100 Jahre nach Aufhebung des österreichischen Adels entflammt eine neue Debatte über das Führen von Adelstiteln. Sowohl der Enkel des letzten Kaisers, als auch eine NEOS-Abgeordnete erregten in den letzten Tagen Medienaufmerksamkeit durch die Verwendung des kleinen Adelswurmfortsatzes „von“.

Wien, 08. November 2019/ Die NEOS-Abgeordnete und Gründungsmitglied der neoliberalen Partei, Martina Künsberg Sarre, soll sich außerhalb des Parlaments mit dem Adelsprädikat „von“ schmücken. Für die NEOS-Sprecherin Susanne Leiter handelte es sich um einen Künstlernamen, das „von“ habe Künsberg Sarre aus Kuba mitgenommen. Es handelt sich somit laut Leiter um keinen „Adelstitel“. Mittlerweile entfernte die NEOS-Abgeordnete den Adelszusatz von ihrer Facebookseite. Ein juristisches Nachspiel könnte es für die NEOS-Mandatarin jedoch trotzdem noch haben, wie auch der Kaiserenkel Karl Habsburg-Lothringen diese Woche am eigenen Titel spüren musste.

„14 Cent bitte“

Der Enkel von Kaiser Karl I. verwendet auf seiner Website das kleine Zwischenwörtchen „von“ zwischen Vor- und Nachnamen. Der Verfassungsgerichtshof entschied nun, dass dieses Führen verfassungswidrig ist. Die nominelle Strafe für den Verstoß: 20.000 Kronen. Nach heutigem Wechselkurs ungefähr 14 Cent. Dem Möchtegern-Monarch blieb die Strafe jedoch erspart, weil „der Beschwerdeführer durch eine Nichtverhängung einer solchen Strafe nicht in seinen Rechten verletzt sein konnte“.

Straferhöhung verlief im Sand

2015 debattierte das Parlament bereits heftigst über eine Erhöhung der Strafen für das fälschliche Schmücken mit Adelstiteln. Trotz einhelliger Meinung, dass die Strafen zu niedrig angesetzt sind, verlief die Diskussion im Sand. Und: keine entsprechende Gesetzesänderung wurde durchgeführt. Bereits damals zeigte ein hoher NEOS-Abgeordneter, dass er dem Adel nicht ganz abgeneigt ist. Nikolaus Scherak attestierte dem Benutzen des „von“, eine „historische Berechtigung“. Kein Wunder, sitzt doch im aktuellen Parlamentsklub der Pinken mit Douglas Hoyos-Trauttmannsdorff ein Nachfahre des spanischen Adelsgeschlechts Hoyos. Der seit diesem Jahr im Parlament tätige Mandatar trägt jedoch kein „von“. Dürfte er schließlich auch nicht.

(bf)

Titelbild: APA Picturedesk

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