Türken-Präsident Erdogan war heute zu Gast im Weißen Haus bei seinem amerikanischen Haudrauf-Kollegen Donald Trump. „The Donald“ streute in bester Bachelormanier Rosen: „Big Fan“, “Fantastic Job“, etc.: Erdogan konnte sich vor Liebesbekundungen kaum retten. Der Sultan vom Bosporus zeigte sich jedoch „hard to get“.

Wien/Washington 14. November 2019 / Die Einladung Erdogans ins Weiße Haus kommt in einer politisch heiklen Zeit. Der Ukraine-Sumpf und der Rückzug der US-Truppen aus Syrien bringen den nebenberuflichen Twitteranten Trump ordentlich in die Bredouille. Begleitet von Protesten vor dem Weißen Haus, vermittelte Trump jedoch eine Eitel-Wonne-Stimmung Erdogan gegenüber.

Trump voll des Lobes

Trump eröffnete seine Rede mit Lobeshymnen auf Erdogan. Eine „lange Freundschaft seit Tag eins“ mit dem türkischen Präsidenten präge die Beziehung zwischen den beiden. Erdogan goutierte die Schmeicheleien wohlwollend. Als er jedoch selbst zum Wort kam, wies er Trump in die Schranken. Er verlangte die Auslieferung von Erdogans Erzfeind Fethullah Gülen. Den Prediger bezichtigt Erdogan als den Rädelsführer des Putschversuches 2016 in der Türkei. Dieser wohnt seit 1999 im selbstgewählten Exil im US-Bundesstaat Pennsylvania. Erdogan schoss weiter: die jüngste Resolution des amerikanischen Repräsentantenhauses für die Anerkennung des Genozids der Türkei an den Armeniern bezeichnete er als Unmöglichkeit. Und Trump? „Big Fan“ von Erdogan, so die Antwort des zum Juniorpartner degradierten „Commander-in-Chief“. Auch sonst schmierte er Erdogan gehörig Honig ums Maul. Die Türkei sei ein großartiger Nato-Partner. Das Thema Syrien versuchte er dabei konsequent zu vermeiden. Die USA überließen durch ihren Truppenrückzug in Syrien die Kurden der türkischen Militäroffensive.

Trumps Brief ist Thema

Bei den anschließenden Fragen übte Trump seine gewohnte Auslegung der Pressefreiheit dar. Mit den Worten: „Eine freundliche Person aus der Türkei bitte, freundlich, wir wollen nur freundliche Reporter hören, da gibt es nicht so viele“, war er für Fragen aus der Türkei „“ffen“. Auch der viel diskutierte Brief von Trump an Erdogan war Thema der Reporter. Erdogan habe ihn im Vorfeld der Pressekonferenz dem US-Präsidenten zurückgegeben.

Für Impeachment keine Zeit

Für den Nebenschauplatz Impeachment-Anhörung scheint der US-Präsident momentan keine Zeit zu haben. Der dem Fernsehen nicht so abgeneigte Trump soll zwar einige Stunden pro Tag vor der Glotze hocken. Laut White-House-Sprechern soll er sich allerdings die öffentlichen Anhörungen rund um die Ukraine-Affäre nicht anschauen. Er sei zu „busy“. Nicht zu beschäftigt scheint er jedoch für sein Lieblingshobby Twitter zu sein: auf der Plattform spracher wiederholt von einer „Hexenjagd“ gegen sich.

(bf)

Titelbild: APA Picturedesk

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