Am 9. November 1989 war es soweit: Die DDR öffnete ihre Grenzübergänge, die Leute strömten Richtung Westen. Der Weg zur Deutschen Einheit war frei. Zuvor starben in all den Jahren 140 Menschen beim Versuch, die Mauer der Schande zu überqueren. Drei Jahrzehnte danach bleiben viele Fragezeichen. Blühende Landschaften? Der Osten Deutschlands ist in vielen Teilen abgehängt, die AfD ist teilweise stärkste Partei.

Berlin, 09. November 2019 / Dort, wo früher Stacheldraht und Grenzposten zu sehen waren, gibt es heute Moos, Brücken und schließlich die Erinnerung. Deutschland, Europa und die Welt haben sich seit dem 9. November 1989 verändert. Heute erinnert sich Deutschland an den Schicksalstag, an dem ein Missverständnis für den Fall der Mauer sorgte.

Der Tag, der die Welt veränderte

Wie kam es damals zum Fall der Mauer, die nicht nur Berlin trennte, sondern über Jahrzehnte das Symbol der Trennung zwischen West und Ost weltweite war? Günter Schabowski, damaliger DDR-Regierungssprecher und Politbüromitglied, sollte der entscheidende Mann sein. Unfreiwillig. Sein berühmter Satz, der das sozialistische Regime der DDR in sich zusammenfallen ließ, fiel erschreckend beiläufig. Er verkündete auf Nachfrage von BILD-Reporter Peter Brinkmann die verfrühte Öffnung der Grenze. Durch ein Missverständnis zwischen ihm und Egon Krenz blieb die Sperrfrist (10. November, 4 Uhr, red.) unbeachtet.

„Das tritt nach meiner Kenntnis … ist das sofort … unverzüglich“,

sagte Schabowski während einer Pressekonferenz in Ost-Berlin. Der Entwurf einer neuen Reiseverordnung entwickelte sich innerhalb von Minuten zu einer medialen Bombe. Um 19.17 brachte das ZDF Ausschnitte der Pressekonferenz, der Strom auf die Grenzübergänge war nicht mehr aufzuhalten. Der Rest ist Geschichte.

„The Hoff“ führt Google-Suche an

Rund um den Mauerfall gab es einige Persönlichkeiten, die fest im Gedächtnis der Deutschen verankert blieben. Einer davon ist sicher der Amerikaner und Piefke-Liebling David Hasselhoff. Sein Song „Looking for Freedom“ wurde zu der Mauerfall-Hymne schlechthin. Auch deshalb führt er die Google-Suche zum Mauerfall an und zwar vor folgenden Kalibern:

  • Platz 2: Michail Gorbatschow, Ex- Sowjetpräsident
  • Platz 3: Günter Schabowski, SED-Politbüromitglied
  • Platz 4: Erich Honecker, DDR-Staats- und Parteichef
  • Platz 5: Willy Brandt, Bundeskanzler (SPD) von 1969 bis 1974
  • Platz 6: Helmut Kohl, Bundeskanzler (CDU) von 1982 bis 1998

Nicht eingelöste Versprechen

Heute ist der Osten immer noch der Osten. Zwar anders, im Gewand des Kapitalismus, aber immer noch Osten. Und hier liegt das Problem. Das Versprechen des „Einheitskanzlers“ Helmut Kohl damals: der Osten bekommt blühende Landschaften! Es sollte zum Gutteil nicht eingelöst werden. Die Leute strömten in Scharen – und strömen immer noch – Richtung Westen. Die Gehälter zwischen Ost- und Westdeutschland sind immer noch nicht angeglichen, die Ost-Wirtschaft hinkt hinterher. Man fühlt sich als „Deutsche zweiter Klasse“. Oft hört man auch die Klage, dass es eigentlich keine Wiedervereinigung gab, sondern eher eine Eingliederung von Ost in West. Eine Folge der Ungleichheit ist der Erfolg der AfD. Lange Zeit war Die Linke in Ostdeutschland Protestpartei Nummer 1. Mittlerweile haben die Rechten den Frust der Menschen aufgesogen und Die Linke als Anti-Establishment-Partei abgelöst. Bleibt zu hoffen, dass endlich die Versprechen der Wende eingelöst werden.

(wb)

Titelbild: APA Picturedesk

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