zugesperrt hatte. Nachdem alles leer war, installierte er die Bombe. 30 Nächte dauerte die mühsame, riskante Arbeit. Denn er höhlte die Säule aus, um dann in den ersten Novembertagen die selbst gebaute Zeitbombe einzulegen. Auch das Ticken der Bombe war nicht zu hören, das überprüfte er noch in der Nacht vor dem 8. November.

Die Zeit stellte er auf 21:20 Uhr. Letztes Jahr und auch die Jahre davor, war Hitler zu dieser Zeit mitten in seiner Rede. Die Bombe explodierte exakt um die eingestellte Uhrzeit. Doch diesmal, weil Hitler wegen Nebel einen Sonderzug nach Berlin nehmen musste, ging der Führer viel früher. Kurz nach 21 Uhr hatte er das Brauhaus bereits verlassen. Und mit ihm die gesamte NS-Führung. Von den 1.500 Zuhören waren nur noch rund 150 im Keller. Die Explosion war dennoch verheerend. Bilanz: 8 Tote, 16 Schwerverletzte, zahlreiche Verletzte.

Auch Elsers Flucht in die Schweiz misslang. Er wurde zügig gefasst, starb 5 Jahre später im KZ Dachau. Der Krieg in Polen lief damals schon drei Wochen, ging danach bis 1945 und kostete Millionen Menschen auf dem Schlachtfeld und in den Konzentrationslagern das Leben. Vielleicht hätte Elser die Katastrophe verhindern können, doch das Wetter wollte es anders. Andernfalls wäre Georg Elser um einiges bekannter als Stauffenberg.

(wh)

Titelbild: zackzack.at/ow

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