Der 50 jährige Schwede Ola Källenius hat es schwer. Die Investoren der Daimler AG treten dem CEO auf die Füße. Nach erfolgsverwöhnten Rekordjahren unter Vorgänger Dieter Zetsche, bläst dem Autobauer nun der Wind heftig ins Gesicht. 1,4 Milliarden Personalkosten müssen bis Ende 2022 eingespart werden. In diesem Jahr wurde überhaupt noch kein Geld verdient und die Konkurrenz schläft nicht. Konkurrent Elon Musk will ein Giga-Teslawerk in Deutschland bauen. Es ist noch nicht klar, wie viele Arbeitsplätze verschwinden werden. Es wird wohl nicht ohne unschöne Bilder für einige Mitarbeiter gehen.

Wien, Stuttgart, 14. November 2019 / 1,4 Milliarden Euro Einsparungen in drei Jahren auf Seiten der Mitarbeiter ist eine Menge Holz. Rationalisierungen werden da nicht reichen. Rund 280.000 Mitarbeiter sind bei Daimler weltweit beschäftigt. 60 Prozent davon in Deutschland, weitere 14 Prozent in Europa. 140.000 arbeiten im PKW-Segment. Und genau in diesem Bereich kracht es heftig im Gebälk! Hier müssen 1 Milliarde Euro eingespart werden, 100 Millionen sind es in der Sparte Transport-Vans und 300 Millionen im Schwer-LKW Segment. Durch die Einsparungen und den großflächigen Umbau von Strukturen und Prozessen, werden wohl auch viel Zulieferer ihr Fett abbekommen. Insgesamt keine rosigen Aussichten.

Widerstand vom Konzernbetriebsrat

Källenius will heute Details auf einer Investorenveranstaltung bekannt geben. Die Maßnahmen sollen dabei so verträglich wie möglich ausfallen. Man sei mit den Arbeitnehmervertretern in engem Kontakt. Als die ersten Pläne zur Personalkostenreduktion letzte Woche bekannt wurden, war jedoch schon Widerstand vom Konzernbetriebsrat zu spüren. Spannend dürften die Verhandlungen auch werden, weil der Betriebsrat schon vor zwei Jahren eine Beschäftigungssicherung bis Ende 2029 ausgehandelt hatte. Betriebsbedingte Kündigungen sind für sie also ausgeschlossen. Pikant: Dieser Schutz gilt allerdings nicht für die höheren Führungskräfte! Rund 10 Prozent des Führungspersonals, sprich 1.100 Mitarbeiter, sollen betroffen sein. Das berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Ebenfalls wird ein Gehaltsverzicht für Führungskräfte kolportiert.

Investoren wenig zuversichtlich

Durch die Maßnahmen soll sich die Umsatzrendite im Auto- und Van-Segment bei mindestens 4 Prozent für das nächste Jahr stabilisieren und bis 2022 auf 6 Prozent steigen. Nur im Segment der LKW soll die Rendite bei 5 bzw. 7 Prozent liegen. Die Investoren scheinen aber dem Plan wenig zu vertrauen. Offenbar gehen die Einsparungen diesen nicht im Ansatz weit genug. Heute morgen brach der Aktienkurs zunächst um über 3 Prozent ein. Die EU hat die CO₂-Flotten-Grenzwerte drastisch verschärft, das kostet Daimler gerade aufgrund der verfehlten Modellpolitik nun viel Geld. Der Konzern muss seine Modellpalette wohl drastisch umbauen. Ein Schwenk von den margen- und schadstoffträchtigen Vielzylindern, hin zu den teuren Elektro- und Hybrid-Fahrzeugen, mit denen sich viel weniger Geld verdienen lässt, muss sehr bald gelingen.

Meinung – Frisch und zackig

Offiziell sind es die CO2-Ziele und die drohenden Trump-Zölle, die den Einbruch zu verantworten haben. Doch die Wirklichkeit ist komplexer. Letztlich war auch das sture Festhalten am Diesel und die Grenzüberschreitung bei der Manipulation der Abgaswerte der Grund, warum die Autoindustrie auch bei vielen Verbrauchern in Verruf geraten ist. Die enge „Verhaberung“ mit der deutschen Politik und die weltweit kippende Stimmung in manchen Bevölkerungsgruppen in Bezug auf die Klimakatastrophe haben ebenfalls ihren Teil zur jetzigen Situation beigetragen.

Dieter Zetsche, Ex-Chef von Daimler, stand zusammen mit Ferdinand Piech von VW für eine Autoindustrie, die sich letztlich vor der aufkommenden Wirklichkeit versteckt hat: dem Ende des Verbrennungsmotors. Insider fragen sich deshalb schon lange, wie hoch der Preis sein wird, den die Autoindustrie dafür zahlen muss. Mobilität ist nicht mehr gleich einem möglichst freien Individualverkehr. Die Megacities dieser Welt zeigen schon länger, wo die Grenzen des Autoverkehrs liegen. Das Auto ist vielerorts nicht mehr länger der Altar der Nation, bald wohl auch in Deutschland nicht mehr.

(sm)

Titelbild: pixabay.com, wikimedia.com CC

Aktuell

Wer ist Gerald Grosz?